TSLw 1: Schmerzhafter Rückblick am Neujahrsempfang

Standortentscheidungim Vordergrund

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Launige Einstimmung mit einem grünen Pfeil: OB Stefan Bosse zu Beginn seiner Ansprache.

Kaufbeuren – Ein Schatten lag über der Veranstaltung, deren Anlass sonst immer freudig war: Der traditionelle Neujahrsempfang in der TSLw 1 vor einigen Tagen wird voraussichtlich der letzte seiner Art sein. 

So gefüllt wie beim Neujahrsempfang der TSLw 1 mit der Stadt ist das Offizierheim an der Apfeltranger Straße selten gewesen. Der Grund war vielleicht darin zu sehen, dass dies nach derzeitiger Planung die letzte Veranstaltung dieser Art war. Durchaus heitere Passagen in den Ansprachen mischten sich daher gelegentlich mit ernsten, emotionalen und von Bitterkeit geprägten Worten. Das wurde auch nicht durch die Tatsache geändert, dass Oberst Richard Drexl als Kommandeur der Technischen Schule der Luftwaffe 1 (TSLw 1) vom „Primat der Politik“ und von seiner dem Dienstherrn gegenüber loyalen Verpflichtung zur Umsetzung sprach. Oberbürgermeister Stefan Bosse bekannte, dass er seit der Standortentscheidung im Oktober 2011 zusammen mit dem Kommandeur „traumatisiert“ sei. In ihren Reden ließen die Gastgeber das vergangene Jahr Revue passieren und gaben einen Ausblick auf 2013. Über 300 Gäste aus allen Teilen des öffentlichen Lebens waren der Einladung der Gast- geber Stadt und Bundeswehr gefolgt, die den Neujahrsempfang traditionsgemäß gemeinsam gestalteten. Oberst Drexl ging zunächst nochmals auf die Stationierungsentscheidung ein. „Dies ist ein Befehl und wir gehen heute sachlich damit um. Aber wir sind trotzdem emotional betroffen, denn wir sind Menschen in Uniform.“ Wie man den Worten des Kommandeurs entnehmen konnte, hatte die Ausbildungseinrichtung ihre Hausaufgaben bereits im Vorfeld gemacht. Mit großem Aufwand und unter Beibehaltung des Auftrags war mit erheblichen Personalreduzierungen das „Optimierte Eigenmodell (OEM)“ mit einer an wirtschaftlichen Managementstrukturen angelehnten Organisation geschaffen worden und galt damit als Modell für die Schulen der gesamten Bundeswehr. Auch für dieses Jahr sind wieder etwa 3.500 Lehrgangsteilnehmer in rund 650 Lehrgängen vorgesehen. 

"Ein schwarzes Tuch" 

Angesicht all dessen stelle sich die Frage nach der „Vergeblichkeit des menschlichen Tuns“ sagte Oberst Drexl und lieferte die Antwort gleich selbst: „Das Vaterland hat gesagt ‚Vielen Dank, das machen jetzt andere!‘“. Die Auflösung der TSLw 1 zum Jahresende werde durch „Einrollen der Truppenfahne und Verhüllen mit einem schwarzen Tuch“ sowie die Aufstellung des neuen Ausbildungszentrums in Faßberg erfolgen. Es gebe kein „Drehbuch“ für die veränderten Rahmenbedingungen des grundsätzlich unstrittigen Umbau der Bundeswehr. Die Rolle als soziale Institution in Stadt und Region wolle man auf jeden Fall bis zum letzten Tag wahrnehmen, so der Kommandeur – in diesem Zusammenhang kündigte er für den Sommer ein Flugplatzkonzert am 25. Juni an. Es fehlten aber auch durch den Wegfall der Wehrpflicht immer mehr Hände für Sonderaufgaben. Die Dienstzeit von Drexl selbst endet im Herbst diesen Jahres. 

Optionen & Investitionen 

Mit einem grünen Pfeil, der alle Richtungen sowie Höhen und Tiefen symbolisieren sollte, stimmte der OB die Zuhörer auf seine Ansprache ein. Seit Verkündung der Schließungsentscheidung seien Oberst Drexl und er selbst „traumatisiert“. Im Gegensatz zum Auftrag des Kommandeurs, einen Umzug vorzubereiten, habe er einen anderen Dienstherrn und damit eine andere Situation. „Ich habe meinen Auftrag so verstanden, dass ich diesen Umzug verhindern soll“, sagte die Stadtspitze und erntete dafür Applaus. Allerdings bemühe man sich auch intensiv um Kompensationen, die durch die Ansiedlung einer FH-Außenstelle oder durch den B12-Ausbau erreicht werden sollen. Die „gelebte Verbundenheit der Bundeswehr mit der Region“ sei auch daran erkennbar, dass der Jahresempfang des Bundeswehrverbandes nun am 15. April in Kaufbeuren stattfindet, da die Stadt München kein Interesse bekundete. Kaufbeurens Oberbürgermeister lobte die Wachstumsimpulse durch hohe Investitio- nen heimischer Betriebe und von VR-Bank und Sparkasse. Das Konzept des privaten Investors für das Forettle werde im Februar erwartet. Bosse streifte die bekannten Problemfelder „Eisstadion“ und „Kliniken“ und endete mit einer positiven Information: Das Stadtmuseum wird nach rund elf Jahren am 7. Juni wiedereröffnet. von Wolfgang Becker

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