Bergidyll wiederentdeckt

+
Die diesjährigen Preisträger der 38. Ostallgäuer Kunstausstellung sind Stefan Wehmeier (3. v. li.), Jürgen Meyer ( 2. v. li.) und Karl Maurer (Mitte). Anlässlich der Vernissage und Preisvergabe werden sie umrahmt von Rupert Filser (li.), Kulturamtsleiter der Stadt, Laudatorin und Schauspielerin Lara Joy Körner, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und dem dritten Bürgermeister Carl Singer.

Marktoberdorf – Scharfkantige Berggipfel vor klarem Himmel, lose Geröllbrocken und ein von Wolkenfetzen umhangenes, mystisches Gebirgspanorama – es scheint, als hätte die diesjährige Jury bei der Vergabe der Ostallgäuer Kunstpreise das Bergidyll wiederentdeckt.

Denn mit Stefan Wehmeiers „Baumgrenze“, einem Gemälde aus dem Jahr 2015, und Jürgen Meyers Berg-Variation XI von 2016 gingen gleich zwei Preise an zeitgenössische Interpretationen der klassischen Landschaftsmalerei. Passend zu diesem Eindruck eröffnete die Bläserklasse der städtischen Musikschule die Vernissage der 38. Ostallgäuer Kunstausstellung mit der Ouvertüre aus „Wilhelm Tell“ von Rossini.

Alljährlich bietet die Stadt Marktoberdorf Künstlerinnen und Künstlern aus Bayerisch-Schwaben die Möglichkeit, sich im Künstlerhaus einem größeren Publikum vorzustellen und dort regionale, zeitgenössische Kunst zu präsentieren. „Die Ostallgäuer Kunstausstellung hat sich damit zu einer der bedeutendsten Kunstschauen in ganz Schwaben entwickelt“, wie Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in seiner Ansprache sagte. Für ihre Akzeptanz unter den Kunstschaffenden spricht auch, dass insgesamt 284 Bilder und Skulpturen eingereicht wurden. 86 Werke von 70 Künstlern wurden in die Ausstellung aufgenommen, sieben Arbeiten mehr als im Vorjahr.

Unter diesen über 80 Werken sind drei herausragende Arbeiten mit den Kunstpreisen der Stadt und der Franz-Schmid-Stiftung ausgezeichnet worden. Der Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis, dotiert mit 3.000 Euro geht in diesem Jahr an den 1955 geborenen Stefan Wehmeier für sein Gemälde „Baumgrenze“. Die Jury lobte die hohe malerische Qualität, die lichte Farbigkeit und kühle Frische, die in Kontrast zu den schroffen Felsformationen steht. Scharf konturierte Felsbrocken stürzen zu Tale und kullern dem Betrachter quasi vor die Füße. Im Spannungsfeld zwischen Fläche und Tiefe, Zeichnung und Malerei bewegt sich auch das preisgekrönte Werk „Berg-Variation XI“ von Jürgen Meyer (geboren 1949), das mit dem Familie Paul-Breitkopf-Preis (dotiert mit 2.000 Euro) ausgezeichnet wurde. Die Acryl- und Kreidearbeit lässt einen Gegenstandsbezug zunächst nur erahnen. Lässt man sich aber von der schwungvollen Dynamik des Pinselstrichs leiten, erscheint der Gipfel eines Berges, der geheimnisvoll aus der Wolkendecke ragt. Nicht zuletzt war es die luftige Atmosphäre und die ätherische Erscheinung dieses unkonventionellen Landschaftsbilds, das die Jury überzeugte.

Den Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung erhält eine Skulptur, eine schlanke, elegante und zugegebenermaßen mysteriöse Säule aus Stahl, die wie kein anderes Kunstwerk für den Ort des Künstlerhauses geschaffen zu sein scheint. „Schnittsäule II“ ist ihr Name, ihr Schöpfer und Preisträger ist der 1956 in Augsburg geborene Karl K. Maurer. Die Jury würdigte die klare und unprätentiöse Form des Werks und seine stille, allgegenwärtige Präsenz. Ein sich über die gesamte Länge ziehender Schnitt teilt die Säule in zwei Hälften und gibt je nach Blickwinkel Einsichten in das Innerste der Skulptur und Durchblicke nach außen frei.

Ein vielseitiges Panorama – das zeichnet erneut die gesamte 38. Ostallgäuer Kunstausstellung mit ihren überraschenden und ungewöhnlichen Einblicken in das vielfältige Kunstschaffen der Region. Auf bestimmte Genres oder Techniken ist sie dabei nicht festzunageln: Sie zeigt sich politisch, humorvoll, befremdlich, erotisch und abstrakt. Sie gestaltet ein weiteres Mal den lebendigen Austausch über Kunst, ihre Ideen und Visionen für und in der Gesellschaft.

von Angelika Hirschberg


Die 38. Ostallgäuer Kunstausstellung im Künstlerhaus der Stadt Marktoberdorf läuft noch bis 8. Januar 2017. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag 14 bis 18 Uhr. An Heiligabend und Silvester bleibt das Museum geschlossen.

Weitere Termine

Architekturführung

Der Architekt Ralf Baur führt durch die Architektur des Künstlerhauses, dem ersten Museumsbau von Bearth & Deplazes | Termin: So, 04. Dezember | Beginn um 15 Uhr | Kosten 3,50 Euro Führung inkl. Ausstellungsbesuch

Kunst | Kaffee | Kuchen | Sonntagsführung

Führung durch die Ausstellung mit anschließendem Kaffee und Kuchen im Künstlerhaus | Führung: Urte Ehlers, Kunsthistorikerin | Termine: So, 20. November | So, 08. Januar | Beginn um 15 Uhr |

Kosten 5 Euro inkl. Führung, Ausstellungsbesuch, Kaffee und Kuchen

Theater

,NippleJesus‘ | Komödiensolo von Nick Hornby | Vorpremiere in der Ostallgäuer Kunstausstellung | Der gefeierte britische Popliterat Nick Hornby hat mit seinem rasanten, höchst komischen ,NippleJesus‘ ein Solo für einen virtuosen Schauspieler verfasst. Und zugleich eine pointierte, hintersinnige Auseinandersetzung mit der Frage: Was ist Kunst?

Termin: Mi, 4. Januar 2017 | Beginn um 19 Uhr | Information und Reservierung unter 08342-400841

Meistgelesene Artikel

Bürgermeister wartet auf Anruf

Buchloe – Noch wartet Bürgermeister Josef Schweinberger auf den Anruf für eine Terminvereinbarung mit dem Vorstand des Gewerbevereins. In der …
Bürgermeister wartet auf Anruf

Sauerei am Fieselstadion

Kaufbeuren – Der Fieselplatz in Neugablonz, Austragungsstätte unzähliger und hitziger Partien, rückt Jahr für Jahr nach Beendigung des offiziellen …
Sauerei am Fieselstadion

Dose für den Notfall

Marktoberdorf – Im Cafe „Greinwald“ stellte der Sozialverband VdK Kreisverband Kaufbeuren-Ostallgäu mit der sogenannten „SOS-Rettungsdose“ kürzlich …
Dose für den Notfall

Kommentare