Gelb-orangene Muster fallen weg

Kleine Platten für Großzügigkeit

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Die exemplarischen Pflastermuster, die bisher zur Auswahl standen. Nach dem jüngsten Stadtratsbeschluss fallen jedoch die gelb-orangenen weg.

Kaufbeuren – Obwohl die Empfehlung aus dem jüngsten Bauausschuss einstimmig war, gab es im Stadtrat am Dienstag noch reichlich Gesprächsstoff über die Vorentwurfsplanung zur Neugestaltung der Fußgängerzone. Diskutiert wurde vor allem über die Formatgrößen der Platten.

Baureferatsleiter Helge Carl schickte der Diskussion voraus, dass das graue Farbfeld der am Obstmarkt ausgelegten Belagsmuster von den Planern bevorzugt würde und das gelbliche Muster ausscheiden sollte. Außerdem schlug er vor, noch nicht über das Material abzustimmen.

Die Wortmeldung von Walter Nocker (CSU) war Anstoß zur Diskussion. Er sagte, dass Bürger auf ihn zugekommen seien, die sich größere Flächenformate der Pflastersteine wünschten, als die, die auf einer 32 Quadratmeter großen Musterfläche am Obstmarkt ausgelegt und von den Landschaftsarchitekten des beauftragten Büros „realgrün“ geplant sind. Vor allem plädierten die Bürger für größere Formate, so Nocker. Sein Parteikollege Johannes Böckler unterstützte ihn. Je größer die Platten seien, desto weniger Fugen entstünden auch, so Böckler. 

Es ist jedoch angedacht, so Prof. Klaus-D. Neumann von „realgrün“, die Pflastersteine in den Formaten 16x16 Zentimeter bis 16x28 Zentimeter zu verlegen. Dies sei so, laut Carl, auch einstimmig ausgewählt worden. Kaufbeuren habe eine „kleinteilige Altstadt“ und keinen „großstädtischen Boulevard“. Um in der Fußgängerzone Großzügigkeit zu erreichen und sie gestalterisch zu beruhigen, seien große Platten die falsche Wahl. 

Robert Klauer (KI) betonte, dass die Belagsschichten von größeren Platten kostspieliger und fast nicht zu verlegen seien, lediglich mit schwerem Gerät. In diesem Zusammenhang verwies er auf das Problem des Unterhalts, falls beschädigte Platten ausgetauscht werden müssten. „Eine Platte bekommt man nie wieder gescheit raus“, so Klauer. In Richtung Böckler sagte er, dass die geplante Fugenbreite vier Millimeter betrage. So schmal sei kein Stöckelschuh. Ralf Baur (SPD) forderte, auf die Erfahrung von Klauer, der Straßenbauer-Meister ist, zu vertrauen. Der Wunsch der Begehbarkeit habe mit Fugen und der Oberflächenbeschaffenheit zu tun, aber nicht mit der Größe der Pflastersteine.

Johannes Espermüller (FDP) befand das von den Planern vorgeschlagene Pflasterformat als dasjenige, das am besten zu Kaufbeuren passen würde. Die Fußgängerzone lebe von bunten Fassaden, weswegen das Pflaster „ruhig“ sein solle. Gemischte Formate dagegen würden „Unruhe hineinbringen“. Nach Richard Drexls (Freie Wähler) Aussage würden größere Pflastersteinformate eher kippen als kleinere und außerdem sei es damit schwieriger, Höhenunterschiede auszugleichen.

Dr. Thomas Jahn (CSU) warf ein, es gehe nicht um „grabsteingroße Platten“, sondern um die so genannte Münchner Platte. Für seine Partei stünden die Bürger an erster Stelle und damit die gute Begehbarkeit und Qualität des Bodenbelags. Wenn dies aber durch die von den Planern vorgeschlagenen Platten erreicht würde, sei er bereit, für den Beschlussvorschlag zu stimmen.

Auf Ernst Schönhaars (CSU) Bitte hin betonte Carl nochmals, dass es sich bei den ausgelegten Flächen um „exemplarische“ Belagsmuster handle. Eventuell würde im Zuge der europaweiten Ausschreibung nicht genau ein solcher Steinbruch gefunden, der die exakte Farbe aufweise.

Hinsichtlich der Möglichkeit, dass die Läden in der Innenstadt Umsatzeinbußen erwarten, beschwichtigte Ottmar Maier (Freie Wähler). Er ist sich sicher, dass die Leute aus reinem Interesse in die Fußgängerzone kommen werden, um sich den Baufortschritt anzusehen. Dies würden sie mit einem Einkaufsbummel verknüpfen.

Als „nettes Signal“ an die Bürger bewertete Oberbürgermeister Stefan Bosse Helga Ilgenfritz‘ (SPD) Vorschlag, bei den Musterflächen einen Kasten aufzustellen. Dort sollen Bürger die Möglichkeit bekommen, ihre Favoriten zu benennen und einzuwerfen.

Das Gremium stimmte einstimmig der Vorentwurfsplanung mit geschätzten Gesamtkosten von rund 3,9 Millionen Euro samt Kanalplanung zu, wobei die Kostenschätzung mit 20 Prozent Unschärfen zu sehen sind. Die gelblichen Belagsmuster werden aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen. Die Verwaltung wird beauftragt, die Entwurfsplanung zu erarbeiten. Die endgültige Entscheidung soll in der Sitzung im September fallen.

von Martina Staudinger

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