Ein "mächtiger Band"

„Kaufbeuren fühlt sich seiner Tradition verpflichtet“, die Kaufbeurer Schriftenreihe sei nur ein Ausdruck „unserer Verantwortung gegenüber der Vergangenheit“, brachte es Oberbürgermeister Stefan Bosse vergangenen Freitag auf den Punkt. Vorgestellt wurde der neueste Band der Reihe im Zusammenhang mit der Eröffnung des 6. Bayerischen Archivtages im Rathaus.

Eineinhalb Jahre hat Mirjam Zitzmann an dem neuen Band „Das Jahrzeitbuch des Heilig-Geist-Hospitals zu Kaufbeuren“ gearbeitet und darüber gleich ihre Magis- terarbeit an der Universität Augsburg, Fakultät „Mittelalterliche Geschichte“, geschrieben. Herausgekommen sei dabei ein „mächtiger Band“, so Bosse, der 416 Seiten umfasst und in einer Auflage von 1000 Stück erscheint. Nicht nur, dass die wichtigste noch erhaltene Quelle in den Beständen des Kaufbeurer Stadt- archivs wieder zum „sprechen gebracht“ wurde, wie es Stadtarchivar Dr. Stefan Fischer in seiner Rede betonte, sondern die Quelle wurde gesäubert und lesbar gemacht. Ab sofort wird sie gut temperiert im Tresor des Stadtarchivs aufgehoben, so dass „sie noch die nächsten 800 Jahre uns erhalten bleibt“, so Dr. Fischer. Bei dem Jahrzeitbuch handle es sich um „eine Art Kalender in dem die Stifter“, sprich die Wohltäter des Heilig-Geist-Hospitals, aufgelistet wurden, erläutert Zitzmann bei der Buchpräsentation. Teils schwierig sei auch die Lesbarkeit der Quelle gewesen, sagt Professor Georg Kreuzer, der gemeinsam mit Professor Dr. Martin Kaufhold, beide Universität Augsburg, Zitzmann bei der Bearbeitung des Bandes mit Rat und Tat zur Seite standen. Denn 17 verschiedene Schreiber notierten die Stifter in dem Buch. 46 Pergamentblätter umfasst das Original-Jahrzeitbuch, welches rund 70 Jahre nach der Gründung, gegen 1323, angelegt worden ist. 1900 Stifter sind namentlich in dem Buch genannt, die nicht nur „Geld, sondern auch Naturalien, wie Fleisch und Getreide gespendet haben“, erläutert Zitzmann. Nach 150 Jahren sei das Buch voll gewesen. Eingetragen wurden nicht nur die Stifternamen, sondern auch Informationen zu den Stiftungen selber. Nur wenige historische Ereignisse wurden in dem Jahrzeitbuch, welches in Latein und in mittelhochdeutscher Sprache ist, eingetragen. Und zwar der Brand gegen 1315, bei dem das Hospital abgebrannt ist und vermutlich das erste Jahrzeitbuch verbrannte, sowie der Ausbruch der Pest in Kaufbeuren im Jahr 1348. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Buch im Archivturm des Hospitals gelagert, danach verschwand es. Erst 1857 tauchte es wieder auf. Ein Augsburger Kaplan kaufte das Buch für 30 Gulden und bot es einem Kaufbeurer Stadtpfarrer an. Dass Zitzmann als Bearbeiterin gewonnen werden konnte, ist dem Zufall zu verdanken. 2005 war sie als Werkstudentin am Staatsarchiv in Augsburg tätig. Der Leiter des Archivs, Dr. Peter Fleischmann, steht seit Jahren in Kontakt mit Kauf- beurens Stadtarchivar, Dr. Fischer. Dieser hatte zuvor schon bei Dr. Fleischmann angefragt, ob er nicht jemanden wüsste, der die wissenschaftliche Aufarbeitung der Quelle übernehmen könnte. So ist es zur Zusammenarbeit gekommen. Nicht nur ein besonderer Band ist dabei herausgekommen, sondern im Band ist auch eine Faksimile (genaue Nachbildung einer Schrift) der Originalquelle enthalten.

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