Nachfrage wird größer

Kleinwindkraftanlagen könnten bald auch das Landschaftsbild im Ostallgäu prägen. Über die nötige Genehmigungsfähigkeit solcher Anlagen informierte das Landratsamt auf der jüngsten Sitzung Bürgermeisterbesprechung.

Das deutsche Umweltbundesamt fordert bis 2050 eine Stromversorgung, die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommt. Heiß in der Diskussion sind vor allem in ländlichen Gebieten Windkraft- anlagen – für den einen eine tolle Möglichkeit zur autarken Stromversorgung, für den anderen störende Pfeiler in der Landschaft. Einen Kompromiss für den Endverbraucher könnten moderne Kleinwindkraftanlagen darstellen. Es gibt verschiedene Arten, die sich in Technik und Optik (zum Beispiel horizontale/vertikale Anordnung des Rotors, eingehauste Anlagen) sowie Größen und Ab­messungen und damit auch in ihren Ausmessungen unterscheiden. So dürfen diese laut Definition höchstens 14 Meter hoch sein. Nachdem in jüngster Zeit in verschiedenen Gemeinden des Ostallgäus Anfragen zur Genehmigungsfähigkeit von solchen Kleinwindkraftanlagen eingegangen waren, gab das Landratsamt auf der Bürgermeisterbesprechung Hinweise zur baurechtlichen Behandlung solcher Anlagen. Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern hatte sich bislang zu diesen An­lagen nicht geäußert, deshalb wurde bei den Vorgaben auf den Inhalt eines Erlasses des Schleswig-Holsteinischen Innenministeriums vom Februar diesen  Jahres zurückgegriffen, der sich ausführlich mit dem Thema Kleinwindkraftanlagen beschäftigt. Verfahrensfrei möglich ist danach der Bau von Kleinwindkraftanlagen mit einer Höhe bis zu zehn Meter, das heißt, bis zu dieser Höhe bedarf es keiner Baugenehmigung. Referentin Gudrun Hummel, zuständige Abteilungsleiterin für Bau und Umwelt, betonte, es müssten allerdings verschiedene öffentlich-rechtliche Vorschriften beachtet werden. Ob eine solche Anlage beispielsweise auf einem Privatgrundstück als störend eingestuft werden müsse (zum Beispiel Rotorwirkung, Lärm, Schattenwurf, Sonnenreflektion), werde nach dem jeweiligen Einzelfall entschieden. Kleinanlagen mit offenem Rotor würden in einem Gebiet, das überwiegend mit Wohngebäuden bebaut ist, im Regelfall als störende Anlagen zu bewerten sein. Gute Chancen habe man als privater Betreiber einer solchen Anlage, wenn die erzeugte Energie zu mehr als 50 Prozent für den Eigenbedarf genutzt wird und die Anlage dem Wohngebäude „räumlich und gegenständlich untergeordnet“ sei. Als sogenannte „selbständige Hauptanlagen“ (Anlagen, die überwiegend oder ausschließlich ins öffent­liche Netz einspeisen) könnten Kleinwindkraftanlagen in Wohn- und Mischgebieten erreichtet werden, wenn nicht einer oder mehrere der obigen Störfaktoren vorlägen, wie Hummel erklärte. Wer sich für den Kauf und Aufbau einer solchen Anlage interessiert, sollte sich beim Landratsamt über die ausführlichen Richtlinien erkundigen, um die energiesparende Neuanschaffung nicht später wieder abbauen zu müssen.

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