Solidarität gegenüber Menschen in Not

Dank an die Helfer

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Das neue Übergangswohnheim für Flüchtlinge in Obergünzburg wurde am Wochenende eingeweiht.

Obergünzburg – In nur drei Monaten Bauzeit ist das Übergangswohnheim für Asylsuchende in Obergünzburg auf der grünen Wiese aus dem Nichts geschaffen worden. Jetzt sollen die ersten Bewohner einziehen.

Am vergangenen Wochenende wurde das Übergangswohnheim in Obergünzburg mit 74 Betten eingeweiht und gesegnet. In einer Feierstunde bedankte sich Bürgermeister Lars Leveringhaus für das „massive ehrenamtliche Engagement“ der Helfer und Organisationen, die die Realisierung möglich gemacht haben. Anfang November werde Obergünzburg schon die ersten 30 Zuweisungen von Flüchtlingen erhalten. 

„Wir machen das nicht nur für die hilfesuchenden Menschen, sondern auch für uns selbst, um zu zeigen, dass Solidarität gegenüber Menschen in Not auch funktioniert“, so Leveringhaus. „Man will helfen, man fühlt sich aber auch ein Stück hilflos bei den vielen verschiedenen politischen Meinungen und Auseinandersetzungen, angesichts vielen Menschen, die in unser Land kommen“, so der Rathauschef. Er beschwor zusammenfassend die Bürger, „keine Ablehnungskultur“ zu entwickeln. 

Landrätin Maria Rita Zinnecker erinnerte an erste Gespräche vor einem Jahr, als Leveringhaus mit diesem ersten gemeindeeigenen Projekt im Landkreis auf sie zugekommen sei. Ende 2014 waren im gesamten Ostallgäu noch 400 Flüchtlinge unterzubringen, heute seien es 1.250 Flüchtlinge mit Tendenz nach oben. 

Das Übergangswohnheim, mit 21 Doppelzimmern und acht Familienwohneinheiten, hat neben entsprechenden Sanitäreinrichtungen auch einen Schulungs- und Aufenthaltsraum. Es wurde als Niedrigenergiehaus in Holzmodulbauweise gebaut, erläuterte der Projektleiter der Firma Hubert Schmid, Manfred Guggemoos. 

Der Koordinator des Netzwerkes Asyl in Obergünzburg, Dr. Günter Röder, hob Freiheit und Verantwortung für unser Ethikverständnis in Deutschland hervor und machte den Bürgern Mut, sich auf „Überraschendes und Neues“ einzulassen. Bei ihm sind inzwischen rund 80 Helfer registriert, die dann bei Bedarf kurzfristig unterstützen wollen. 

Musikalisch unterstützt durch die Pfutzger Bläsergruppe Obergünzburg hielten Dekan Reichert und Pfarrer Vitus Schludermann den ökumenischen Weihgottesdienst und segneten anschließend das Haus und die Räumlichkeiten. 

Am Rande der Veranstaltung gab es auch kritische Stimmen von den Besuchern der Einweihung. Eine Rentnerin beklagte ihre geringe Rente nach 50 Jahren Arbeit, von der sie Krankenversicherung und Medikamente zahlen müsse. Die Flüchtlinge indes erhielten in besagten Bereichen alles umsonst. Das sei nicht gerecht und ergebe sozialen Streit. Ein Anwohner befürchtet gar einen Wertverlust seines Wohnhauses wegen der Nähe zum Übergangswohnheim. 

Die meisten Befragten waren aber grundsätzlich offen für diese neue Situation und wollen zunächst schauen, wie sich die Sache entwickelt. Einer meinte ver- mittelnd, dieses Projekt könnte helfen, die Bürger wieder näher zusammenzubringen.

von Wolfgang Krusche

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