Neugablonz hautnah erleben

Muzaffer Yigit, seit 27 Jahren bei der Firma Friedrich Seibt, führte das Pressglasverfahren für Glasknöpfe vor

Das Erkunden der Gablonzer Industrie beim dortigen „Erlebnistag“ erwies sich am Sonntag ein grandioses Erlebnis für „jung und alt“. Verschiedene Neugablonzer Unternehmen öffneten für diesen Tag ihre Werkstätten und ließen Interessierte teilhaben an der Faszination des Handwerks in der Schmuckstadt. Einrichtungen wie das Isergebirgsmuseum gaben Einblicke in die lange Geschichte und Tradition. Andere begeisterten mit modernen Technikvorführungen und wunderschönen Produkten aus der heutigen Schmuckherstellung. Vom Kaufbeurer Stadtmarketing wurde diese Reise durch alle Epochen der Gablonzer Industrie auch als „Radlführung“ inklusive Bunkerbesichtigung, angeboten.

Die „Erlebnisausstellung im Haus der Gablonzer Industrie“ eröffnete den überaus gut besuchten Weg durch die facettenreiche Herstellung in Neugablonz. Großes Interesse galt unter anderem der Vorführung der bekannten Verfilmung „Wege der Hoffnung – die Geschichte von Neugablonz“. Die enge thematische Verbindung der Gablonzer Industrie mit der staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck wurde diesmal durch das Projekt „miteinander“ zum Ausdruck ge- bracht. Erstmalig absolvierten Schüler der Schmuckfachschule ein Praktikum in Neugablonzer Betrieben. Bei der Firma Schäfer Glas entstand durch den Stahlgraveur im zweiten Lehrjahr Daniel Gantz der gläserne „Schwabentaler“. Die staatliche Berufsfachschule für Glas und Schmuck feierte zugleich ihr 65-jähriges Bestehen. Durch Einblicke in den Schulalltag während des Erlebnistags möchte Schulleiter Gottfried Göppel die gestaltenden Ausbildungsberufe stärker in ein überregionales Blickfeld rücken. Seit die Heimatvertriebenen die Neugründung der Schule angeregt und verwirklicht haben, entwickelte sich diese laut Göppel zu einer Bildungsstätte, die „mit Engagement und Leidenschaft“ die kunsthandwerklichen Fähigkeiten ihrer Schüler fördert. Beeindruckend war auch die Tatsache, dass in den Neugablonzer Fertigungsbetrieben Handarbeit noch wertgeschätzt wird. Vom Perlenwickeln und Glassteindrucken bis zum Zinnguss konnten die Besucher jeden der einzelnen Arbeitsgänge verfolgen. In der Buchhandlung Menzel stellte Künstlerin Elisabeth Gschwendtner Glasobjekte und -bilder zum Bewundern und Erwerben aus. Mit einer Testvorführung der Eigenentwicklung „Stichschutzweste“ begeisterte die Firma Kamp die Anwesenden. Die Weste findet Verwendung im Polizei-, Personenschutz- und Militärbereich, die ebenfalls in der Firma hergestellt werden. Bei der Firma Wilhelm Kamp GmbH werden immer noch in reiner Handarbeit mit mechanischen Fußpendel Schmuckrosen aus Aluminium hergestellt. Ein vielbeachtetes Thema in allen Neugablonzer Unternehmen ist die Integration, da vor Ort viele qualifizierte Arbeiter aus allen Teilen der Welt beschäftigt werden. „In der Vergangenheit wurden die Heimatvertriebenen mit der Gablonzer Industrie hier integriert, heute integriert die Gablonzer Industrie,“ so brachte der Geschäftsstellenleiter des Verbandes der Gablonzer Industrie, Thomas Nölle, es auf den Punkt.

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