Waaler Passion: Packende Premiere

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Insgesamt 150 Mitwirkende auf und hinter der Bühne zählt die Waaler Passion heuer. Hier der „Einzug in Jerusalem“.

Waal – Die junge, groß gewachsene Frau mit den mittellangen blonden Haaren in Reihe sechs wirkt angespannt. Marianne Maier ist die Freundin des Jesus-Darstellers Benedikt Hornung und drückt ihm bei dieser ersten Aufführung fest die Daumen.

Benedikt Hornung scheint keinesfalls aufgeregt, macht bei den schwierig zu spielenden Szenen wie bei der Todesangst am Ölberg oder bei der Kreuzigung auf Golgatha einen hochkonzentrierten Eindruck. Kaum eine Spur von Nervosität auch bei den anderen Darstellern. So ist den 150 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne der Waaler Passion kurz zu attestieren: eine packende, ergreifende Premiere zum Spiel vom Leben und Sterben Jesu und von der Erlösung. 

Zum Schluss stehen alle Darsteller in ihren farbenprächtigen Gewändern auf der Bühne. Vorne gesellt sich Dr. Florian Wörner zu Florian Martin Werner. Der Weihbischof dankt dem 43-jährigen Spielleiter. „Da braucht‘s Ausdauer, Kraft und Mut“ spricht er Worte der Anerkennung aus. Jesu Auftrag „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ werde in der Waaler Passion überzeugend verkündet.

Ein Festakt unter freiem Himmel 

Der vierstündigen Aufführung ist zur Premiere ein Festakt unter freiem Himmel vor- ausgegangen. Werner Rahn, Vorsitzender der Passionsspielgemeinschaft, erinnert an die einjährige Vorbereitung und an die intensiven Proben seit Dezember. Bürgermeister Alois Porzelius erwähnt, dass die Arbeiten an der Theaterstraße südlich des Passionsspielhauses „zwei Tage vor der Premiere“ abgeschlossen werden konnten. 

Die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker hat ihre eigene Premiere beim Besuch der Waaler Passion; sie verkündet zugleich die frohe Botschaft, dass an der Autobahn A 96 bei Buchloe ein Schild mit dem Hinweis auf die Passion 2015 nun genehmigt worden sei und aufgestellt werden dürfe. 

Erstmals bei der Passion in Waal dabei ist ebenfalls Erzabt Wolfgang Öxler aus St. Ottilien. Er freut sich, dass mit Florian Werner ein Spielleiter die Waaler Passion inszeniert, der ein Schüler von St. Ottilien war und nunmehr in der Klosterschule als Theaterpädagoge Unterricht gibt. 

Im Gegensatz zu Landrätin Zinnecker und zu Erzabt Öxler sieht Staatsminister a.D. Dr. Thomas Goppel die Waaler Passion bereits zum sechsten Mal. Er würdigt den Mut und den Aufwand, dieses Stück, das in der Geschichte 2000 Jahre zurückgehe und Sinnbild für das christliche Menschenbild sei, in einer „säkularen Welt“ auf die Bühne zu bringen. 

Spielleiter Florian Werner rückt in seiner kurzen Rede das „spannende Miteinander“ in den Mittelpunkt. Er hat die Passion schon 2009 inszeniert, 2012 dann das Franziskusspiel und ist auch heuer wieder Spielleiter für eine erneut überarbeitete Fassung der Waaler Passion. Er wünscht den Gästen „einen andächtigen Theaternachmittag, von dem Sie hoffentlich viel mitnehmen“. 

Impressionen aus dem Spiel 

Viele Eindrücke mitnehmen können die Besucher der Aufführungen, die bis Ende September jeden Sonntag stattfinden, allemal. Zum Beispiel, wie routiniert die Hauptdarsteller ihre Rollen verkörpern – etwa vom Hohen Rat Johann Schmid als Annas oder Michael Daigeler als Kaiphas. Wie betont Christus-Darsteller Benedikt Hornung jeden Satz, am Ölberg und am Kreuz sogar jedes einzelne Wort, ausspricht und schließlich an der Himmelstreppe auch dem Judas (Werner Demmler) die linke Hand entgegenstreckt. 

Oder wie stimmkräftig Michael Klein den Luzifer gibt. Wie omnipräsent und mit intensiver Gestik Dietmar Ledel, der Franziskus-Darsteller von 2012, diesmal im schwarzen Gewand und mit filigraner Leichtigkeit die Rolle des Gailmund interpretiert. Wie Maria (Anita Birgmeier) kurz vor Golgatha ihrem Sohn, der unter der Last des Kreuzes am Boden liegt, in die Augen blickt. Oder wie der Chor das Spiel ausgestaltet, sei’s nun erfrischend mit dem „Hosanna dem Sohne Davids“ beim Einzug in Jerusalem oder anmutig im Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“. 

Auch mit Neuerungen wie der Szene, in der Jesus im Hause des Josef von Arimathia seinen Freunden und auch Maria Magdalena begegnet, wird Regisseur Florian Werner dem gerecht, was sich die Passionsspielgemeinschaft auf die Fahnen schreibt: „Wir wollen kein rührseliges Passionsspiel.“ Vielmehr soll im Verkündigungsspiel die größte Heilstatt der Weltgeschichte den Menschen der heutigen Zeit nahegebracht werden. 

Die Waaler Passion, die bis auf das Jahr 1621 zurückgeht – sie steht nicht für Kommerz und Prominentenglanz, sondern für Verkündigung und Erhalt der Tradition im Wandel. Wie heißt es doch in einem Satz im Programmheft: „Die Besucher der Passion kommen, um zu sehen – nicht, um gesehen zu werden.“

von Johannes Jais

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