Neue Form von Geselligkeit?

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Ein Livebild mit der eingeblendeten Grafikfigur, hier „Pokémon Taubsi“, ergibt die „erweiterte Realität“.

Ostallgäu/Kaufbeuren – Obwohl für Einzelspieler konzipiert, treffen sich immer mehr Jugendliche in der Region und gehen gemeinsam auf „Pokémon-Jagd“. Die dabei spielerisch genutzte Technologie wird auch als Augmented Reality, also „erweiterte Realität“, bezeichnet und ist bereits in Technischen Anwendungen im Einsatz.

Wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn plötzlich aufspringt, mit dem Smartphone auf eine Stelle vor sich deutet, mit dem Zeigefinger auf dem Display hin und her rubbelt und ruft: „Ich hab eins!“, wundern Sie sich nicht! Ihr Nachwuchs ist im „Pokémon Go“-Fieber. Waren es in den 90er Jahren die Pokémon-Kartenspiele, bei denen man Karten sammeln musste und in Kartenduellen gegen andere Spieler antrat, ist es heute eine neue Variante mit dem Smartphone. Seit dem 13. Juli kann das Spiel in Deutschland heruntergeladen werden. Innerhalb kürzester Zeit hat das Spiel alle Rekorde gebrochen und ist äußerst erfolgreich.

Es nutzt dabei neue technische Möglichkeiten aktueller Handytechnologie und verbindet sie mit bekannten Spielprinzipien: Sammeln und Belohnung. Tatsächlich sind vielen jugendlichen Spielern noch die Namen der Figuren aus ihrer Kinderzeit bekannt. Das Spiel greift auf die Standortdaten des Handys zurück, zeigt den eigenen Standort und Verstecke von Figuren verblüffend genau auf einer dreidimensionalen Grafik wie auf einem Navigationsgerät an. Es gilt nun, diese Pokémon-Figuren zu fangen, um sie zu sammeln oder zu tauschen. In „Pokémon Go“ gibt es momentan 151 verschiedene Figuren, das seltenste ist wohl „Mew“.

Zur Jagd muss sich der Spieler in der realen Welt bewegen und zu den Verstecken gehen. Ist er nahe genug, vibriert das Handy und schaltet auf die eingebaute Handykamera um. Es zeigt auf dem Display ein Livebild vor der Kamera mit einer eingeblendeten Pokémon-Figur, die man zum Einsammeln mit virtuellen Bällen abwerfen muss (das Rubbeln). Meist sind diese Verstecke oder „Stops“ an markanten Orten gespeichert. Sogenannte Wasser-Pokémons kann man beispielsweise eher an Gewässern fangen, Gestein-Pokémons an Parkhäusern. Julia Czerch aus Neugablonz meint dazu: „Ich lerne die Stadt sogar noch besser kennen. Dadurch, dass manche Stops an Denkmälern sind, muss ich zu denen hinlaufen und merke jetzt erst, was es in Kaufbeuren alles gibt“.

Entgegen vieler anderer Handyspiele muss man sich bei Pokémon Go in der Realität wirklich bewegen, und zwar zu Fuß. Das Spiel erkennt, wenn man mit dem Auto fährt und die zurückgelegten Kilometer werden nicht berechnet. Und es gibt sogar Erfahrungspunkte für zwei, fünf oder sogar zehn Kilometer in Bewegung. Das Spiel ist grundsätzlich kostenlos zu spielen, man kann durch Käufe im Spiel mit Geld seine Chancen verbessern, seltene Spielfiguren zu finden.

Wird man nun einsam durch dieses Spiel? Nein. Es entwickelt sich eine neue Form von Geselligkeit. Viele Spieler verabreden sich zum gemeinsamen Erkunden der Umgebung oder laufen feste Routen ab, wo sie bereits Interessantes gefangen haben. Stephanie Kaiser aus Kaufbeuren ist überrascht: „Da lernt man immer neue Leute kennen und ich treffe manchmal auch Freunde, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe.“

Sogar eine Facebook-Seite „Pokémon Go Kaufbeuren / Ostallgäu“ gibt es seit 11. Juli und sie hat schon über 130 Mitglieder. Man tauscht sich aus, gibt Tipps und verabredet sich für ein Treffen. In Deutschland gibt es auch schon organisierte „Pokémon-Märsche“ mit mehreren tausend Teilnehmern.

Wenn Sie also das nächste Mal Jugendliche am Parkhaus oder im Park zusammenstehen und eifrig mit dem Handy hantieren sehen, sind die wohl auf Pokémon-Jagd. Und Sie ja auch mal versuchen, eines zu fangen…

von Wolfgang Krusche

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