Hintergründe zum Tatmotiv

Machtphantasien und Erpressung

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Kaufbeurer Bürger legten damals an der Stelle Blumen ab, wo der 22-jährige Kaufbeurer von den mutmaßlichen Tätern in die Wertach geworfen wurde.

Kempten/Landkreis – „Gefährlich und psychopathisch“ sei das 22-jährige Opfer gewesen, berichteten am Montag Zeugen im Rahmen des aufsehenerregenden Prozesses gegen drei Kaufbeurer im Alter zwischen 19 und 21 Jahren. Die Angeklagten sollen, wie mehrfach berichtet, ihren 22-jährigen Mitbewohner mit 16 Messerstichen getötet haben.

Zum Tatablauf gab es am Montag und Dienstag keine neuen Erkenntnisse, Zeugen und Gutachter zeichneten jedoch ein Bild von den Umständen, die wohl zu der Tat geführt haben. Erhärtet wurde außerdem der Verdacht gegen den mutmaßlichen 19-jährigen Haupttäter, der allerdings weiter schweigt.

Im Mordprozess gegen drei Kaufbeurer (wir berichteten) wurde vor dem Landgericht Kempten am Montag und Dienstag weiter verhandelt. Dabei ergaben sich zum Tatab­lauf keine neuen Erkenntnisse: Weiter geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der jüngste der drei Angeklagten, ein 19-Jähriger, seinen 22-jährigen Mitbewohner mit 16 Messerstichen getötet haben soll. Anschließend hätten er, sein Bruder und ein weiterer Mitbewohner ihr Opfer zu beseitigen versucht, indem sie es in der Badewanne der gemeinsamen Wohnung anzündeten. Als dies misslang, hätten sie den Toten in die Wertach geworfen.

Sachverständige stützen Theorie der Ermittler

Untermauert wurde diese bisherige Theorie am Dienstag auch von den befragten Sachverständigen. Eine große Rolle bei den Ermittlungen und der späteren Auswertung der Beweisstücke spielte dabei das Laken des Bettes, auf dem der Tote nach bisherigen Erkenntnissen starb. Darauf fanden sich, neben dem Blut des Opfers, auch größere Mengen Blut des 19-jährigen mutmaßlichen Haupttäters. Nicht ausgeschlossen werden könne laut einer Gerichtsmedizinerin, dass das Opfer noch gelebt habe, als die drei Angeklagten versuchten, ihr Opfer in der Badewanne zu verbrennen.

Hintergründe zum Tatmotiv

Der 19-Jährige schwieg auch während der vergangenen beiden Verhandlungstage zu den Vorwürfen. Mehr bekannt wurde allerdings zu den Hintergründen und Umständen, die zu der Tat geführt haben.

Dass alle Beteiligten dem Drogenmilieu nahe standen, war im Rahmen der Ermittlungen schnell klar geworden (wir berichteten). Welch große Rolle nicht nur die Geldschulden an sich, sondern auch der psychische Zustand von Tätern und Opfer spielten, wurde am Montag klar. Zeugen aus dem Umfeld der Beteiligten berichteten, das spätere Opfer sei „gefährlich und psychopathisch“ gewesen, habe immer wieder Bekannte aus unterschiedlichen Gründen unter Druck gesetzt. Dabei sei es meistens um Drogen gegangen, der 22-jährige habe sich mit seinem Verhalten wohl als „Dealer-Boss“ positionieren wollen. Erpressung, die Teilnahme an einem Überfall auf eine Tankstelle sowie Einbrüche in Wohnungen von Bekannten seien laut Zeugen an der Tagesordnung gewesen. Auch die Angeklagten hätten nach den bisherigen Erkenntnissen für ihren Mitbewohner Drogen verkaufen sollen – ein Umstand, der dann auch zu den späteren Schulden in Höhe von 3800 Euro und schlussendlich zur Tat führte.

Während der Zeugenaussagen kristallisierte sich heraus, dass die Ursache für das Verhalten und die „Machtphantasien“ des 22-Jährigen wohl nicht zuletzt dessen eigener Drogenkonsum gewesen sei, auch die Angeklagten hätten sich nach Aussage mehrerer Bekannter ab dem Frühjahr 2015 immer mehr „verändert“. Der 19-Jährige, der die eigentliche Tötung begangen haben soll, habe zudem im Vorfeld immer wieder über den Druck gesprochen, den der 22-Jährige auf ihn ausgeübt habe. Bestätigt worden war dies auch von den eigenen Aussagen der Angeklagten, die bereits während der polizeilichen Vernehmung ausgesagt hatten, vor und nach der Tat Betäubungsmittel konsumiert zu haben.

Möglichkeit der Therapie?

Das Bild, das während des Prozesses von der Situation vor der Tat entstand, bestätigten am Dienstag ermittelnde Polizisten, die im Anschluss an die Tat die Befragung der Angeklagten durchgeführt hatten. Sie berichteten von „augenscheinlich psychotischem Verhalten“ der Befragten. Während des Prozesses kam deshalb auch die Möglichkeit einer Therapie im Falle eines Schuldspruchs zur Sprache. Am Donnerstag (nach Redaktionsschluss) wird der Prozess mit den Aussagen weiterer Gutachter fortgesetzt.

aus dem Gericht von Michaela Frisch

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