Anerkennung für Willi Lang

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MdL Bernhard Pohl (rechts) schließt sich den Glückwünschen von Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller und Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen, an den frischgebackenen Volkstumspreisträger Willi Lang (zweiter von rechts) mit einem kleinen Präsent an.

Kaufbeuren – Der vorvergangene Freitag war ein großer Tag für den Neugablonzer Willi Lang: Im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses wurde ihm der Sudetendeutsche Volkstumspreis überreicht.

Anders als in Kaufbeuren, wo der Kulturpreis jedes Jahr in einer anderen Sparte verliehen wird, vergibt die Sudetendeutsche Landsmannschaft ihre Kulturpreise alljährlich zu Pfingsten anlässlich des Sudetendeutschen Tages in allen Sparten: Neben dem „Großen Sudetendeutschen Kulturpreis“ sind das Auszeichnungen für „Literatur und Publizistik“, für „Musik“, für „Darstellende und Ausübende Kunst“, für „Wissenschaft“ sowie für „Bildende Kunst und Architektur“. 

Wenn der Sudetendeutsche Tag in Augsburg stattfindet, wie jetzt bereits seit zehn Jahren, bildet der Goldene Saal die prächtige Kulisse für die feierliche Verleihung der Kulturpreise, während das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim unter Professor Armin Rosin – seit 2003 selbst Träger des Großen Sudetendeutschen Kulturpreises – für einen angemessenen musikalischen Rahmen sorgt. 

Augsburgs OB Dr. Kurt Gribl zitierte einen Ausspruch Seehofers, wonach etwas, das drei Jahre hintereinander stattfinde, Tradition sei, und bei mehr als fünf Jahren Brauchtum. Daraus folgerte Dr. Gribl, dass man den Sudetendeutschen Tag, der schon zum zehnten Mal in Augsburg erfolge, demnach getrost „als Naturgesetz” bezeichnen dürfe und hieß die Sudetendeutschen „zu Hause“ willkommen. 

Namhafte Laudatoren stellten die Preisträger und ihre Verdienste vor, bevor ihnen Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller und Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen, ihre Urkunden überreichten. Für Willi Lang sprach Dr. Martin Posselt, Vorsitzender der Stiftung Isergebirgs-Museum in Kaufbeuren- Neugablonz. Seiner Laudatio war deutlich anzumerken, wie sehr er sich mit Willi Lang (88) über die Auszeichnung freute. 

Auf Krippengeschichte spezialisiert 

Der aus dem tschechischen Ort Radl stammende Neugablonzer kam nach Krieg, Lazarett und Vertreibung 1948 nach Kaufbeuren. Von Anfang an hat er als Glasschleifer und -drücker am Wiederaufbau der Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie mitgearbeitet. Darüber hinaus hat er sich als langjähriger, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Gablonzer Archiv und Museum e.V. auf Krippengeschichte spezialisiert und sich hier ein umfangreiches, überregional anerkanntes Wissen erworben. 

1988 gründete Lang die Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Krippenfreunde und fungierte bis 1994 als deren Vorsitzender. Federführend organisierte und gestaltete er eine Reihe großer, erfolgreicher Krippenausstellungen. Dank ihm ist die böhmisch-mährische Krippentradition im Netzwerk der deutschen und österreichischen Krippenfreunde mittlerweile fest verankert.

Auch um den Aufbau der Sammlungen im Isergebirgs-Museum Neugablonz hat sich Willi Lang verdient gemacht. Hier werden seine Kennerschaft und seine Fähigkeit, Objekte aufzuspüren und ihren Wert einzuschätzen, besonders deutlich. 

Ein weiteres Fachgebiet, in das sich der Brauchtumsforscher Lang eingearbeitet hat, ist die Kirchentradition der „Heiligen Gräber“ – Altäre mit hinterleuchteten Glassteinen aus Gablonz. Einer dieser von Willi Lang in Schwaben entdeckten Altäre ziert mittlerweile als Herzstück den religiösen Bereich des Isergebirgsmuseums. 

Auch im Themenbereich „Gesellschaftliches Leben“ verdankt das Museum dem „Sammelgenie Lang“, so Laudator Posselt, einzigartige Ausstellungsstücke, wie den Siegerschlitten der ersten Europameisterschaft im Rodeln, die 1914 auf der Jeschken-Rodelbahn in Reichenberg stattfand. 

Weitere Preise an Dr. Kittel und Inzko 

In separaten Veranstaltungen wurden im Rahmen des Sudetendeutschen Tags noch zwei weitere Preise verliehen: Der „Sudetendeutsche Menschenrechtspreis“ ging heuer an Professor Dr. Manfred Kittel, der unter anderem im vergangenen Jahr die Festrede zum 60-jährigen Jubiläum vom Ortsbildungsausschuss Neugablonz gehalten hatte. Den „Europäischen Karls-Preis der Sudetendeutschen Landsmannschaft“ erhielt dagegen Valentin Inzko, der als „Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina“ fungiert.

von Ingrid Zasche

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