Der Norden trägt die Last bisher allein

Lokale Wind- und Photovoltaikanlagen müssen durch Hochspannungsfernleitungen aus dem Norden ergänzt werdent Foto: Bauer

Sehr intensiv beschäftigte sich der Marktrat der Gemeinde Obergünzburg mit der Stromerzeugung durch das erneuerbare Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dabei standen Möglichkeiten und Grenzen durch Eigenversorgung ebenso im Fokus der Markträte, wie die künftige Haltung zur Stromerzeugung durch Windenergie. Dabei zeichnete sich über alle Fraktionen hinweg ein breiter Konsens ab, sich, wie Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) abschließend bemerkte, positiv zielführend mit diesem Thema zu beschäftigen.

„Fukushima hat den Rahmen neu gesteckt“, führte Josef Nersinger von den Lechwerken aus. Da könne man, angesichts Atomausstieg und der im vergangenen Jahr in der Marktgemeinde erzeugten 28 Millionen Kilowattstunden auf den Gedanken kommen, sich energetisch unabhängig zu machen. Nominal wurden 41 Prozent des verbrauchten Stromes selbst erzeugt, allerdings, so zeige das Beispiel der Gemeinde Buttenwiesen, stehe der eigene Strom sehr häufig nicht dann zur Verfügung, wenn er nachgefragt werde. Eine für das Jahr 2009 erstellte Auswertung zeige, dass der im Energiemix aus Biogas und Photovoltaik erzeugte Strom mengenmäßig nur in den Monaten April bis September ausreiche. Obwohl in diesem Zeitraum nominal genügend regenerative Energie zur Verfügung stand, war eine an den Bedürfnissen orientierte Versorgung über jeweils 24 Stunden trotzdem nicht möglich, denn nur von 11 Uhr bis 16 Uhr wurde genügend Strom erzeugt. Dies provozierte die Frage von Xaver Rietzler (FW), ob man zu viel erzeugte elektrische Energie speichern könne. Alle bekannten Technologien steckten noch in den Kinderschuhen, so Nersinger, wichtig wären in jedem Falle stabile Nord-Süd Netzverbindungen, um die Überschüsse im Norden zu nutzen. Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ könnte eventuell auch die Speicherung in vielen Millionen Haushalten oder Elektroautos genutzt werden. Mehrere Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, zur Errichtung von Windkraftanlagen habe die Frage nach der weiteren Vorgehensweise aufgeworfen, erklärte Leveringhaus und leitete damit zum Tagesordnungspunkt zwei über. Zur Beantwortung rechtlicher Fragen, insbesondere zu Änderungen nach der durch die Staatsregierung verkündeten Energiewende, hatte der Bürgermeister mit Gudrun Hummel aus dem Landratsamt kompetente Unterstützung ins Haus geholt. Die Rechtslage sei bisher noch unverändert, so bestimmten der Regionalplan des Planungsverbandes und die Flächennutzungspläne der Gemeinden wo Windkraftanlagen gebaut werden dürften, erklärte Hummel. Kleinwindkraftanlagen seien davon nicht betroffen, für sie genüge eine Baugenehmigung durch das Landratsamt. Der Bau von Großanlagen werde allerdings durch die Vorgaben des Regionalplanes erheblich eingeschränkt, denn der gesamte Landkreis Lindau und die südlichen Bereiche des Ober- und der Ostallgäu ließen keine Großwindkraftanlagen zu. Auf die Frage von Leveringhaus, welche rechtlichen Vorschriften hinsichtlich der Belastung der Bevölkerung zu beachten seinen, antwortete Hummel, dass ein Abstand, der der dreifachen Höhe der Anlage entspricht, dem Rücksichtnahmegebot genügen würde. Ob sich zu den beiden Anlagen in Reichholz ein Drittes gesellen soll, ob die beiden bestehenden Gebiete erweitert werden können, oder ob das gesamte Gemeindegebiet nach neuen Sondernutzungsflächen untersucht werden müsse, wurde im Zuge dieser Sitzung nicht beschlossen, aber alle Räte waren sich einig, der eingeschlagene Weg weiter verfolgt werden müsse. Dabei müsse allerdings darauf geachtet werden, dass die Wertschöpfung bei der Gemeinde bleibe so Brigitte Helchenberg-Mayer (FW). In Bezug auf die künftige Schwerpunktbildung sahen Max Schwarzer (FW) und Reinhard Kiechle (Grüne) mehr Vorteile bei der Windkraft, der man mit Blick auf den Flächenverbrauch den Vorzug vor der Biogaserzeugung einräumen müsse.

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