Polizist auf der Anklagebank

Nicht nur sein Ruf, sondern auch seine Karriere als Polizeibeamter stand am Dienstag für einen 35-jährigen Buchloer auf dem Spiel. Er wurde wegen exhibitionistischer Handlungen und versuchtem sexuellen Missbrauch von Kindern vor dem Kaufbeu-rer Amtsgericht angeklagt. Er selbst bestreitet seine Schuld vehement, ist aber derzeit wegen der Vorwürfe vom Dienst suspendiert.

Nicht zu seiner Glaubwürdigkeit trug der Umstand bei, dass der Beamte in der Vergangenheit bereits mehrmals wegen ähnlicher Vergehen aktenkundig wurde. Laut Richterin Yvonne Hondl war er bereits in Augsburg und Buchloe aufgegriffen worden, weil er sich in der Öffentlichkeit befriedigt hatte; damals gestand er die Taten ohne Umschweife. Im aktuellen Verfahren ging es darum, dass eine Zeugin im Juni vergangenen Jahres beim abenlichen Heimweg am Buchloer Ladehof einen Mann bemerkte, der die Hose geöffnet hatte und onanierte. Wenige Meter entfernt spielte ein kleines blondes Mädchen mit einem Hund. „Ich habe zuerst geglaubt, ich sehe nicht richtig“, so die 40-jährige Kinderpflegerin bei ihrer Aussage. Wegen des Kindes sei sie nicht weitergegangen, sondern habe den Mann angesprochen, der sich zwar abwandte, aber nichts desto trotz mit seiner Handlung fortfuhr. Erst als sie mit der Polizei gedroht habe, habe sich der Mann ganz gemächlich in Richtung Gleise entfernt. Das Kind habe ihrer Meinung nach nichts von den sexuellen Handlungen des Mannes bemerkt. Obwohl die Zeugin bei der polizeilichen Vernehmung im Anschluss an die Tat den Angeklagten aus acht Schwarzweiß-Portraits als möglichen Täter identifizierte, wollte sie sich nicht hundertprozentig festlegen. Andere Augenzeugen gab es nicht, das neunjährige Mädchen konnte ebenfalls keine weiteren Hinweise liefern. Der Angeklage selbst betonte vor der Richterin, er sei zur Tatzeit bei seiner Familie gewesen und später wie üblich zum Polizeidienst nach Dießen am Ammersee gefahren. Mit seinen früheren Neigungen zu sexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit habe er abge- schlossen und sogar eine entsprechende Therapie absolviert. Familienangehörige des Beschuldigten waren als Entlastungszeugen erschienen, wurden aber nicht aufgerufen – Staatsanwalt Dr. Zwenck sah mangels stichhaltiger Beweise keine Möglichkeit, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und plädierte auf Freispruch, äußerte aber während der Verhandlung wiederholt Zweifel an der Darstellung des Polizisten. „Dass jemand die Tat begangen hat, ist unbestreitbar, aber wir können sie dem Angeklagten nicht beweisen.“

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