Muotis Hengst und Märzenfräulein

In der letzten Zeit machte der Ortsteil Eben- hofen hauptsächlich durch die Band „Sternblut“ von sich reden. Dass es hier und im Umkreis aber auch noch ganz andere „Prominenz“ gibt, nämlich uralte Sagengestalten und Erscheinungen, konnte man vergangene Woche im „Baschtlehaus“ in Ebenhofen erleben. Hier überreichte Dr. Alois Kling, Leiter des Kemptener Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), dem Ebenhofener Heinrich Maul und den vier Bürgermeistern der VG den Leader-Förderbescheid für ein ganz besonderes Projekt.

Im Gebiet der Gemeinden Aitrang, Biessenhofen, Ruderatshofen und Bidingen soll ein Netz aus Wander- und Radwegen entstehen, das - und nun kommt das Besondere - ganz unter dem Motto „lokale Sagen und mystische Orte“ steht. In mühevoller Recherchearbeit trugen engagierte Gemeindemitglieder ab dem Jahr 2006 über 60 überlieferte Geschichten über Naturgeister und Spukerscheinungen zusammen, markierten die zugehörigen Plätze auf der Landkarte und schufen so die Vorlage für den nun über 60 Kilometer langen Rundweg. Von diesem Hauptweg geht dann eine Vielzahl von Querverbindungen und „Sackgassen“ ab, je nachdem ob jemand mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist und ob eine große Wanderroute oder nur ein kleiner Spaziergang bewältigt werden soll. Für Familien soll es Spielstationen geben sowie Freizeitkarten. An den Wegen werden dann dezente Hinweisschilder oder Metallfiguren auf die besondere mystische Geschichte des Platzes hinweisen. Da gibt es zum Beispiel überlieferte Hexentanzplätze wie den Kalfariberg bei Bidingen oder die Glaubersteine. Aber auch die „Märzenburg“ zwischen Kaufbeuren und Biessenhofen mit dem geheimnisvollen Märzenburgfräulein darf natürlich nicht fehlen. Hier soll der Sage nach sogar noch ein uralter Schatz zu holen sein. Viele Orte stehen auch mit dem „Mang vom Schimmelhof“ in Verbindung, der eine Art „Herkules des Allgäus“ gewesen sein soll und oft gegen das Böse gekämpft hat. „Diese Geschichten sind so interessant. In Verbindung mit der wunderschönen Allgäuer Natur werden sie nun zum Freizeiterlebnis für Jung und Alt“, freut sich Heinrich Maul, der Vorsitzender des Fördervereins „Baschtlehaus“ ist und mit seinen Helfern viel Zeit und Herzblut in das Projekt investiert hat. „Mit der Förderung können wir das Ganze nun endlich zu einem guten Abschluss bringen!” „Für die beteiligten Gemeinden wird der Weg sich positiv auf Übernachtungszahlen und Gastronomie auswirken“, hofft auch Dr. Kling. So ist es vielleicht auch kein Wunder, dass die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit diesmal besonders gut funktioniert hat. „Ich konnte anfangs kaum glauben, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung über Gemeindegrenzen hinweg ohne einen professionellen Planer durchgeführt werden kann. Dass das so geklappt hat, ist buchstäblich „sagenhaft“, freut sich Michaela Waldmann vom Landratsamt Ostallgäu. Das gesamte Projekt sei immerhin mit 170 000 Euro veranschlagt, die Leader-Förderung beträgt rund 70 000 Euro. Diese ist übrigens eine Einrichtung der Europäischen Union, die gezielt Infrastruktur und kulturelles Erbe in ländlichen Gebieten fördern soll. Alle Naturfreunde können sich also kurz- bis mittelfristig auf die tollen Themenwege freuen.

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