Not führt zu Kompromiss

Zwei neue Asylheime entstehen

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Auf dem noch grünen Areal entlang der Nordstraße sollen zwei Asylbewerberheime entstehen. Die ehemalige Lagerhalle im Hintergrund soll nach ihrem Umbau als Erstaufnahmestätte für Flüchtlinge dienen.

Marktoberdorf – Seit wenigen Tagen ist es amtlich: in Marktoberdorfs Norden werden zwei weitere Unterkünfte für Asylbewerber sowie ein Übergangswohnheim entstehen. In seiner Sitzung am Montag erteilte der Stadtrat dem ortsansässigen Bauherrn und Investor, der Firma Hubert Schmid, das gemeindliche Einvernehmen.

Das Unternehmen hat in der Nordstraße ein Grundstück erworben, auf dem nun zwei Wohnheime zur Unterbringung von jeweils 88 Flüchtlingen erbaut werden sollen. Die Bagger sollen bereits in der kommenden Woche rollen. Direkt angrenzend wird in einer ehemaligen Lagerhalle eine Erstaufnahmeeinrichtung beziehungsweise ein Übergangswohnheim für solche Flüchtlinge umgesetzt, die nach ihrer Ankunft im Landkreis verteilt werden. 

Die Entscheidung, das Bauvorhaben zu unterstützen, wurde im Stadtrat mit zwei Gegenstimmen aus den Fraktionen der SPD und der Freien Wähler letztendlich als ein „tragbarer Kompromiss“ (Eduard Gapp, CSU) getroffen. Es klang jedoch deutlich an, dass Ärger und Unmut dem Kompromiss vorausgegangen waren. 

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell bemängelte, dass die Stadt erst spät über das Projekt informiert worden war. „Das ist nicht gut gelaufen“, so das Stadtoberhaupt. Stefan Elmer (SPD) sprach in diesem Zusammenhang sogar von „Mauschelei“. 

Diesem Vorwurf widerspricht Brigitte Schröder, verantwortlich für die Projektentwicklung bei Hubert Schmid, gegenüber dem Kreisboten energisch. Die Stadt sei zeitnah vom Landratsamt über das Vorhaben unterrichtet worden, „noch bevor überhaupt der Kauf der ehemaligen Lagerhalle abgewickelt war“, so Schröder. 

Planungshoheit über das Gewerbegebiet hat jedoch letztlich die Stadt, die sich offen ärgerte, nicht von Anfang an mit im Boot gewesen zu sein. Zumal Bürgermeister wie Stadträte eine Konzentration von Flüchtlingen auf ein Stadtgebiet, wie es im Norden nun erfolgen wird, als äußerst kritisch ansehen. „Wir stehen zu unserer Verantwortung, halten eine dezentrale Unterbringung in kleinen Wohneinheiten allerdings für sinnvoller und sozialer“, erklärte der zweite Bürgermeister Wolfgang Hannig (SPD). 

Jetzt ist mit bis zu 300 Asylsuchenden mehr in der Nordstraße zu rechnen, wie Torsten Krebs (CSU) berechnete. Das bereits bestehende Asylbewerberheim in direkter Nachbarschaft bietet 40 Personen Platz. Im Stadtgebiet sind momentan 154 Flüchtlinge beherbergt, Tendenz steigend, wie der Bürgermeister betonte. 

Von „Ghettobildung“ im Norden sprach daher Stadtrat Franz Barnsteiner (Freie Wähler). „Zentral ist nicht gleich sozial“, pflichtete ihm Stefan Elmer (SPD) bei. Beide stimmten später gegen das Bauvorhaben. Stadt und Stadträte sahen sich angesichts der humanitären Notlage und der ständig steigenden Anzahl an Flüchtlingen jedoch auch in der Pflicht. Ausschlaggebend sei die menschliche Not, betonte Hell. 

Grund genug für viele Stadträte, wenn auch zähneknirschend, eine Konzentration von mehreren hundert Flüchtlingen in Marktoberdorfs Norden in Kauf zu nehmen. Erste Pläne des Investors hatten auf besagtem Grundstück sogar drei anstelle von zwei Wohnheimen vorgesehen. Doch die Stadt intervenierte. Zwei Unterkünfte mit vornehmlich Zwei-Bett-Zimmern und einigen wenigen kleinen Wohnungen für geflüchtete Familien sollen in den nächsten Wochen entstehen. 

Außerdem will die Marktoberdorfer Baufirma ein Nebengebäude errichten, in dem eine Fahrradwerkstatt und ein Möbellager untergebracht sind. Das hatte der Asylkreis schon lange für die Flüchtlinge gefordert. 

Soziale Nutzung erlaubt 

Die Stadt wiederum kommt dem Investor nun dahingehend entgegen, dass sie den Bauherrn von bestimmten Auflagen des Bebauungsplans befreit. Eine Wohnbebauung auch für soziale Zwecke ist laut Plan im Gewerbegebiet nämlich gar nicht zulässig. Der Stadtrat genehmigte nun ausnahmsweise und nur im Geltungsbereich den Bau einer Wohnanlage für soziale Zwecke sowie die Nutzungsänderung einer Lagerhalle zur Aufnahme von Flüchtlingen.

von Angelika Hirschberg

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