Bürger sind am Zug

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Sebastian Kiechle aus Ebenried zeigt von seinem Bauernhof aus den möglichen Standort eines neuen dritten Windrades.

Bidingen – Die Meinungen gehen hin und her über die Bauabsichten eines neuen Windrades bei Königsried. Die Initiatoren wollen den erfolgreichen Windstandort nutzen, die Gegner befürchten eine ganze Reihe von neuen Windkraftanlagen. Ein Bürgerentscheid soll die Lösung bringen.

Nach 2011 kommt es in Bidingen erneut zu einem Bürgerentscheid zum Thema Windkraft. Damals noch wurde der Bau von neuen Windrädern gutgeheißen. Inzwischen stehen auf dem Gebiet der Gemeinde Bidingen vier Windräder, zwei im Bereich der Ortschaft Bernbach und zwei auf dem Königsrieder Höhenrücken. „Der Windkraft-Standort Bidingen ist wirtschaftlich“, bestätigte auch Bürgermeister Franz Martin unserer Zeitung. Das Gemeindewindrad, im Besitz der Gemeinden Bidingen und Ingenried, erwirtschaftete im vergangenen Jahr 225.000 Euro, so Martin. „Mit ihrem Anteil kann die Gemeinde deutlich ihren Schuldenstand reduzieren“.

Im April dieses Jahres kam der Planer und Windkraftunternehmer Wendelin Einsiedler aus Wildpoldsried mit einer mündlichen Anfrage nach einem weiteren Windrad bei Königsried auf den Bürgermeister zu. Dies rief nun Gegner dieses Projektes auf dem Plan, die innerhalb von vier Wochen 270 Unterschriften für ein Bürgerbegehren „Wir sagen NEIN zu weiteren Windrädern in Königsried“ sammelten. Dabei habe man nichts grundsätzlich gegen die erneuerbaren Energien aus Windkraft, so Anja Beran vom Gut Rosenhof, „aber wir produzieren mit unseren vier Windrädern inzwischen mehr Energie als wir in Bidingen verbrauchen, sodass wir unseren Anteil an der bayernweiten Energiewende längst erbracht haben“. Weitere Belastungen und Beeinträchtigung der Landschaft und der eigenen Lebensqualität zugunsten des Gewinnstrebens einiger lehnt sie ab.

Dabei legt Planer Einsiedler nach eigenen Worten Wert darauf, dass insbesondere die eigenen Bürger vor Ort von den Erlösen der Windkraftanlage profitieren. Er versicherte: „In die zukünftige Betreibergesellschaft sollen nur Bidinger Bürger als Investoren und Gesellschafter aufgenommen werden“. Sebastian Kiechle aus Ebenried berichtete dem Kreisbote, er hätte als direkter Anlieger sogar Sonderkonditionen angeboten bekommen, die er aber abgelehnt habe. Dem von Einsiedler vorgeschlagenen Standort, circa 820 Meter weg von Kiechles Bauernhof, würde allerdings auch der Gemeinderat nicht zustimmen, egal wie der Bürgerentscheid ausgehe, so Bürgermeister Martin. Für Einsiedler hätten sich bei dem vorgeschlagenen Standort Synergieeffekte durch geringen Baumeinschlag, Nutzung eines naheliegenden öffentlichen Waldweges als Zufahrt und den Anschluss an ein nahegelegenes Umspannwerk ergeben. „Aber ich werde einen anderen Standort finden“, erklärte Einsiedler zuversichtlich, „und Investoren auch“.

In Bayern gilt nach wie vor die 10H Abstandsregelung, Bidingen hatte in einem gültigen Gemeinderatsbeschluss 2013 den Abstand jedoch auf 5H festgelegt. „Bei einer geplanten Höhe von 230 Meter sind das aber 1.150 Meter und nicht nur 1.000, wie vom Bürgermeister im Gemeindeblatt geschrieben“, korrigierte Sonja Eberle von der Initiative „Gegen weitere Windräder auf dem Gebiet der Gemeinde Bidingen“. Sie befürchtet auch, dass dies, trotz aller anders lautender Bekundungen, nicht das letzte Windrad in Königsried sein könnte. Auch Rudolf Stolla will sich für die Ablehnung stark machen: „Es wird niemand am Hungertuch nagen, wenn kein neues Windrad gebaut wird!“

Am 10. Juli sind jedenfalls Bidingens Bürger aufgerufen, im Rahmen eines Bürgerentscheids über weitere Windräder in Königsried abzustimmen. Beiden Interessengruppen geht es nun in der verbleibenden Zeit darum, die 1.280 wahlberechtigten Bürger zu aktivieren, zum Bürgerentscheid zu gehen.

von Wolfgang Krusche

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