Stolperfallen adé

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Klaus Neumann vom Planungsbüro „realgrün“ stand am Freitagnachmittag für alle Fragen rund ums Pflaster bereit.

Kaufbeuren – Der buchstäbliche „Stein des Anstoßes“ – das ist die derzeitige Pflasterung in der Fußgängerzone für viele Bürger schon lange. Ab Frühjahr 2017 sollen nun die Arbeiten am Austausch des ungeliebten Bodenbelags beginnen. Damit sich aber nicht erneut nach einigen Jahren herausstellt, dass man sich für das „falsche“ Pflaster entschieden hat, will die Stadt die möglichen Realisierungsvarianten im Vorfeld ganz genau auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Auch die Bürger können sich seit vergangenen Freitag auf einer 32 Quadratmeter großen Musterfläche am Obstmarkt anschauen, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Eine direkte Bürgerbeteiligung an der Entscheidung soll es aber nicht geben.

Stolperfalle Altstadt: Dass es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden über die Unebenheit des Bodenbelags in der Fußgängerzone gab, ist kein Geheimnis. Rollstuhlfahrer, Benutzer von Krücken, Eltern mit Kinderwagen, aber auch Trägerinnen von Schuhen mit hohem Absatz haben bisweilen ihre liebe Not mit dem rustikal anmutenden, aber eben auch unpraktischen unebenen Kopfsteinpflaster. 

Damit soll es bald vorbei sein. Mit Granit in vier verschiedenen Farben und jeweils zwei unterschiedlichen Bearbeitungsformen präsentierte Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Klaus Neumann, Mitglied des ausführenden Planungsbüros „realgrün“, den Bürgern am Freitag acht verschiedene Straßenbeläge. Einer von ihnen soll die Fußgängerzone künftig in neuem Glanz erstrahlen lassen. Grau und Hellgelbtöne stehen als Farbvarianten zur Verfügung, jeweils in einer „gestrahlten“ und einer „gestockten“ Variante, wobei „stocken“ eine spezielle Oberflächenbehandlung mittels eines Hammers meint.

Allen vorgestellten Pflasterungen gemein ist eine möglichst ebene Fläche mit gleichmäßigen, vier Millimeter breiten glatten Fugen. Sie entsprechen laut Neumann zudem sämtlich den Anforderungen an die Rutschfestigkeit bei Regen und die Haltbarkeit. Alle Steine stammen aus bayerischen Steinbrüchen, Qualitätsmängel durch einen Import aus Fernost oder gar Kinderarbeit seien also kein Thema, so Neumann. Ein Muster der geplanten Entwässerungsrinne, die in der Mitte der neuen Fußgängerzone verlaufen soll, wird ebenfalls ausgestellt.

Planer favorisieren hellgrau

Vor allem die Farben sorgten bei den Passanten am Freitag für einige Diskussion und unterschiedlichste Meinungen. Ulrich Negele vom Baureferat schüttete so manchen Eimer Wasser aus, um die Wirkung der Steine bei unterschiedlichen Wetterbedingungen deutlich zu machen. Auch das Laufgefühl auf den unterschiedlich bearbeiteten Flächen war ein Hauptthema. Die Planer indes haben bereits einen Favoriten: Variante G, ein hellgrauer Granit mit gestockter Oberfläche. Dem Einwand so mancher Anwesenden, ein ebenmäßiger grauer Belag würde in der Altstadt „zu steril“ wirken, erteilte Neumann eine Absage: „Durch Gebrauchsspuren und Umwelteinflüsse bekommt das Naturmaterial Stein auf jeden Fall optisch Leben“.

Entscheidung: keine direkte Bürgerbeteiligung geplant

Von den Kosten her liegen die unterschiedlichen Beläge auf der gleichen Stufe. Einen „mittleren siebenstelligen Betrag“ will die Stadt nach bisherigem Stand für das neue Pflaster ausgeben. Weitere Details zum Zeitplan und den Kosten sollen laut Baureferent Helge Carl im nächsten Bauausschuss vorgestellt werden. Der Stadtrat soll dann in seiner Sitzung am 27. Juli eine Empfehlung vom Baureferat für seine endgültige Entscheidung erhalten. „Der Stadtrat wird dann vorgeben, welches Pflaster schlussendlich in der Innenstadt verlegt wird“, so Carl, eine direkte Beteiligung der Bürger im Form einer Abstimmung oder ähnliches sei nicht geplant. „Es gibt hier so viele fachliche Aspekte zu beachten, daher entscheidet der Stadtrat als Bindeglied zwischen Bürger- und Expertenmeinung über die beste Variante“, betonte Carl. Bei den Testflächen am Obstmarkt handele es sich um eine „reine Informationsmöglichkeit für die Bürger, welche Optionen überhaupt zur Verfügung stehen“. Wer als Bürger Einfluss auf die Entscheidung nehmen möchte, hat also bestenfalls die Möglichkeit, sich an seinen gewählten Volksvertreter im Stadtrat zu wenden. Eine Möglichkeit zur Information über den jeweils aktuellen Stand gibt es zudem unter www.kaufbeuren-baut.de.

von Michaela Frisch

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