Illustre Geburtstagsgäste

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OB Stefan Bosse erläutert Innenminister Joachim Herrmann das Wappenband im Großen Saal des Gablonzer Hauses.

Neugablonz – Über 300 geladene Gäste strömten am Sonntag in den Großen Saal des Gablonzer Hauses zum Jubiläumsfestakt „70 Jahre Neugablonz“. Den zweite Sonntag im September, seit 2014 in Bayern Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, hatten die Veranstalter als äußerst passendes Datum angesehen.

Neben einer Abordnung aus Gablonz an der Neiße, bestehend aus Primator Petr Beitl, Lukaš Pleticha, Petr Louda, Katerina Hujerová, und Petra Laurin, hatte sich auch seine Seligkeit, der Patriarch von Antiochien, Gregor III. Laham angesagt, der an diesem Tag Humedica besuchte. Die Anwesenheit von Staatssekretär Franz Pschierer und Stefan Stracke (MdB), der Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (FW) und Paul Wengert (SPD) sowie aller Kaufbeu­rer Bürgermeister unterstrich die Bedeutung dieses Festaktes.

Außer den Honoratioren der Stadt waren schwerpunktmäßig die Zeitzeugen der Erlebnisgeneration geladen.

Ehrengast Innenminister Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, hielt die Festrede, worin er – wie auch OB Stefan Bosse und Primator Peter Beitl in ihren Grußworten – einmal mehr den erheblichen Beitrag von Neugablonz zum deutschen Wirtschaftswunder hervorhob und daran erinnerte, dass der Freistaat die Sudetendeutschen ausdrücklich als 4. Stamm Bayerns anerkannt hat. Auch wies Herrmann darauf hin, dass die damalige Situation der Vertriebenen nicht mit derjenigen der heutigen Flüchtlinge vergleichbar sei. Damals seien vertriebene Deutsche nach Deutschland gekommen, in Zufluchtsorte, die oft ebenfalls vom Krieg gezeichnet und zerstört gewesen seien. „Den Neugablonzern ist ihre Integration nicht in den Schoß gefallen, sondern hart erarbeitet.“ 

Heute dagegen kämen Flüchtlinge aus anderen Kulturen und Sprachräumen zu uns in ein wohlhabendes Land, das seit über 70 Jahren keinen Krieg mehr erlebt habe. Dennoch heiße es auch heute „Ärmel hochkrempeln und selbst mit anpacken“, so der Innenminister. Unser Friede sei nicht selbstverständlich, sondern müsse immer wieder neu erarbeitet werden. Herrmanns Rede gipfelte in dem leidenschaftlichen Appell, es dürfe in Europa nie wieder Krieg geben.

Den feierlichen Ernst von Grußworten und Festrede lockerte die von Mundartdichter Michael O. Siegmund paurisch gereimte, kabarettistische Rückschau auf die Geschichte von Neugablonz auf, die etliche verständnisinnige Lachstürme hervorrief und am Schluss konstatierte: „Ejs muss festgestallt wern ou: die mejstn labn garne dou!“.

Für die musikalische Umrahmung sorgte die Musikvereinigung Neugablonz zusammen mit der Schwesterkapelle „Mlada Dechovka“ aus Gablonz. Im Foyer beim anschließenden Buffet stellte Petra Laurin vom Haus der Deutsch-Tschechischen Verständigung in Reinowitz ein grenzüberschreitendes Schülerprojekt der Gymnasien von Kaufbeuren und Gablonz zum Rüdigerbrunnen vor.

Die vielen gemeinsamen Aktionen von Neugablonz und Gablonz an der Neiße vermitteln als klare Botschaft den Willen zu Versöhnung, Frieden und Völkerverständigung von beiden Seiten. Ein unerwartetes zusätzliches Sinnbild dafür war der Regenbogen, der sich zum Ende des Festes im Osten vom Neugablonz zeigte.

von Ingrid Zasche

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