Kinokritik: "BFG – Big Friendly Giant" 

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Der BFG (Mark Rylance) nimmt Sophie (Ruby Barnhill) mit ins Land der Riesen, wo sich dem jungen Waisenmädchen eine völlig neue, fantastische Welt eröffnet.

Der 1990 verstorbene, britische Autor Roald Dahl war nicht nur für seine schwarzhumorigen Kurzgeschichten, sondern auch für seine fantastischen Kinderbücher bekannt. Nachdem unter anderem bereits seine Werke „Hexen hexen“, „James und der Riesenpfirsich“, „Matilda und Charlie“ und die „Schokoladenfabrik“ für die Kinoleinwand adaptiert wurden, bringt Großmeister Steven Spielberg am 21. Juli „BFG – Big Friendly Giant“ als virtuelles Meisterwerk ins Kino.

Inhalt

Das zehnjährige Waisenmädchen Sophie (Ruby Barnhill) lebt zusammen mit vielen anderen Kindern in einem Waisenhaus in London. Während die anderen nachts schlafen, streift sie alleine durch die leeren Gänge und Flure des Hauses oder liest heimlich unter ihrer Bettdecke Bücher. Als sie eines nachts ein sonderbares Geräusch hört, öffnet sie ein Fenster und blickt hinaus. Draußen entdeckt sie eine dunkle Gestalt, die sich heimlich durch die Straße schleicht und lautlos mit einer dünnen Trompete durch die offenen Fenster der Häuser bläst. Als der Riese Sophie entdeckt, versucht sich das verängstige Mädchen in Sicherheit zu bringen. Der Riese packt sie jedoch mit seiner Hand und entführt sie durchs offene Fenster in sein Reich. Auf dem Küchentisch des Riesen ausgesetzt, befürchtet Sophie, als Mahlzeit zu enden. Doch schnell findet sie heraus, dass der Riese namens BFG freundlich ist und ihr nichts antun will. Zwischen dem Mädchen und dem Riesen, der unter den groben Umgangsformen seiner Artgenossen zu leiden hat, entwickelt sich eine Freundschaft. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, um die anderen Riesen, die im Gegensatz zum BFG Menschenfleisch verzehren, für immer von der Insel zu verbannen. Mit Hilfe der Königin von England gelingt es ihnen, ihren Plan zu verwirklichen.

Rezension

Der magische Film basiert auf dem Buch „The BFG“, das 1982 veröffentlicht wurde. 1984 erschien die deutsche Fassung unter dem Titel „Sophiechen und der Riese“. Pünktlich zum 100. Geburtstag des Autors kommt der Film, unter der Regie des großen Roald Dahl-Fans Steven Spielberg, in die Kinos. Für die märchenhafte Adaption der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem kleinen Mädchen und einem friedvollen Riesen, entschied sich Spielberg für ein Werk voller atemberaubender CGI-Effekte. Die rührende Story stammt noch aus der Feder der im November 2015 verstorbenen Drehbuchautorin Melissa Mathison, die mit ihrem Script für Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“ bekannt wurde. 

Für die Rolle der kleinen Sophie entdeckte Spielberg 2014 die damals zehnjährige Newcomerin Ruby Barnhill, die das Kinopublikum mit ihrer frechen Art verzaubert. Mit ihr gemeinsam betritt der Zuschauer die Welt der Riesen, die magisch animiert ist. Für die Rolle des BFG konnte Spielberg Schauspieler Mark Rylance gewinnen, mit dem er 2015 den Spionagethriller „Bridges of Spie“ drehte. Um dem BFG, trotz seiner ansehnlichen Größe, menschlich erscheinen zu lassen, wurden die von Janusz Kaminski („Schindlers Liste“) in Vancouver gedrehten Live-Action-Szenen in der Post-Produktion mit Performance-Capture-Elementen am Computer zu einem fanatischen Gesamtbild vereint. Mit dem gleichen Verfahren und den Kostümen von Joanna Johnston wurden auch den Darstellern Jemaine Clement, Bill Hader, Adam Godley und Chris Gibbs ihre Rollen der grobmotorischen und rüpelhaften Riesen auf den Leib geschneidert.

Die gigantischen Riesen werden als regelrechte Barbaren in Szene gesetzt: Sie schlafen im Freien, schlagen sich bei Auseinandersetzungen gegenseitig die Köpfe ein und verfügen über keinerlei Manieren. Damit entsprechen sie eben jenem Bild, das sich in den Köpfen der Zuschauer über Generationen hinweg eingeprägt hat. Lediglich der BFG ragt mit seinem freundlichen Wesen aus der breiten Masse seiner Art hervor. Zu ihm fasst die kleine Sophie, ebenso wie der Kinobesucher, Vertrauen. Die humorvolle Geschichte ist dadurch auch mit dunklen Facetten durchzogen, was dem Ganzen einen spannenden Unterton verleiht. 

Einige Szenen sind mit gruseligen Effekten versehen, die aber selbst Kinder nicht ängstigen dürften. Spätestens, wenn das freundliche Gesicht des BFG das erste Mal in voller Größe auf der Leinwand zu erblicken ist, verliert sich die Furcht vor ihm. Die Gestaltung der virtuellen Welt der Riesen fällt dank Joe Letteri, der bereits 1993 gemeinsam mit Spielberg an Jurassic Park gearbeitet hat, sehr detailverliebt aus. Nicht nur der magische Wald, sondern auch die Behausung des BFG lassen in jedem Winkel etwas Magisches entdecken. Die Dimensionen reichen dabei von klitzeklein bis riesengroß, wodurch auch der Größenunterschied zwischen Sophie und dem Riesen in seinem gesamten Ausmaß eingefangen werden kann.

Neben dem schier meisterhaften Look legt Spielberg auch besonderes Augenmark auf die Dialoge seiner Figuren. So entstand ein zauberhaftes und amüsantes Kauderwelsch, mit dem der Riese sich mit Sophie verständigt. Die sich daraus ergebenden Missverständnisse prägen den Humor des Films auf phantasievolle Weise. „BFG – Big Friendly Giant“ ist ein magischer Film, der zwei einsame Seelen zu einem starken Team vereint. Humor, phantastisch animierte Welten, einzigartige Figuren und eine rührende Geschichte liegen dem Film zugrunde, der Spaß für die ganze Familie bereithält.

von Sandy Kolbuch

Zum Film:

Originaltitel: The BFG

Land: USA

FSK: 6

Regisseur: Steven Spielberg

Darsteller: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader u.a

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