Ostumgehung oder Innenortslösung?

„Der Landkreis will eigentlich nicht mehr!“, so soll nach Aussage von Landrat Johann Fleschut die Stimmung bei vielen Ruderatshofener Bürgern sein. Es geht um die Verwirklichung der Ostumgehung, die einen Großteil der Verkehrslast, der Nord-Süd-Achse von Kaufbeuren nach Marktoberdorf aufnehmen soll. Dem trat Fleschhut bei der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses entschieden entgegen.

Der Landkreischef erklärte, dass sich an der Notwendigkeit einer Umgehung aus Sicht des Landkreises nichts geändert habe. Leider seien allerdings die Grundstücksverhandlungen für die Trassenführung bisher weitgehend erfolglos geblieben. So sei von 18 Eigentümern bisher nur einer bereit gewesen Grund für die Umgehung zur Verfügung zu stellen. Die Idee Apfeltrang mit in die Umgehung einzubeziehen werde deshalb realistischerweise nicht mehr weiter verfolgt. Immerhin besteht der Wunsch nach der Umgehung seit 30 Jahren. Bei einer Belastung von 5200 Fahrzeugen, die den Ortskern jeden Tag von Norden nach Süden oder umgekehrt durchqueren ein verständliches Anliegen, denn Verkehrbelastung sei gleich Bürgerbelast-ung, meint Landrat Johann Fleschhut. Die Grundstücksverhandlungen sollten zwar flexibel geführt werden, aber die Preise müssten sich allein aus Gründen der Gleichbehandlung im üblichen Rahmen bewegen. Die Baumaßnahmen würden mit rund fünf Millionen Euro veranschlagt, wovon der Landkreis 2,2 Millionen Euro übernehmen müsste. Das sei angesichts des diesjährigen Tiefbauetats von 1,2 Mio Euro eine außerordentlich große Belastung für den Haushalt, betonte Fleschhut. Die wegen der Einführung von Personenzügen mit Neigetechnik anstehende Modernisierung des höhengleichen Bahnüberganges am nördlichen Ortsausgang sei eine gute Gelegenheit die Bahn an einer Bahnüberführung zu beteiligen. Auch die drei Brückenbauwerke über Kirnach, Mühlbach und Flutmulde seien laut Fleschhut in einem schlechten Zustand, sodass dringender Handlungsbedarf bestehe. Sollte die so genannte „Innenortsvariante“ gewählt werden müssen, sei der finanzielle Aufwand in jedem Falle so hoch, dass eine Umgehung dann nicht auch noch gebaut werden könne. Fleschhut appellierte deshalb an die Bevölkerung, die Diskussion um die Abtretung der Grundstücke zu beleben, sodass bis zum Spätherbst die endgültige Entscheidung, welcher Variante der Vorzug zu geben sei, getroffen werden könne. Änderung der Trasse Kreisrat Alexander Müller forderte eine Änderung der Trasse, sodass weniger wertvolle Grundstücke durchschnitten werden müssten. Dies sei jedoch im Zuge einer flüssigen Verkehrführung nicht möglich, entgegnete Fleschhut. Josef Zeislmeier wandte sich entschieden gegen den zeitnahen Termin Spätherbst, „denn man katapultiere sich sonst aus dem Verfahren hinaus“. Fleschut hielt jedoch mit Hinweis auf die schon zu lange geführte Diskussion an der Abstimmung fest. Hubert Endhardt (Grüne) brachte eine Tonnagebegrenzung ins Spiel, was aber gemäß Fleschhut nicht Zweck der Übung sei. Werner Himmer (FW) trat ebenfalls für ein Festzurren des Datums Spätherbst ein und betonte die Bedeutung der geplanten Umgehung für den Landkreis und die Kreisstadt. Er äußerte allerdings auch Zweifel, ob die den Grundstückseigentümern angebotenen Preisen noch aktuell seien. Der Landrat sagte hier eine Prüfung zu. Vor der Abstimmung hatte der Bürgermeister von Ruderatshofen, Johann Stich, abschließend Gelegenheit seine Argumente für die Umgehung ins Feld zu führen. Besonders wies er auf die Bedeutung des Grundstücktausches hin, denn angesichts der Unsicherheiten um den Euro sei ein Erwerb der wertvollen Flächen ohne Tauschflächen nicht erfolgversprechend. Außerdem würde der zunehmend verwaisende Ortskern bei der „Innenortslösung“ weiter an Attraktivität verlieren. Der nochmals vorgetragene Einwand von Josef Zeislmeier, das Zeitfenster für den Grundstücksankauf sei zu klein, fand keine Mehrheit. So wurde der vorgelegte Beschlussvorschlag, an dem Bau der Umgehung, unter Aussparung von Apfeltrang, festzuhalten und im Spätherbst endgültig darüber abzustimmen, einstimmig angenommen.

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