Auf Marktoberdorfer Friedhof sollen muslimische Gräber entstehen

Besondere Vorschriften

+
Dieser Platz wäre für ein muslimisches Gräberfeld geeignet.

Marktoberdorf – Die ehemaligen, meist türkischen "Einwanderer" aus den 70er und 80er Jahren sind schon längst zu ganz normalen Mitbürgern geworden. Und diese Normalität macht auch vor dem "letzten Gang" nicht halt: Grabstätten, die nach islamischen Regeln angelegt sind, werden immer häufiger nachgefragt. 

Wie in ganz Deutschland gibt es auch in der Ostallgäuer Kreisstadt immer mehr muslimische Einwanderer, die ihren deutschen Wohnort mittlerweile als „Heimat“ betrachten. Auch der Wunsch nach einer muslimische Bestattung wird somit immer häufiger. Allerdings erfordert ein Begräbnis nach islamischer Sitte einige Besonderheiten, die bereits bei der Ausweisung eines entsprechenden Gräberfeldes beachtet werden müssen. In Markt- oberdorf beschäftigte sich nun der Stadtentwicklungsausschuss mit diesem Thema. 

In der Vergangenheit wurden die Verstorbenen muslimischer Mitbürger häufig in das jeweilige Heimatland – beispielsweise Türkei – überführt. Vor allem die dritte Generation der ehemaligen Gastarbeiter tendiert jedoch mittlerweile eher dazu, die Angehörigen in der neuen Heimat zu begraben. Aus diesem Grund ist jetzt die türkisch-islamische Gemeinde Marktoberdorf an die Stadt mit dem Wunsch herangetreten, ein muslimisches Gräberfeld bereitzustellen. 

Hier müssen jedoch unbedingt zwei Vorschriften beachtet werden. So muss laut islamischem Ritus das Grab gen Mekka ausgerichtet sein. Zudem darf der entsprechende Platz zuvor noch nicht als Grabstätte genutzt worden sein. Wichtig auch der Brauch der Angehörigen, den Leichnam vor der eigentlichen Beisetzung eigenhändig zu waschen: Hierfür sollte ein geeigneter Raum zur Verfügung stehen. Bei einem Ortstermin auf dem Friedhof bei der Stadtpfarrkirche St. Martin erläuterte Florian Martin von der Stadtverwaltung, dass im Osten des Friedhofs ein geeignetes Areal vorhanden sei. Ein Ort für die rituellen Waschungen könne im Leichenhaus eingerichtet werden. 

Bürgermeister Werner Himmer (FW) wies darauf hin, dass bei einer muslimischen Bestattung auch die in Deutschland geltenden Vorschriften einzuhalten seien. Dies sei selbstverständlich, erklärten die anwesenden Vertreter der türkisch-islamischen Gemeinde und sagten darüber hinaus zu, sich um die muslimischen Gräber zu kümmern, bei denen kein Angehöriger mehr da sei. Sowohl die Ausschussmitglieder als auch die Vertreter der Muslime standen dem Vorschlag von Florian Martin positiv gegenüber. So könnte schon bald an diesem Platz ein muslimisches Gräberfeld mit Familiengräbern entstehen. von Jörg-Detmar Reinelt

Meistgelesene Artikel

Bau der Fußgängerzone: Zuschlag erteilt

Kaufbeuren – Der Kaufbeurer Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung über die Vergabe der Bauarbeiten für die Kaufbeurer Fußgängerzone entschieden. Den …
Bau der Fußgängerzone: Zuschlag erteilt

Rauchzeichen bei der Feuerwehr

Mauerstetten – Es war ein denkbar knappes Ergebnis bei der ersten Sitzung des neuen Jahres im Mauerstettener Gemeinderat. Mit sieben zu sechs Stimmen …
Rauchzeichen bei der Feuerwehr

Außergewöhnliche "Lesung 4.0" mit Essensdrucker

Kaufbeuren – Eine Buchpräsentation und Lesung mit ungewöhnlicher, multimedialer Zukunftsshow erwartet das Publikum am nächsten Dienstag, 24. Januar …
Außergewöhnliche "Lesung 4.0" mit Essensdrucker

Kommentare