Bildung gegen Altersarmut

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Ihre Fragen zur Altersarmut richteten die Zuhörer direkt an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: VdK Kreisgeschäftsführer Mathias Hochmuth (v. li.), Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke, die Referatsleiterin der Hans-Seidel-Stiftung Dr. Claudia Schlembach, die Rechtsreferentin der Deutschen Rentenversicherung Schwaben Daniela Kaufer und Dr. Claus Loos, Professor an der Hochschule Kempten.

Marktoberdorf – Laut einer Prognose des WDR droht von den heute 53,7 Millionen Beschäftigten ab 2030 etwa 25,1 Millionen eine Armutsrente. Dies war Grund für Dr. Claudia Schlembach, die Referatsleiterin bei der Hans-Seidel-Stiftung, sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Modeon mit dem Thema zu beschäftigen.

Professor Claus Loos von der Fakultät Soziales und Gesundheit an der Hochschule Kempten lieferte in seinem Impulsvortrag im Modeon einige Fakten zur Altersarmut. In Deutschland beginne die Armut per Definition bei 60 Prozent des mittleren Einkommen (nicht des Durchschnittseinkommens). Nach derzeitiger Rechnung bedeute dies etwa ein Einkommen von 1067 Euro für einen Alleinstehenden. Etwa 16 Prozent der Bürger in Bayern sind armutsgefährdet, über 65-Jährige bereits 18,5 Prozent, Bürger mit niedrigem Bildungsstand haben sogar ein Armutsrisiko von 29 Prozent.

Professor Loos erinnerte an die verfassungsrechtliche Pflicht des Staates, „für eine gerechte und ausgeglichene Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu sorgen und auch den wirtschaftlich Schwachen ein menschenwürdiges Dasein zu gewährleisten“.

Der deutsche Sozialstaat sei auf vier Säulen begründet worden, so der Professor weiter: Normal­arbeitsverhältnisse, Ein-Verdiener-Familie, Lebensstandardsicherung und Vollbeschäftigung. Inzwischen gehen allerdings Idee und Realität weit auseinander: moderne Erwerbsbiographien sind nicht mehr durchgehend und schnurgerade, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei heute viel wichtiger und hohe Arbeitslosenzahlen bis hin zur Langzeitarbeitslosigkeit veränderten das Bild.

Die sogenannte Standardrente des „Eckrentner“ mit 45 Jahren Beitragszahlung betrage heute 1371 Euro.

In der Podiumsdiskussion betonte der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU), Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, „ die Rente ist ein Spiegelbild des Erwerbslebens“. Der Demographische Wandel bedeute für die Unternehmen Fachkräftemangel und mache Gesundheitsmanagement notwendig. Stracke forderte mehr betriebliche Altersversorgung und weniger Verwaltungskosten bei der Riester-Rente. Die Frage eines Studenten nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, wie es bereits öfter diskutiert werde, lehnte er als leistungsfeindlich ab: „Es gibt intelligentere Lösungen. Momentan ist einfach der Altersübergang sehr hart“.

Den Ruf nach neuen Beitragszahlern hielt Daniela Kaufer, Rechtsreferentin bei der Deutschen Rentenversicherung, zwar für naheliegend, „dadurch wird die Finanzsituation der Rentenversicherung aber wegen der späteren Rentenanwartschaft nicht verbessert“. Der Schwerpunkt bei der Altersvorsorge müsse bei der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben. Das Rentensystem gebe es schon seit 125 Jahren, Anpassungen seien ihrer Meinung nach aber notwendig.

Mathias Hochmuth, Kreisgeschäftsführer des VdK Kreisverbandes Kaufbeuren-Ostallgäu, erklärte den Zuhörern: „Mit 100 Euro mehr wird die Grundsicherung zwar überschritten aber ein Leben in Würde nicht gewährleistet“.

Georg Hieble, Vorsitzender der CSU Senioren Union aus Kempten, forderte, dass bereits in den Schulen das Rentensystem erklärt werden müsse. Beifall für seine Frage erhielt Herbert Meyer, der die Ungerechtigkeit anprangerte, dass eine Witwe ohne Kinder mehr Rente erhalte als eine Frau mit drei Kindern, die mit viel Ehrgeiz ihre Kinder selbst erzogen habe.

Stracke konnte ihn diesbezüglich beruhigen und bestätigte, dass man in der CSU an einem Steuer-finanzierten Kinderbonus als Ausgleich arbeite.

von Wolfgang Krusche

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