Mehr Raum im Stadtmuseum

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Kaufbeuren – Als Reaktion auf Kritik nach der Anfang 2016 durchgeführten Ausstellung „In Memoriam“ beauftragte die Museumsleitung die Zeithistorikerin Johanna Wensch mit einem Gutachten. Das Ergebnis wurde nun von der Museumsleiterin Petra Weber in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport den Mitgliedern vorgestellt.

Kaufbeuren – Als Reaktion auf Kritik nach der Anfang 2016 durchgeführten Ausstellung „In Memoriam“ beauftragte die Museumsleitung die Zeithistorikerin Johanna Wensch mit einem Gutachten. Das Ergebnis wurde nun von der Museumsleiterin Petra Weber in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport den Mitgliedern vorgestellt.

Ein aktueller Blick in die Ausstellungsräume zeigt: Die eigentliche Ausstellungsabteilung ist ein 40 Quadratmeter großer Raum, der für die Präsentation von historischem Filmmaterial eher wie ein Kinosaal abgedunkelt ist, wodurch sich eine dunkle und bedrückende Atmosphäre einstellt. Seitlich berichtet eine erleuchtete Großvitrine mit wenigen Sammlungsstücken in sieben Abschnitten im Schnelldurchgang vom Kaiserreich bis zur Nachkriegszeit.

Hier setze die Kritik von Wensch an, sagte die Museumsleiterin, indem sie zum einen die räumliche Beengtheit und eine nicht mehr zeitgemäße dunkle Licht- und Farbgestaltung anspreche. Zum anderen würden deutliche Verbindungen zwischen den gezeigten Exponaten und Kaufbeurer Ereignissen oder Akteuren fehlen. „Ein gezeigter Volksempfänger ohne Bezug zu Kaufbeuren ist hier einfach zu wenig“, unterstützte Weber das Gutachten der Zeithistorikerin. Auch würden die Kurzfilme zu wenig Gewicht in der Abteilung einnehmen, aber auch teilweise inhaltliche Schwächen und Fehler aufweisen, so das Gutachten weiter. Einige für Kaufbeuren wichtige Themen wie sozialhygienisch-rassistisch motivierte Verfolgung, Luftwaffen- und Rüstungsstandort und NS-Akteure in Kaufbeuren würden fehlen oder seien unterrepräsentiert.

Die Leiterin des Stadtmuseums erläuterte im Weiteren drei Empfehlungen aus dem Gutachten: den geringsten Eingriff würde eine Beibehaltung der räumlichen Aufteilung bedeuten und nur kosmetische Korrekturen an den NS-Vitrinen mit neuen Exponaten vorsehen. Dies sei in drei bis sechs Monaten zu realisieren. Eine andere Überlegung sei, auf die Kurzfilme zu verzichten und dafür den freiwerdenden Raum für weitere Vitrinen mit zusätzlichen Themen zu nutzen. Dies ließe sich ebenfalls in einem ähnlichen Zeitraum von fünf bis sieben Monaten umsetzen.

Die dritte Empfehlung bringe die weitreichendsten Veränderungen, indem sie den kompletten Abbau und Neukonzeptionierung vorschlage. Es könne auf den Bereich Kaiserzeit und Erster Weltkrieg verzichtet werden und der detaillierteren Darstellung der NS-Zeit in Kaufbeuren mehr Raum gegeben werden. Dabei müsse das Stadtmuseum nicht nur weitere Quellen erschließen, sondern auch neue Themen in Angriff nehmen. Daneben sei auch empfohlen worden, Bürgerinnen und Bürger, sowie Zeitzeugen mit in die Neugestaltung einzubeziehen. Durch diese weiteren Recherchen könne mehr historisches Wissen gesichert und Nachhaltigkeit geschaffen werden. Zeitlich würde diese Umsetzung mindestens zwölf Monate in Anspruch nehmen.

Grundsätzlich nahm man im Ausschuss die Kritik und die Empfehlungen aus dem Gutachten positiv auf. So beauftragte man einstimmig die Verwaltung mit ersten Kostenermittlungen für die genannten Empfehlungen sowie Recherchen nach verwendbaren Fördermitteln. Weitere Entscheidungen sollen dann in der nächsten Sitzung im März 2017 beschlossen werden.

von Wolfgang Krusche

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