Ausschuss vertagt Busbahnhof in die neue Legislaturperiode

"Handwerkliche Fehler"

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Allein das Verlagern des GSM Funkmastes würde die Stadt rund 300.000 Euro kosten. Bleibt er stehen wo er ist, muss durch ein zusätzliches Dach über der Busfahrbahn sichergestellt werden, dass zum Beispiel herunterfallende Eisbrocken niemanden verletzen.

Marktoberdorf – Fraktionsübergreifend ist man sich im Stadtrat einig, dass man einen Busbahnhof haben will – und das schon seit zehn Jahren. Trotzdem scheiterte bisher die konkrete Umsetzung, zuletzt in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses.

Der Grund, mit dem die beiden großen Fraktionen CSU und Freie Wähler das Projekt erneut in die Warteschleife geschickt haben, liege in der massiven Kostensteigerung von ursprünglich 1,75 auf nunmehr über vier Millionen Euro begründet, so die einhellige Meinung beider Fraktionen. SPD und Grüne konnten sich dagegen mit ihrem Argument, das Projekt würde sich allein durch die jährlichen Preissteigerungen um zehn Prozent weiter verteuern, nicht durchsetzen. 

Dabei sah zum Jahreswechsel 2010 auf 2011 alles so hoffnungsvoll aus. Mit großer Begeisterung hatte man sich im Rahmen eines Architektenwettbewerbs auf einen Entwurf der Münchner Architekten Pscherer Pool Boczek geeinigt. Kennzeichnendes Merkmal war dabei das Dach, das als Band ausgeführt, alles zusammenhält. An diesem Zusammenhalt mangelte es dem Stadtrat allerdings, spätestens seit dem das prämierte Papiermodell in die Realität gehievt werden soll. Handwerkliche Fehler seitens der Verwaltung habe es dabei zuhauf gegen, so Stadtrat Carl Singer (FW). Dabei führte er in erster Linie die Nichtverfügbarkeit von durch die Stadt erworbenen Flächen ins Feld, deren Bebaubarkeit Grundlage des Architektenentwurfes gewesen sei. 

In der Tat hatte die Deutsche Bahn Grundstücke an die Stadt verkauft, die sie jedoch nicht von Bahnbetriebszwecken freistellen will, obwohl diese nicht als Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eingetragen sind.

 Busbahnhof wird länger 

Langwierige Verhandlungen waren die Folge und führten schließlich zu einer Kompromisslösung, die am 23. Juli vergangenen Jahres durch die Architekten vorgestellt wurde. Der Mangel an verfügbarer Breite wurde, auf Kosten von Park- und Fahrradabstellplätzen, durch eine Verlängerung des Busbahnhofes kompensiert. Die voraussichtlichen Baukosten bezifferten die Archi- tekten bereits zu diesem Zeitpunkt auf rund vier Millionen Euro. Besonders glücklich über das geänderte Erscheinungsbild war keiner der Stadträte, so beklagte Peter Grotz (FW) damals, dass der Busbahnhof seine futuristische Gestalt verloren habe, er rege deshalb an, die Bahnhofstraße zurückzubauen, um wieder genügend Breite zu gewinnen. Obwohl Grüne und SPD für eine rasche Umsetzung plädierten, vertagte die Mehrheit der Stadträte die Entscheidung in den Oktober. 

Schlechter Kompromiss

Im Herbst 2013 wollte sich der Stadtrat wieder nicht zu einer Entscheidung durchringen – diesmal waren es die unzureichenden Unterlagen, auf deren Basis man keine Entscheidung treffen könne (FW), beziehungsweise der Umstand, dass man für eine schlechte Kompromisslösung keine 4,5 Millionen Euro ausgeben könne (CSU). Die recht schmalen Unterlagen, Carl Singer sprach von einer Viertel DIN A4 Seite, rechtfertigte die Verwaltung mit dem Hinweis auf die zusätzlichen Kosten, die für aussagefähige Planungsunterlagen entstanden wären. Nun ist das Projekt „ÖPNV-Knotenpunkt“ im Wahljahr 2014 angelangt und die Verwaltung wollte vom Stadtentwicklungsausschuss wissen, wie weiter vorgegangen werden solle. Nachdem in den zurückliegenden Jahren bereits rund eine Million Euro für Planung, Honorare und Grunderwerb ausgegeben worden sei, stelle sich nun die Frage, ob bei Festhalten an den bisherigen Forderungen an den Bahnhof, die Kompromisslösung weiter voranzutreiben, oder ob die Freistellung von Bahnbetriebs- zwecken ins Auge zu fassen sei. Letzteres allerdings verursache zusätzliche Ausgaben in Höhe von einer Million Euro für das Verlagern von bahneigenen Leitungen und das Umsetzen des GSM-Funkmastes. 

Mit Hinweis auf die nicht nachvollziehbaren Kosten (Singer) und die Preissteigerung von 1,75 auf mehr als vier Millionen Euro (Andreas Wachter CSU) lehnten es Freie Wähler und CSU weiterhin ab, grünes Licht für weitere Planungen zu geben. Die durch die CSU ins Feld geführte Summe von 1,75 Millionen Euro sei nur die Grundlage für die Ausschreibung des Architektenwettbewerbs gewesen, erklärte Stadt- baumeister Peter Münsch. Aber es half alles nichts, weder der Vorschlag von Bürgermeister Werner Himmer, die Kosten auf 3,6 Millionen zu deckeln, noch die Apelle von Gerhard Küster (Grüne) und Jutta Jandl (SPD) endlich zu gefassten Beschlüssen zu stehen, konnte die Mehrheit im Ausschuss umstimmen. Gegen drei Stimmen wurde die Verwaltung beauftragt, kostengünstigere Alternativen zu suchen und dem neuen Stadtrat im Mai dieses Jahres vorzulegen.

Von Klaus Bauer

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