"geSTADTung" macht Kaufbeuren bunter

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Durch eine Maske vor den Sprühdämpfen geschützt zieht "Dozey" sorgfältig eine Kontur nach.

Kaufbeuren – Das Wortspiel im Projektnamen „geSTADTung” ist Programm: Von der Stadt offiziell gestattete Gestaltung von Freiflächen durch Graffiti-Künstler. Vergangenen Samstag traten zum Projektstart vier Künstler am Eisstadion an, um im zeitweiligen Beisein von OB Stefan Bosse sowie Günther Pietsch und Antonia Konstanciak vom Kulturamt ganz legal die dort freigegebene Betonwand zu besprühen.

In seiner Sitzung Anfang Juli hatte der Kulturausschuss hierfür einstimmig ein Förderprogramm beschlossen mit dem Hauptziel, Sachbeschädigungen durch illegale Schmierereien einzuschränken (wir berichteten). „Offenbar respektieren Sprayer einander – kunstvoll besprühte Wände werden seltener verschmiert“, fasste Stadträtin Helga Ilgenfritz (SPD) die positiven Erfahrungen aus Kaufbeuren und anderen Städten erneut zusammen. 

Gleichzeitig will Kaufbeuren den Sprayern auch eine Plattform zum Üben und zur künstlerischen Entfaltung bieten. Damit wurde einem Antrag des Neukaufbeurers Lars Trautmann stattgegeben, der unter dem Künstlernamen „Einar” dieses Hobby schon seit über zwanzig Jahren betreibt. Vorerst sollen für eine Probephase von einem Jahr Graffiti-Künstlern drei ausgewählte Flächen zur freien Verfügung gestellt werden: an der Nord-Ost-Seite des Eisstadions, eine Betonwand am Bolzplatz (Promenadenweg Neugablonz) und das Toilettenhäuschen am Tänzelfestplatz. Weitere Flächen sind nach Ablauf der Probephase vorstellbar. 

Voraussetzung für die Sprüherlaubnis ist die Urban-Art-Card der Abteilung Kultur, die jeder ab 16 Jahren beantragen kann und nach der Unterzeichnung eines Regelwerks auch erhält. Die freigegebenen Flächen sind durch ein Schild sowie einen aufgemalten roten Begrenzungsrahmen kenntlich gemacht. Türen und Fenster dürfen nicht bemalt oder besprüht werden. Sprühzeit ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und auch tagsüber ist Lärmbelästigung zum Beispiel durch überlaute „Mucke” tunlichst zu vermeiden. Die leeren Sprühdosen sind nebst anderem entstandenen Müll fachgerecht zu entsorgen. 

Als Thema ist – großzügig ausgelegt – derzeit „Heimweh” vorgegeben und eine Extremismusklausel schließt Hetzparolen, Zoten und ähnliches aus. Weitere Grenzen sind dem Sprühspaß und der Kreativität nicht gesetzt. Ein Foto dokumentiert dann das fertige Werk und wird mit Angabe des gewünschten Bestandsschutzes – maximal sieben Tage – an die Kulturförderung geschickt. Alle bisherigen Werke sind in der Webgalerie www.kaufbeuren.de/geSTADTung zu sehen. Dort können sich interessierte Urban-Artists informieren, wo ein Bestandsschutz abläuft und wieder jemand aktiv werden darf. 

In der Szene sei es jedoch üblich, wie Dominik Ultes alias „Dozey” aus Sonthofen anmerkte, dass jeder ein Graffito übermalen dürfe, sofern er nur überzeugt sei, dass sein Werk „besser oder mindestens gleich gut” ausfallen würde. Ein Graffiti-Künstler, der etwas auf sich hält, signiert seine Werke übrigens auch, üblicherweise mit einem Künstlernamen. Oft ist sogar der Künstlername kalligraphisch verfremdet das eigentliche Werk. 

Für den Projektstart von „geSTADTung” haben sich die vier teilnehmenden Künstler über facebook gefunden. Um das Thema „Heimweh” in einer „Heimkehr des Schiffs von Odysseus” farbenfroh umzusetzen, haben sie im Team seit morgens um zehn Uhr gearbeitet. „Und vor Sonnenuntergang hören wir auch nicht auf”, meinte der mit 23 Jahren jüngste der vier und erzählte, dass er über den Kunstunterricht in seiner Kemptener Schule zum Sprühen gekommen sei. 

Zwischen 50 und 100 Sprühdosen, die im Schnitt um vier Euro kosten, können für so eine große Fläche verbraucht werden, dazu kommt mindestens ein Eimer normale Wandfarbe als Grundierung. „Jedes Hobby kostet Zeit und Geld”, sagt Lars Trautmann und grinst, „ob ich nun Tennis oder Golf spiele oder zum Segeln gehe oder eben sprühe. Uns macht das einfach Spaß und ich freue mich, dass ich jetzt auch in Kaufbeuren die Gelegenheit dazu habe”.

von Ingrid Zasche

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