Abstimmungsergebnis: "Nein"

Mädchen dürfen nicht mitspielen

+
Beim Tänzelfest gehört die Knabenkapelle zu den musikalischen Highlights in Kaufbeuren. Ob das mit Mädchen anders wäre, dazu gab es bei der Jahreshauptversammlung des Tänzelfestvereins geteilte Meinungen.

Kaufbeuren – Eine in der Vereinsgeschichte historische Abstimmung stand auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des Tänzelfestvereins auf dem Programm. Weil bei einigen Instrumenten der männliche Nachwuchs fehlt, sollten die Mitglieder entscheiden, ob künftig auch Mädchen in das Orchester zugelassen werden. „Nein“, so das Abstimmungsergebnis.

Auf den ersten Blick ein klares Votum – weil aber derzeit niemand weiß, wie eine Vollbesetzung des Orchesters so auf lange Sicht sichergestellt werden soll, wird um das künftige Vorgehen weiter heiß diskutiert.

Die Tänzelfestknabenkapelle ist eine Institution in Kaufbeuren, feiert 2017 ihr 150-jähriges Bestehen. Doch mit dem traditionellen Konzept als reine Knabenkapelle könnte es bald vorbei sein, denn junge Männer, die Instrumente wie Klarinette, Flöte oder Querflöte spielen, werden immer seltener. „Das grundsätzliche Interesse junger Kaufbeurer, bei uns mitzuspielen, ist ungebrochen“, erklärte Dirigent Wolfgang Wagner. „Aber: Die meisten Buben wollen trommeln, für viele Blasinstrumente wie Flöte oder Klarinette interessieren sich dagegen heutzutage fast nur noch Mädchen“. Er plädierte deshalb dafür, die Kapelle für auch für diese zu öffnen – auch wenn er „eigentlich ein Verfechter der reinen Knabenkapelle“ sei. 

Weil neue Bewerber für die unterbesetzten Register nicht vom Himmel fallen – die Musiker der Tänzelfestknabenkapelle werden meist schon ab dem Grundschulalter über viele Jahre ausgebildet – werde es angesichts der derzeitigen Lage ohne Mädchen wohl auf Dauer nicht mehr gehen, so Wagner. 

Deshalb hatte der Verein den Stimmberechtigten sogar ein kleines „Schlupfloch“ geboten: Neben „ja“ oder „nein“ konnten die Mitglieder sich noch für eine dritte Variante entscheiden, nämlich, Mädchen lediglich als „Gastspieler“ für die besonders unterbesetzten Register aufzunehmen. Für eine solche Zwischenlösung konnten sich allerdings nur 30 der insgesamt 126 Stimmberechtigten erwärmen, 39 stimmten für die generelle Aufnahme von Mädchen, 57 dagegen. Ein Ergebnis, dass die schon seit längerem geführte kontroverse Diskussion im Tänzelfestverein widerspiegelt. 

Während einige Mitglieder im Gespräch mit demKreisbote die Aufnahme von Mädchen als „Chance“ sahen, „das Orchester mit weiblichen Mitgliedern neu aufzustellen und vor allem die musikalische Qualität zu sichern“, forderten andere, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die reine Knabenkapelle zu erhalten: „Das ist einfach Tradition und eine Besonderheit Kaufbeurens“. 

Der Ansicht mancher Vereinsmitglieder, es werde nicht ausreichend um den männlichen Nachwuchs geworben, erteilte Dirigent Wagner allerdings eine klare Absage: „Wir sind da sehr bemüht“. Zudem biete man neben den eigentlichen Auftritten auch zusätzliche Events wie Ausflüge oder Gruppen-Wochenenden. „Wer zu uns kommt, den erwarten eine tolle Gemeinschaft und ein gutes pädagogisches Konzept. Ebenso wichtig ist uns eine individuelle Förderung der Buben, wir freuen uns über jeden, der ernsthaft mitspielen möchte“, so Wagner. Auch Martin Klein, der Leiter der Ludwig-Hahn-Musikschule, die die jungen Musiker der Knabenkapelle seit vielen Jahren mit großem Engagement ausbildet, bestätigt dies. 

Wie es nun weitergehen soll? „Das Ergebnis der Abstimmung gibt uns zwar jetzt den Auftrag, die Tradition zu erhalten, das Grundproblem löst es aber nicht“, sagt Tänzelfest-Vereins-Vorstandsmitglied Christian Mayer. Zudem sei am Gesamtergebnis der Abstimmung zu erkennen, dass die Mehrheit der Mitglieder einer Öffnung der Kapelle für Mädchen zumindest nicht völlig entgegenstehe. „Wir werden jetzt weiter alles versuchen, unsere Register mit Buben aufzustocken. Wenn das nicht klappt – dann muss das Thema wohl im kommenden Jahr wieder auf den Tisch“.

von Michaela Frisch

Meistgelesene Artikel

Wohin mit den Abgabehunden?

Landkreis/Beckstetten – Das Tierheim Beckstetten des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung e. V. kommt nicht zur Ruhe. Neben …
Wohin mit den Abgabehunden?

"Wir sind die Coolsten"

Stefanie Kloß (*1984) gründete 1998 ihre erste Band, aus der einige Jahre später SILBERMOND hervorging. Seit mehr als 12 Jahren rockt sie gemeinsam …
"Wir sind die Coolsten"

KU braucht neuen Klinik-Chef

Kaufbeuren/Ostallgäu – Dr. Philipp Ostwald, Chef der Ostallgäuer Krankenhäuser, wird seinen Vertrag mit dem Kommunalunternehmen (KU) nicht …
KU braucht neuen Klinik-Chef

Kommentare