Hans Raabe und Birgit Dausacker übernehmen vorerst alle Vorstandsfunktionen

Doppelspitze im Vorstand

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In der modern eingerichteten Behinderten-Schreinerei stellte der Vorsitzende der Lebenshilfe Ostallgäu Hans Raabe (Mitte) die beiden neuen Geschäftsführer der Wertachtal-Werkstätten GmbH vor: Uwe Jakesch (links) und Alfons Regler.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Nachdem die bisherige Vorsitzende der Lebenshilfe e.V. Ostallgäu, Yvonne Schur, ihr Amt zurückgegeben hatte, musste gehandelt werden. Aufgrund personeller und struktureller Veränderungen hatte dieser Tage der geschäftsführende Vorstand der Lebenshilfe e.V., der auch gleichzeitig Gesellschafter und Aufsichtsrat der Wertachtal-Werkstätten GmbH ist, zu einem Mediengespräch in die Räumlichkeiten in der Porschestraße in Kaufbeuren eingeladen.

Ergebnis: Bis zu den anstehenden Neuwahlen im November 2016 wird der bisherige 2. Vorsitzende Hans Raabe aus Bad Wörishofen zusammen mit Birgit Dausacker aus Obergünzburg alle Vorstandsfunktionen wahrnehmen und den Verein weiterführen. 

Hans Raabe, Jahrgang 1941, hat durch seinen behinderten Sohn starke persönliche Bindungen zur Lebenshilfe und war jahrelang zunächst Schriftführer und als 2. Vorsitzender tätig. Als Geschäftsführer bei der IHK Ulm und bis vor zwei Jahren als Seminarleiter bei der Volkshochschule bringt der ausgebildete Diplom-Kaufmann einen reichen Erfahrungsschatz mit, um zusammen mit Birgit Dausacker die neuen Herausforderungen in Verbindung mit einer Neuaufstellung, auch im Bereich der Geschäftsführung, bewältigen zu können. 

Bekanntlich unterstützt die Wertachtal-Werkstätten GmbH, eine Einrichtung der Lebenshilfe e.V. Ostallgäu, schon seit 40 Jahren mit ihren Angeboten Menschen mit Behinderung einen angemessenen Platz im Arbeits- und Alltagsleben zu finden. An ihren vier Standorten Kaufbeuren, Neugablonz, Marktoberdorf und Füssen sind zwischenzeitlich an die 560 Arbeitsplätze entstanden. 

Durch den Erwerb des Kinoton-Gebäudes in Kaufbeuren ergeben sich, wie Hans Raabe betonte, vielfache Erweiterungsmöglichkeiten. So stehe beispielsweise der Ausbau einer neuen Förderstätte vor einem erfolgreichen Abschluss und der Bau neuer Werkstatträume nehme Gestalt an. Große Chancen sehe er auch für die Werkstatt in Füssen, wo 2016 ein Neubau anstehe. Auch in Marktoberdorf würden derzeit mit Hilfe der Stadt Grundstücksverhandlungen laufen. 

Deshalb habe der Vorstand der Lebenshilfe einstimmig beschlossen, weitere Angebote im Landkreis Ostallgäu und vor allem in Kaufbeuren zu schaffen, wobei man auch die Themen Langzeitarbeitslose, physisch Kranke und Migranten in dieses Konzept mit einbeziehen möchte. Dieses neue Raumprogramm erfülle die Anforderungen zukunftsgerichteter Werkstattarbeit. Und so wolle man sich mit neuen Projekten beschäftigen, Strukturen ändern und von alteingefahrenen Wegen abkommen. 

Nach Meinung von Hans Raabe liege die Zukunft der Werkstätten in einer noch intensiveren Verankerung in den Sozialräumen des Ostallgäus. Deshalb wären die Wertachtal-Werkstätten nicht nur ein Garant für Lebensqualität im Behindertenbereich, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Landkreis Ostallgäu. Als „Spitze“ könne man in diesem Zusammenhang das Verhältnis zur Landrätin, Kaufbeurens Oberbürgermeister und in die Amtsstuben der Stadt Füssen bezeichnen. 

Mit leistungsfähigen Maschinen in der Schreinerei und Metallverarbeitung werden teilweise bereits hochwertige Produkte hergestellt. Hier wolle man nach weiteren Artikeln und Ideen „Ausschau halten“. Neue Ziele und Aufgaben sollen erschlossen und ausgelotet werden. So will man neue Zielgruppen suchen und erfolgversprechende Kontakte knüpfen. Alten- und Pflegedienste, Außenarbeiten, Fakturierwesen und Aktenvernichtung wären Dienstleistungen und Arbeiten, die von Firmen ausgegliedert und übernommen werden könnten. 

Dieses neue, weiter ausbaufähige Raumprogramm erfülle die Anforderungen zukunftsgerichteter Behindertenarbeit. So entwickelte man mit dem in Füssen begonnenen Projekt „Intergra Mensch“ eine offene Werkstatt, wo mit Außenarbeitsplätzen der Weg zum ersten Arbeitsmarkt geöffnet wurde. All diese neuen Herausforderungen und Ziele verlangten nach einer tiefgreifenden Änderung in der Geschäftsführung. 

In langen Diskussionen und Klausurtagungen wurde beschlossen, diesen eingeleiteten Neuanfang mit einer Doppelspitze in der Geschäftsleitung besser lösen zu können. Als Nachfolger für den bisherigen Geschäftsführer der Wertachtal-Werkstätten Volker Holata übernahm zunächst Alfons Regler zum 1. Juli dieses Jahres die Geschäftsführung. Ab 1. September wird außerdem Uwe Jakesch das Team verstärken. 

Während Alfons Regler, der nach seinem Studium anschließend in den Wertachtal-Werkstätten seine Arbeit in der Behindertenhilfe begonnen hatte und nach Führung einer Werkstätte beim Caritas-Verband Augsburg und Schwabmünchen nach Kaufbeuren zurückkehrte, in erster Linie für den technisch-sozialen Bereich zuständig ist, wird Uwe Jakesch für die kaufmännische und juristische Seite verantwortlich sein. Auch er bringt reichlich Erfahrung und entsprechende Qualitäten, zuletzt als kaufmännischer Leiter des Altenheims der Hospitalstiftung, mit. 

Vielfältige Aufgaben 

Beide sind sich der vielfältigen Aufgaben bewusst, die auf sie warten, wobei unter anderem auch die Ausbildung in sogenannten „niederschwelligen“ Handwerksberufen ein wichtiges Thema in nächster Zukunft sein soll.

von Klaus-Dieter Körber

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