Mit Tiefenwirkung

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Die preisgekrönten Künstlerinnen Edie Monetti (2. v. li.) und Marile Holzner eingerahmt von Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (links) und dem Vorsitzenden der Antonia und Hermann Götz-Stiftung Wolfgang Guggenmos.

Marktoberdorf – „Junge Kunst“ – so lautet der schlichte Titel der am vergangenen Wochenende eröffneten Ausstellung im Künstlerhaus Marktoberdorf. Und so schlicht der Titel auch klingen mag, so lebendig, so durchdacht und mit solcher Wucht kommen die Kunstwerke der 35 jungen Künstler daher, dass sich die Öffentlichkeit die Augen reiben mag.

Denn was im Künstlerhaus zu sehen ist, das sind die wahrhaft zeitgenössischen Werke ehrgeiziger junger Künstler, die allerneuesten Trends, die mit neuer Aggressivität und einer Vorliebe fürs Zitat und die Verarbeitung alter Meister auf sich aufmerksam machen. Und das weit über die Grenzen des Allgäus hinaus.

Anlass der versammelten Jugend, ihren Blick nach Markt­oberdorf zu richten, war die Ausschreibung der Förderpreise der Antonia und Hermann Götz-Stiftung. Sie vergibt nur alle fünf Jahre zwei Kunstpreise in Höhe von 5.000 Euro (1. Preis) und 2.000 Euro (2. Preis) an aufstrebende Talente aus den Bereichen Malerei, Grafik und Plastik. 2016 nun kann das Erbe des Marktoberdorfer Kunstmalers Hermann Götz erneut angetreten werden. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung übergaben Wolfgang Guggenmos, Vorsitzender der Antonia und Hermann Götz-Stiftung, und Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die Preise an die zwei Preisträgerinnen Marile Holzner (1. Preis) und Edie Monetti (2. Preis).

Rätselhaft und apokalyptisch

Marile Holzner, 1983 in Landshut geboren, überzeugte die Jury mit ihrer nur scheinbar einheitlich weißen Arbeit aus Papier und Tusche, die auf den zweiten Blick ein äußerst sublimes wie komplexes Gebilde offenbart: „Eine zur Skulptur umgestaltete Fläche, gewissermaßen die Metamorphose von der Zweidimensionalität in die Räumlichkeit“, wie es Laudator Dr. Rainer Jehl, ehemaliger Direktor der Schwabenakademie, hervorhob. Unklar und geheimnisvoll bleibe diese Hohlform, die je nach Lichteinfall ein Eigenleben gewinne.

„Not dark yet“ nennt sich die Arbeit der zweiten Preisträgerin Edie Monetti (geboren 1983). Sie ist Teil eines Triptychons mit drei Variationen einer Landschaft. Über einer düsteren Felsenszene steht ein dunkelblauer Himmel, aus dem grell leuchtende Punkte hervorstechen. Laudator Jehl beschrieb das Gemälde aus Öl und Sand als eine plastische Landschaft mit enormer Tiefenwirkung. „Sind die aggressiv gelben Punkte wirklich Sterne oder sind es apokalyptische Zeichen einer öden Welt, auf der die Katastrophe bereits stattgefunden hat?“

Fragen, die den Besucher des Künstlerhaus auf seinem Gang durch die sehenswerte Ausstellung „Junge Kunst“ mit viel Raum für Interpretationen begleiten mögen. Die prämierten Kunstwerke sowie die aus den Einreichungen für die Preisvergabe ausgewählten 51 junge Werke werden bis zum 11. September im Künstlerhaus zu sehen sein.

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