Landkreis Ostallgäu organisiert festliche Veranstaltung für Vergabe der Ehrenamtskarte 

Ein Abend der Anerkennung

Ein Highlight des Abends, an dem 500 freiwillige Helfer aus unterschiedlichsten Bereichen die neue Ehrenamtskarte überreicht bekamen, war der Auftritt der blinden Olympionikin Verena Bentele (hier mit Moderatorin Ulla Müller). Foto: Sommer

Landkreis/Marktoberdorf – Der Landkreis Ostallgäu ehrte 500 Ehrenamtliche in Rahmen einer großen Veranstaltung: Sie bekamen die neue „Ehrenamtskarte“ des Landkreises Ostallgäu aus den Händen von Landrat Johann Fleschhut überreicht. 

Marktoberdorf – Bei einem Festakt hat der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut die Ehrenamtskarte an 500 ehrenamtlich tätige Ostallgäuer vergeben. Bei dem von der BR-Moderatorin Ulla Müller geleiteten Nachmittag sprach unter anderem auch die blinde Olympionikin Verena Bentele, die die Ehrenamtskarte als Medaille für engagierte Menschen sieht. Ne- ben einem Unterhaltungsprogramm kamen auch Ehrenamtliche zu Wort.

„Ich dachte, das ist wieder so eine Pille-palle-Karte“. Ulla Müller sprach deutliche Worte in ihrer Moderation. Um dann aber gleich nachzuschieben, dass sie diese Form der Auszeichnung sehr gut fände, die Ostallgäuer Karte eben nicht „Pille-palle“ sei. Oder wie es Johann Fleschhut formulierte: „Wir ermäßigen nicht nur, wir bieten kostenfreie Leistungen“. Als Anerkennung für die Leistungen der Frauen und Männer, jungen und alten aus den Vereinen, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz oder THW hatte der Landkreis die Königscard-Ehrenamtskarte geschaffen. Vergleichbar der Gästekarte, die im südlichen Ostallgäu verwendet werden kann, und die beispielsweise kostenlose Bergbahnfahrten, Fahrten mit der Forg- genseeschifffahrt oder den Eintritt in Museen gewährt, funktioniert auch die Ehren- amtskarte. Man habe versucht, sie wertig aufzuladen, so Johann Fleschhut und zahlreiche interessante Objekte im gesamten Landkreis gefunden, die sich an der Karte beteiligen. Und ihrem Besitzer eben kostenlosen Zugang gewähren. 

Dafür sollten die Städte und Gemeinden im Landkreis (ohne Kaufbeuren) verdiente Mitmenschen vorschlagen, die in den Genuss der Karte und ihrer Vorteile kommen sollten. Wobei vor allem die kleineren Kommunen nur ein kleines Kontingent an Karten zur Verfügung hatten. Lechbruck beispielsweise durfte nur acht Menschen mit der Karte bedenken und bestimmte diese daher mit dem Losentscheid. Zu denen, die sich am Sonntag im Modeon ihre Karte abholen durften, gehörten auch die Prinzessin von Thurn und Taxis, Präsidentin des Roten Kreuzes und nominiert von ihrer Heimatgemeinde Schwangau.

Großer Ehrenabend

Man erkenne die Motivation, sich für andere zu engagieren, so Ulla Müller im Gespräch mit einigen der 500 Ehrenamtlichen, die in den Genuss der Karte kommen sollten. Gegenüber dem Gauschützenmeister von Marktoberdorf-Kaufbeuren Richard Sirch meinte sie, man könne „das Feuer in dessen Augen“ sehen. Dieser reichte das Kompliment aber noch weiter und stellte fest, dass ohne den richtigen Partner im Hintergrund keiner der Freiwilligen und Ehrenamtlichen so gut würde wirken können. Wie es kurz zuvor auch die blinde Olympionikin Verena Bentele getan und aus ihrem Leben erzählt hatte. 

Beeindruckender Auftritt

Der Auftritt der Sportlerin war eines der Highlights des Nachmittags, neben dem Kreisblasorchester und einer Show der Breakdance-Weltmeister Rhythmic Move vom TSV Günzach. Bentele ist mehrfache Welt- und Europameisterin im Biathlon und Langlauf, eine Disziplin, die sie nur mit Begleitläufer schafft. Diesem müsse auch die Anerkennung zuteil werden, so Bentele, denn ohne ihn (oder sie) käme sie nie ins Ziel und wenn, würde der Sieg nicht gelten. Weshalb auch die Begleitläufer ihre Medaille bekommen. Doch um zu gewinnen, brauche es Motivation. Und die gehe nur über viele kleine Ziele, die man sich stecke. Es sei das Engagement für ein gemeinsames Ziel, das auch die Ehrenamtlichen ausmache, so die Biathletin, die mittlerweile in München studiert. Vor allem aber brauche es Freiheit, Bewegungsfreiheit, sich entfalten und vor allem die eigenen Grenzen erleben zu können. 

Es sei quasi eine Art Vertrauensvorschuss gewesen, den ihr ihre Eltern seinerzeit gegeben hatten, um auszuprobieren, was ihr gefalle, so die junge Frau. Wobei es nie ganz ohne Beulen abgehe, so Bentele, wenn sie beim Fahrradfahren wieder einmal ein Hindernis übersehen habe. Aber dieses Ausprobieren sei wichtig, damit man auch erkenne: „Was macht mir Spaß, worin bin ich gut?“. 

Und schließlich habe sie für sich vieles trainiert, Kraft, Kondition und Koordination. Eigenschaften, die es auch für das Ehrenamt bräuchte, um dieses Amt und seine Aufgaben zu bewältigen. Das bringe schließlich den Spaß an der Sache, das „Brennen“, das Ulla Müller in den Augen Sirchs gesehen haben wollte. Wenn dann noch die Kommunikation stimme, so  Verena Bentele, die im Januar den Kilimandscharo besteigen will, dann sei man auf der Erfolgsgeraden. gau  

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