Kinokritik: "Ben Hur"

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Die ungleichen Brüder Messala Severus (Toby Kebbell, links) und Judah Ben-Hur (Jack Huston).

1959 erschien der Klassiker „Ben Hur“, der das 20. Jahrhundert nachhaltig prägte. „Wanted“-Regisseur Timur Bekmambetov hat die Geschichte der ungleichen Brüder Judah Ben Hur und Messala, die Lewis Wallace im Jahr 1880 schrieb, modernisiert. Am 1. September läuft der monumentale Actionepos im Kino an.

Inhalt

Der angesehene und wohlhabende Judah Ben Hur (Jack Huston) gerät durch die List seines Adoptivbruders Messala (Toby Kebbell) in Gefangenschaft. Getrennt von seiner Familie und seiner großen Liebe Esther (Nazanin Boniadi), wird er als Sklave auf eine römische Galeere gezwungen. Über fünf Jahre fristet er sein Leben am Ruder, bis das Schiff untergeht und Judah im letzten Moment die Flucht gelingt. Scheich Ilderim (Morgan Freeman) nimmt sich dem jungen Mann an und bildet ihn als Wagenlenker aus. Angetrieben von dem Gedanken, an seinen ehemals geliebten Bruder Rache zu nehmen, erträgt Judah jede noch so große Qual. Jahre später kommt es, unter den Augen von Pontius Pilatus (Pilou Asbæk), zum epochalen Wettkampf zwischen den Brüdern.

Rezension

Lange haderte Regisseur Timur Bekmambetov („Abraham Lincoln: Vampirjäger“), ob er den Klassiker „Ben Hur“ modernisieren sollte. Schlussendlich entschied er sich dazu, das Projekt anzunehmen, um der bekannten Geschichte einem neuen Look zu verleihen. Genau genommen ist der Look nicht wirklich neu. Dennoch haben Produktionsdesignerin Naomi Shohan und Kostümbildnerin Vaeya Avdyusko vorzügliche Arbeit geleistet. Sie versetzen den Zuschauer direkt ins biblische Zeitalter, das erwartungsgemäß karg und monumental ausfällt. Das Zeitkolorit spricht für sich, sodass rein optisch alles stimmt.

Die ursprüngliche Handlung wurde komprimiert und konzentriert sich in den 123 Minuten auf den Fall des Judah, durch die Hand seines Bruders. Nach einer ausführlichen Einführung in die Geschichte und die Vorstellung der Figuren, füllen Toby Kebbell („Fantastic Four“) und Jack Huston („Stolz und Vorurteil & Zombies“) ihre Rollen der ungleichen Brüder aus. Ihr rund 2000 Jahre zurückliegende Konflikt ist mit beeindruckenden Effekten bebildert, dennoch fällt es dem Zuschauer schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren. Der Versuch, den Leinwand­epos mit moderner Inszenierung zum neuen Leben zu erwecken, gelingt daher nur bedingt.

Die am Rande eingeflochtene Geschichte Jesus Christi ist kaum einer Erwähnung wert, da sie nur durch Nebenhandlungsstränge Betrachtung findet.

Die rasant geschnittenen Bilder bewegen sich konstant. Die Kamera scheint nie stillzustehen. Der 3D-Effekt vertieft den Blick auf die Kinoleinwand, wird aber aufgrund der schnellen Schritte zu einer Kraftanstrengung für die Augen. Der Perspektivwechsel zwischen den Figuren wirkt nicht immer rund, eröffnet aber den Blick auf das breite Geschehen. 

Das legendäre zehnminütige Wagenrennen fängt die Kamera aus nächster Nähe der Wagenachse ein, was dem Film zwischenzeitiges Live-Feeling verleiht. Die teils animierten Landschaften wurden bis aufs äußerte erweitert und mit Menschenmassen bevölkert. Nur in wenigen Szenen lassen sich die Animationen deutlich erkennen. Über den Großteil des Films verschwimmen die Realaufnahmen mit den CGI-Effekten zu einem authentisch erscheinenden Gesamtbild. Dadurch werden vor allem die Szenen des Wagenrennens mehr als glaubhaft, wobei die Seeschlacht weitaus spektakulärer ausfällt.

Das Filmende ist mit Symbolen überlastet. Nicht nur mit visuellen Darbietungen übertreibt es der Regisseur, auch die zitierten Bibelverse verleihen dem Ende einen unausweichlichen Kitsch.

„Ben Hur“ kommt leider bei weitem nicht an den Oscar-prämierten Klassiker von 1959 heran. Aufgrund des rasanten Schnitts, der teils beeindruckenden CGI-Effekte und einer nicht ganz uninteressanten Story, kann der Film durchaus als alternatives Popkornkino in Betracht gezogen werden.

von Sandy Kolbuch


Zum Film

Originaltitel: Ben Hur

Land: USA

FSK: 16

Regisseur: Timur Bekmambetov

Darsteller: Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Morgan Freeman, Nazanin Boniadi, Pilou Asbæk u.a.


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