Neue Doppelspitze für Kliniken

Sind zufrieden mit der Lösung (v. li.): Stefan Bosse, Dr. Joachim Klasen, Ludwig Lederle und Landrat Fleschhut. Foto: Lorenz

Der Verwaltungsrat der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren hat am Montag in einer Eilsitzung Vor- stand Dr. Susanne Schlichtner fristlos gekündigt. Sie hatte das Amt vor gut einem Jahr in alleiniger Verantwortung übernommen. Jetzt soll es eine Doppelspitze richten. Zu ihren Nachfolgern bestellten die 14 anwesenden Verwaltungsräte Ludwig Lederle als Vorstandsvorsitzenden und Dr. Joachim Klasen als seinen Stellvertreter. Damit sitzt erstmals auch ein Mediziner in der Geschäftsleitung des Kommunalunternehmens.

Über die Gründe, die zum Rauswurf von Klinikchefin Schlichtner geführt haben, wollte sich am Montag nach der Sitzung Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse nicht äußern. Er machte aber deutlich, dass bis dato immer noch kein Jahresabschluss für 2009 vorliegt, obwohl die Frist hierfür am 13. August (der KREISBOTE berichtete) abgelaufen war. Zwar wurden Daten am Wochenende übermittelt, diese seien aber so nicht akzeptabel und würden einer Prüfung nicht standhalten. Dr. Susanne Schlichtner meldete sich am Montag krank und nahm nicht an der Sitzung teil. Nach dem Rauswurf streben nun Bosse und sein Stellvertreter, Landrat Johann Fleschhut, eine einvernehmliche Lösung an. Sollte diese nicht erzielt werden, werden sich die Parteien wohl vor Gericht wiedersehen. Bosse dankte Schlichtner dennoch für „ihr großes Engagement und die hohe Energieleistung“, die sie in ihrer Amtszeit erbracht habe. Auch der Landrat hatte bei ihrer Amtsübernahme „große Hoffnung in sie gesetzt“. Unterm Strich bleibt der Umstand, dass noch immer kein verlässlicher Abschluss als Grundlage für ein Gesamtsanierungskonzept vorliegt, resümierte Fleschhut. Für Bosse hakt es vor allem im Bereich des Finanz- und Rechnungswesens. Die vorliegende Datenlage lasse keine Schlüsse zu, wo wir strukturelle Veränderungen vornehmen müssten. „Wir können unserer Aufsichtspflicht nicht nachkommen wenn wir die dafür nötigen Daten nicht bekommen“, betonte der Verwaltungsratsvorsitzende. Zudem fehle ein medizinisches Gesamtkonzept, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, das aus Bosses Sicht ein „Sanierungsfall“ sei. Ungeachtet dessen sei eine Beteiligung Dritter am Unternehmen kein Thema, erklärte Fleschhut: „Wir bleiben in der öffentlichen Trägerschaft.“ Daher wird es vordringlichste Aufgabe des neuen Vorstandduos sein, schnellstmöglich den fehlenden Jahresabschluss für 2009 auf den Tisch zu legen, aber auch für Transparenz und Klarheit zu sorgen, sowie die zahlreichen Mitarbeiter in den Kliniken zu motivieren, erklärte Bosse. Das Zahlenwerk für 2009 könnte demnach in der nächsten Sitzung, die voraussichtlich am 22. September stattfinden wird, vorliegen. Auch an der Ausschreibung eines Sanierungsgutachtens hält das Gremium fest. Dies soll nun in enger Zusammenarbeit dem neuen Vorstand entwickelt werden. Bis dahin soll die hervorragende medizinische Versorgung im Landkreis aufrechterhalten werden. „Strategische Schnellschüsse wird es nicht geben“, erklärte Bosse. Auch sein Stellvertreter sieht das Schiff Kommunalunternehmen nach wie vor auf dem richtigen Kurs. Jetzt müsse der wirtschaftliche Bereich angegangen werden. An den fünf Standorten will der Verwaltungsrat aber festhalten. Die Frage nach weiteren personellen Veränderungen blieb offen. Darüber müsse, laut Bosse, der neue Vorstand entscheiden. Und der kennt das Kommunalunternehmen bestens. Denn der neue Vorstandsvorsitzende, Ludwig Lederle, gehört dem Unternehmen bereits seit 16 Jahren an und sei wirtschaftlich sehr versiert. Er wechselte 1994 vom Hotelmanagement in die Krankenhausverwaltung des Landkreises. Vier Jahre später übernahm er verschiedene Aufgaben im neu gegründeten Kom­munalunternehmen. Unter anderem leitete er die Krankenhäuser in Buchloe und Obergünzburg und war zuletzt Abteilungsleiter für Organisation und Verwaltung. Primäres Ziel des 46-Jährigen ist es, „eine verlässliche Datenbasis für Entscheidungen zur Struktur“ zu schaffen. Zwar hält auch er an fünf Klinikstandorten fest, jedoch müsse man auch offen für Veränderungen sein. Um seine Visionen umsetzen zu können, setzt er mit Dr. Joachim Klasen auch auf medizinische Kompetenz. Auf Lederles Wunsch hin wurde der 46-jährige Mediziner, der aktuell die Intensivmedizinische Abteilung in Kaufbeuren leitet, zu seinem Stellvertreter bestellt. „Die Kombination aus Betriebswirtschaft und Medizin sollte wertvolle Synergien für das Kommunalunternehmen hervor- bringen“, betonte Lederle. Dr. Klasen freute sich jedenfalls, „dass jetzt auch ärztliche Kompetenz ganz vorne angesetzt wird“. Aus seiner Sicht muss es Ziel sein, die bestehende sehr gute medizinische Versorgung auszubauen, um die Kliniken zukunftsfähig zu machen.

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