Präventionsveranstaltung

Der Feind in meinem Haus

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„Das war richtig leicht!“ so Veronika Diepolder, die ungeübt und probeweise ein ungesichertes Fenster mit einem Schraubendreher in weniger als 20 Sekunden aus seinem Rahmen hebelte.

Marktoberdorf – An vier von fünf Tagen wird im Allgäu eingebrochen, in Einfamilienhäuser, Erdgeschoss-Wohnungen und Gewerbeobjekte. In ganz Bayern liegt die Zahl der Einbrüche bei 20 pro Stunde. Das sagt die Statistik der Polizei, die eine ansteigende Zahl von Wohnungseinbrüchen in den letzten Monaten und Jahren dokumentiert. Pünktlich zu Beginn der dunklen Jahreszeit haben daher das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sowie das Kuratorium Sicheres Allgäu e. V. zu einer Informations- und Präventionsveranstaltung geladen, die die Verhinderung von Wohnungseinbrüchen zum Thema machte.

Am Andrang der Besucher, die das Modeon in Marktoberdorf fast komplett füllten, ließ sich erahnen, wie das Thema die Menschen in Stadt und Region beschäftigt. In Marktoberdorf hatte es gerade im letzten Winter, in der Vorweihnachtszeit und zum Jahreswechsel, eine Serie an Einbrüchen gegeben, die bis heute nicht aufgeklärt ist. Der Vorsitzende des Kuratoriums Sicheres Allgäu, der Lindauer Landrat Elmar Stegmann, sprach dabei gerade von den psychischen Folgen, dem Gefühl der Unsicherheit und der Angst, die Opfer von Wohnungseinbrüchen beklagten. Und Armin Brenner, ein Betroffener aus Marktoberdorf, bekannte, dass es nicht der finanzielle Verlust gewesen sei, der schmerze, sondern der Verlust der Sicherheit in den eigenen vier Wänden. „Das Gefühl „my home is my castle“ - das ist plötzlich weg“, so Brenner.

Was also tun? In einem gut einstündigen Vortrag klärte Kriminalhauptkommissar Ralph Müller über die Gewohnheiten und Tricks von Einbrechern auf, und beschrieb, wie man sich mit einer guten Außenhülle vor Eindringlingen schützen könne. Gleich zu anfangs betonte er, dass rund sechs Prozent der Einbrüche über offen gelassene Türen oder Fenster erfolge. „Bitte sperren Sie bei Verlassen des Hauses ihre Türen immer ab – am besten doppelt – und schließen Sie die Fenster“, mahnte der erfahrene Kripo-Beamte, der als Präventionsbeauftragter der Polizei in Memmingen derzeit durchs Land tourt. 

Auch ein gekipptes Fenster sei ein offenes Fenster, sagte Müller und zeigte mehrere Videos mit Einstiegsvarianten durch gekippte Fenster oder unzureichend gesicherte Wohnungstüren. Sehr häufig hebelten Einbrecher das Fenster mithilfe eines Schraubendrehers einfach aus oder durchschlügen das Glas in der Nähe des Fenstergriffs, um dann über den Griff das Fenster zu öffnen, wie Müller erklärte. So gelangten in über 75 Prozent der Einbruchsfälle Täter in die Wohnung. 

Hier helfe nur, so Müller, die Außenhaut nachzurüsten, sprich verschließbare Fenstergriffe zu installieren, eventuell durchschlaghemmende Gläser einzubauen oder bestimmte Fensterflächen zu vergittern. Bei Türen, auch Wohnungstüren sollte eine Mehrfachverriegelung möglich sein. „Die Mehrzahl der Täter scheut das Risiko“, ist sich Müller sicher. Daher plädiert die Polizei dafür, die mechanische Sicherung an Türen und Fenstern zu erhöhen, um damit den Einbrecher so lang wie möglich am Eindringen zu hindern. Im besten Fall, bis dieser seinen Versuch aufgibt. Über ein Drittel der Einbrüche bleiben nämlich im Versuchsstadium stecken, nicht zuletzt wegen sicherheitstechnischer Maßnahmen.

Zu diesen gehören auch Alarmanlagen, Schockbeleuchtungen oder die Video-Überwachung der eigenen Wohnräume. Ralph Müller ist skeptisch: „Kann abschreckend sein, muss aber nicht“, gibt er zu bedenken. Am besten helfe es immer noch, sich mit den wachsamen Nachbarn abzusprechen. Und noch einen einfachen Tipp gab Müller seinen Zuhörern mit auf den Weg: Auch den Werkstattschuppen und dessen Gerät zu verschließen, nicht dass der besonders dreiste Dieb mit der eigenen Leiter über Balkon und Balkontür ins Haus gelangen könne.

„Und wenn er dann schon drin ist“, fragte eine Zuhörerin besorgt. Was solle sie tun, wenn sie nachts einen Einbrecher im Erdgeschoss hantieren höre? Werner Strößner, Schwabens Polizeipräsident und Podiumsgast, riet, auf keinen Fall die Konfrontation mit dem Eindringling zu suchen. „Wählen Sie so schnell es geht die 110, die Notrufnummer der Polizei.“ Diese sei auch Ansprechpartner, wenn es um Auffälligkeiten im Wohngebiet gehe, so Strößner. „Wenden Sie sich an uns, wenn Ihnen fremde Autos oder Passanten aufgefallen sind, Menschen, die scheinbar nicht in Ihre Gegend passen“, rief er das Publikum auf.

Vorsichtiger und aufmerksamer ist auch Armin Brenner nach dem Einbruch in seinem Haus zu Beginn diesen Jahres geworden. Er hat für rund 6500 Euro neu in die Sicherheit seines Gebäudes investiert und dafür einen Förderkredit bei der KfW-Bank aufgenommen. Es gehe ihm und der Familie wieder gut, erhöhte Wachsamkeit sei ihm jedoch geblieben, sagt Brenner. Das ist auch gut so, denn die Aufklärungsquote bei Einbruchsdelikten im Allgäu liegt derzeit bei 26 Prozent.

von Angelika Hirschberg

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