Kaum Anfragen bei der Bürgerversammlung in Bertoldshofen

Der Stadt sind die Hände gebunden

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Die Bürger in Bertoldshofen müssen sich derzeit in Geduld üben.

Marktoberdorf – Projekte wie der Bau raumbedeutsamer Windkraftanlagen oder die Ortsumgehung Bertoldshofen, die die Bertoldshofener Bürger bereits seit längerer Zeit beschäftigen, befinden sich derzeit in der Schwebe, da der Stadt die Hände gebunden sind. Entsprechend ruhig verlief daher auch die diesjährige Bürgerversammlung in Bertoldshofen.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, der als Rathauschef der Stadt Marktoberdorf auch für die Belange der sechs Ortsteile der Stadt zuständig ist, betonte, dass ihm auch die Belange der ehemals eigenständigen Gemeinden am Herzen lägen. „Auch unsere Ortsteile sind wichtig“. Vor allem der Stadtteil Bertoldshofen beschäftige die Stadtverwaltung „gerade die Hälfte unserer Arbeitszeit“, gab Hell mit einem Augenzwinkern zu verstehen. 

Vor allem in Bertoldshofen hätte man derzeit vor allem mit „Abwehrgefechten“ zu tun, um „bedenkliche Entwicklungen abzuwenden“. So unterstelle die Firma „modwind energiesysteme“ der Stadt bei der Suche nach möglichen Bebauungsflächen für Windkraftanlagen im Raum Marktoberdorf in einer Klage gegen die Zurückstellung des Suchraums 4 „Am Hart“ aufgrund eines immissionsschutzrechtlichen Vorbescheids „Verzögerungsstrategien“. Nun sollen einige der Suchräume, die damals aufgrund sogenannter „weicher Kriterien“ zurückgestellt worden sind, erneut überprüft werden. 

Ende August sei mit Ergebnissen aus den artenschutzrechtlichen Untersuchungen der Suchräume zu rechnen – „dann können wir weiter entscheiden“. Hell versicherte: „Wir tun, was wir können“; allerdings seien derzeit noch einige Unbekannte wie die Frage nach dem verfassungsrechtlichen Bestand der sogenannten „10H-Abstandsregelung“ im Spiel, die den Ausgang der Suche nach Räumen für raumbedeutsame Windkraftanlagen schlichtweg unvorhersehbar machen. 

Derzeit müssen sich daher auch die Bürger Bertoldshofens, in deren Gebiet sich ebenfalls potentielle Flächen für Windkraftanlagen befinden und die somit von einer Entscheidung unmittelbar betroffen wären, in Geduld üben – ebenso wie bei der Frage nach der Ortsumgehung für die Gemeinde. Auch hier befinde sich die Stadt derzeit im Austausch mit den Behörden; beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof wurde ein Antrag auf Wiederaufnahme des bislang ruhenden Verfahrens gestellt. 

Hell zeigte sich hier einsatzbereit für die Interessen der Bertoldshofener Bürger: „Wir müssen einfach immer wieder fragen und unruhig sein, sonst passiert einfach nichts“. Das Stadtoberhaupt signalisierte jedoch deutlich: Da es sich hier um Bundesstraßen handle, liege die Straßenbaulast beim Staat. Die Entscheidung über die Ortsumgehung Marktoberdorf-Bertoldshofen und den Ausbau der B472 östlich von Selbensberg liege daher „nicht in der Hand der Stadt“. 

Der Stadt sind daher derzeit in für die Gemeinde Bertoldshofen bedeutsamen Projekten die Hände gebunden. Entsprechend wenig Anfragen kamen daher bei der Bürgerversammlung in Bertoldshofen aus den Reihen der Bürger. 

Demzufolge warb Hell auch bei der Bürgerversammlung in Marktoberdorf für Verständnis für die Situation der Bertoldshofener Bürger sowie für die Einwendungen der Stadt gegen das Planfeststellungsverfahren beim Ausbau der B472. Hier bestehe an einigen Punkten Nachbesserungsbedarf, sei es bei der Realisierung der Umgehung, bei der Schulwegsicherheit oder beim Lärmschutz. „Man muss einfach verstehen, dass die Betroffenen dieses Interesse haben. Ich sehe mich als Vertreter sowohl der Stadt als auch der Ortsteile“, so der Bürgermeister.

von Sabrina Hartmann

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