Orkantief Niklas führt zu vielen umgestürzten Bäumen und drei Verletzten

Orkan wütet über dem Ostallgäu

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Einen Tag, nachdem Niklas über das Ostallgäu und Kaufbeuren hinweggefegt ist, ist die Ausfahrt B12/Kaufbeuren am Mittwoch immer noch von umgestürzten Bäumen überlagert.

Landkreis/Kaufbeuren – Eine Vielzahl an umgestürzten Bäumen, gekappten Telefonleitungen, zerbrochene Dachziegel und drei Verletzte: Das ist die Bilanz für Kaufbeuren und das Ostallgäu nachdem Orkantief „Niklas“ am Dienstag auch über unsere Region hinweggefegt ist.

Am schlimmsten traf es einen 78-Jährigen, der von einer Eisenstange am Kopf getroffen wurde, sowie ein Arbeiter in der Bundeswehrkaserne in Füssen, der durch eine starke Böe von der dritten Etage eines Baugerüsts fiel. Rund 200 Mal wurden die Einsatzkräfte von Polizei, THW und Feuerwehr in Stadt und Landkreis zu Hilfe gerufen, bis spät in die Nacht mussten sie Sturmschäden beseitigen. Schätzungen zum finanziellen Schaden lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor. 

Auch der Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/ West wurde am Dienstag vom deutschlandweiten Orkantief „Niklas“ heimgesucht. Schwerpunkt waren laut den Beamten die Landkreise Ostallgäu, Oberallgäu und Unterallgäu. Telefone fielen aus, weil Bäume über die Leitungen stürzten, herumfliegende Dachziegel wurden zur Gefahr für Bewohner und Passanten. 

Wie die Polizei am Mittwoch berichtete, gingen die meisten Einsätze aber glimpflich ab. In Kaufbeuren und dem Ostallgäu wütete „Niklas“ mit bis zu 140 km/h, trotzdem hielten sich die Schäden vergleichsweise im Rahmen, wie Kaufbeurens Stadtbrandrat Thomas Vogt am Mittwoch gegenüber dem Kreisbote resümierte. „Die Aufräumarbeiten waren am Dienstagabend abgeschlossen, die Zahl der Einsätze lag mit 22 im erwarteten Bereich“, so Vogt. 

Oft habe man aber die Drehleiter wegen der starken Böen nicht ausfahren können, gefährdete Bereiche wurden dann abgesperrt, so Vogt. Nachdem ab circa 9.30 Uhr weit über 20 Feuerwehrler im Einsatz waren, gönnte der Orkan den Einsatzkräften über Mittag eine „kleine Pause“– „ab 14 Uhr ging es dann mit 33 Leuten und acht Fahrzeugen weiter“, so Vogt. 

Kümmern musste sich die Kaufbeurer Wehr um lose Dachziegel und Blechdachteile, dazu waren insgesamt acht Bäume im Stadtgebiet umgestürzt. In der Hans-Seibold-Straße machten sich zwei Anhänger selbstständig und blockierten die Straße, sie wurden aber rechtzeitig entfernt bevor ein Sachschaden entstand. Personen wurden am Dienstag durch den Sturm nicht verletzt. 

Drei Menschen verletzt 

Anders im Ostallgäu, wo die Einsatzkräfte 180 Notrufe zu bewältigen hatten. Im Jengener Ortsteil Koneberg traf einen 78-jähriger Mann eine Eisenstange, die laut Polizei wohl durch herabfallende Baumteile gelockert worden war. Der Senior wurde am Kopf getroffen und musste ins Krankenhaus. Ebenfalls Kopfverletzungen erlitt ein Arbeiter, der sich am Dienstag auf einem Baugerüst an der Füssener Kaserne aufhielt. Weil sich durch die starken Böen ein Steg löste, fiel der Mann eine Etage tiefer. Er zog sich eine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde zu. 

Eine verletzte Person gab es außerdem, als auf der B12 bei Buchloe ein Lkw umkippte. Rasso Rehle, Kommandant der Feuerwehr Marktoberdorf, erinnert sich: „Wir waren bis spät in die Nacht im Einsatz, hatten unsere Stelle für Funkmeldungen eigens den ganzen Tag besetzt, um die Masse der Funksprüche bewältigen zu können“. 

Kurios: Einen der insgesamt 40 Einsätze hatte die Marktoberdorfer Feuerwehr sogar im eigenen Haus, weil „Niklas“ ein Blechteil des Gebäudes weggerissen hatte. Beseitigen konnte die Marktoberdorfer Wehr zudem eine Blockade auf der Bahnstrecke Marktoberdorf – Füssen. Hier war ein Baum auf die Gleise gefallen. 

Auf Weisung der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) in Kempten, bei der die Notrufe der Landkreisbürger eingingen, war die Füssener Feuerwehr außer in der eigenen Stadt zusätzlich als Abschnittführungsstelle (AFüSt Füssen) für den südlichen Landkreis Ostallgäu im Einsatz. 

Wie die Polizei berichtet, gab es zwar bis in die späten Nachtstunden Einsätze, jedoch ließ der Orkan am Abend immer mehr nach. Am Mittwochmittag gab es nach Auskunft des Landratsamtes keine Störungen auf Bahnstrecken im Ostallgäu mehr, allerdings mussten sich die Verkehrsteilnehmer auf der B12 weiter auf Behinderungen durch umgestürzte Bäume gefasst machen. Nach Einschätzung von Helmut Maucher, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Füssen, wütete „Niklas“ schlimmer als Orkan „Kyrill“ im Januar 2007. „Das war heftiger“, so Maucher.

von Michaela Frisch

So litt das Ostallgäu unter Niklas:

• Wichtige Verbindungsstraßen wurden im Ostallgäu unter anderem an folgenden Stellen blockiert: Ruderatshofen (OAL 7, Baum auf der Straße, Fahrbahn komplett blockiert), Bidingen zwischen Gehren und Etzlesberg (B 472, Baum ragte auf Fahrbahn), Marktoberdorf kurz nach dem Solarpark im Richtung Wald (St2007, Baum lag quer über der Fahrbahn). Bei der Autobahnauffahrt A96 bei Jengen/Buchloe-Ost behinderte ein Baum auf der Straße die Fahrt 

• In Bidingen war die Stromleitung durch einen Bau unterbrochen, in Kaufbeuren wurde eine Werbetafel mit einer Größe von zwei mal drei Metern auf die Straße geweht. Der Sturm deckte hier zudem teilweise das Dach eines Verbrauchermarktes in der Sudetenstraße ab. 

• Auf der B16 im Bereich Marktoberdorf wurde ein Lkw von der Fahrbahn geschoben 

• Die Bahnverbindung zwischen Biessenhofen und Günzach war kurzzeitig gesperrt 

• Drei Verletzte gab es im Ostallgäu durch „Niklas“: In Jengen und Füssen wurden zwei Männer am Kopf verletzt, eine Person erlitt leichte Verletzungen bei einem Lkw-Unfall auf der B12

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