Der fliegende Ringer vom TSV Westendorf

Lenny hat "Benzin im Blut"

+
Lenny beim Training auf der Strecke des AMC Gablingen.

Stöttwang – In der Gesellschaft wird immer wieder diskutiert, ob Kinder durch Schule und Hobbys nicht überfordert werden. Der achtjährige Lenny Schmidt aus Thalhofen meistert diese Herausforderung. Er fährt bereits seit vier Jahren Motocross und hat vor kurzem auch noch das Ringen für sich entdeckt.

Wenn man ins Wohnzimmer der Familie Schmidt kommt, sieht man dort bereits die ersten Anzeichen für Lennys große Leidenschaft. Dort steht nämlich das nagelneue Moped. Das neue Fahrzeug ist vor allem für die zahlreichen Wettkämpfe gedacht, an denen Lenny teilnimmt. Bereits sehr früh begeisterte sich der Junge für den Motorsport. Ihn faszinierten die Pokale, die sein Opa und sein Papa hier gesammelt hatten, sagt Lenny.

Mit vier Jahren bekam er sein erstes eigenes Pocket Bike. Von da an trainierte er auf Feldern, Wiesen und in Kiesgruben. Das erstaunliche dabei: Fahrradfahren lernte Lenny erst viel später. „Das war mir immer zu gefährlich“, gibt der Achtjährige zu. Das sieht beim Motocross ganz anders aus. Hier darf man keine Angst haben. Schnelligkeit bringt Sicherheit.

2016 startete er dann seine erste Rennsaison in der südbayrischen Clubsport-Serie. Als Mitglied in den Vereinen MSC Eichenried e. V. und AMC Gablingen e. V. übt er jetzt auf professionellen Rennstrecken. „Das ist wie bei jedem anderen Sport: Man kann die grundlegenden Sachen leicht lernen. Aber erst die Technik macht aus einem Amateur einen guten Sportler“, sagt Papa Jens. Deshalb hat Lenny dieses Jahr gleich fünfmal an einer Motocrossschule teilgenommen. Hier wird dann an drei bis vier Tagen die Technik von professionellen Trainern vermittelt.

In den letzten Monaten war die Familie Schmidt nur an zwei Wochenenden zu Hause. Wettkampfwochenenden sind zur Routine geworden. Bereits am Freitag geht es mit dem Wohnwagen los. Lenny nimmt in ganz Südbayern an Rennen teil. Die ganze Familie übernachtet dann am jeweiligen Wettkampfort. Beim ersten Mal in Essenbach blieb der Erfolg aber leider aus. „Die meisten Kinder beginnen viel früher mit dem Motocross als Lenny. Er musste in einem Jahr einiges aufholen“, erzählen seine Eltern. Die nächsten Wettkämpfe standen unter dem Motto „Dabei sein ist alles“. Lenny gab sich damit nicht zufrieden. Bei der ADAC Südbayern-Meisterschaft errang er dann den vierten Platz. So konnte er sich für den ADAC MX Bundesendlauf in Grevenbroich nahe Köln qualifizieren. Ein großer Erfolg, denn nur die vier besten pro Klasse einer Regionalserie werden zugelassen. Hier schaffte es Lenny sogar bis ins Finale, erzählen seine Eltern.

Als Gaststarter nahm er auch an anderen Rennen teil, wie beispielsweise dem Nordbayern MX Cup, dem BW Cup oder dem DJMV. Sogar einen internationalen Wettkampf hat der Achtjährige schon zu verbuchen: 2016 nahm er am KTM KINI Alpencup in Kundl/Tirol teil. „Mein großes Ziel ist es immer, aufs Podest zu kommen“, berichtet der junge Motocrossfahrer. Den Grundstein hierfür legte er bei seinem letzten Wettkampf für diese Saison. In Übersee erreichte er beim Chiemgau-Cross-Cup endlich den dritten Platz. Bis April sind jetzt die Rennstrecken geschlossen.

Um trotzdem fit zu bleiben hat Lenny 2015 das Ringen für sich entdeckt. Als Schüler im „Ringerdorf Westendorf“ eigentlich klar. Weil sich im Sommer teilweise Trainings- und Wettkampfzeiten seiner Sportarten überschneiden, versucht Lenny vor allem im Winter beim Ringen zu punkten. Im Januar 2016 trat er in Aichach zur Schwäbischen Meisterschaft an und wurde Vizemeister. „Solange es geht, will ich beides machen“, sagt Lenny. Für das kommende Jahr hat er sich auf jeden Fall schon viele Ziele gesetzt: „Die Südbayernserie zu gewinnen, wieder zum Bundesendlauf und zum Supercup zu fahren und natürlich beim Ringen Turniere zu gewinnen.“

von Agnes Reißner

Meistgelesene Artikel

Sauerei am Fieselstadion

Kaufbeuren – Der Fieselplatz in Neugablonz, Austragungsstätte unzähliger und hitziger Partien, rückt Jahr für Jahr nach Beendigung des offiziellen …
Sauerei am Fieselstadion

Neues Führungsteam

Kaufbeuren – Vor mehr als 50 Jahren taten sich betroffene Eltern im Ostallgäu zusammen um die Entwicklung ihrer behinderten Kinder zu fördern und …
Neues Führungsteam

Vor Frost geschützt

Kaufbeuren – Die ersten kalten Tage mit ihren frostigen Temperaturen zeigen deutlich, dass der Winter vor der Tür steht. Auch an Kaufbeurens derzeit …
Vor Frost geschützt

Kommentare