Buchloes Einzelhandel zittert

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IKEA ist weiter auf Expansionskurs. Das schwedische Möbelhaus will möglicherweise in Memmingen nicht nur ein Möbelhaus sondern ein riesiges komplettes Einkaufscenter bauen. Buchloe befürchtet negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Stadt wie beispielsweise in der „Neuen Mitte“.

Buchloe – Alle waren dafür, dass man dagegen ist. Hört sich komisch an, ist es aber nicht. In der Sache diskutierte der Buchloer Stadtrat über ein von der Regierung von Schwaben eingeleitetes Raumordnungsverfahren zur Einrichtung eines IKEA-Marktes sowie verschiedener Fachmärkte als Einkaufszentrum. Gebaut werden soll es, wenn es nach dem Willen der Projektträger, in diesem Fall die IKEA-Verwaltungs-GmbH und die IKEA-Centres-Grundstücks GmbH, in Memmingen am Autobahnkreuz A96/A7. Bei derartigen Großprojekten werden auch weiter entfernte Kommunen in das Raumordnungsverfahren mit einbezogen. 

Die Stadt Buchloe befürchtet, dass durch ein derart riesiges Einkaufszentrum die Lage des Einzelhandels in Buchloe weiter negativ beeinflussen werde. Immerhin plant IKEA eine Gesamtverkaufsfläche in der Größenordnung von 25.500 Quadratmetern. Für die Fachmärkte kämen noch einmal rund 31.000 Quadratmeter hinzu. 

Für die Stadt Memmingen würde das Projekt bedeuten, dass sich die derzeitige Gesamtverkaufsfläche von 165.000 Quadratmeter auf 221.000 Quadratmeter erhöhen würde. Das sind rund 30 Prozent mehr. Zum Vergleich: Die Verkaufsflächen in der Stadt Buchloe betragen derzeit insgesamt rund 27.000 Quadratmeter, Tendenz eher abnehmend. Bürgermeister Josef Schweinberger hatte in der Vergangenheit schon des Öfteren auf die angespannte Lage im Buchloer Einzelhandel hingewiesen. 

In der Beschlussvorlage des Stadtrates wird betont, dass das geplante Einkaufszentrum lediglich zu einer Umsatzumverteilung führen würde. Buchloe stünde sicherlich nicht alleine da. Betroffen würden die zentralen Versorgungsbereiche, insbesondere die Innenstädte der umliegenden Städte und Gemeinden sein. Viele Kommunen hätten mit erheblichen kommunalen und staatlichen Mitteln die Innenstädte attraktiver gestaltet. Diese Attraktivität hänge aber ganz entscheidend von einem funktionierenden Einzelhandel ab, heißt es in der Vorlage. 

Welche Auswirkungen sind zu erwarten?

Aus Sicht der Stadt Buchloe sollte vor allem auf Fachmärkte mit zentrenrelevanten Sortimenten wie Schuhe, Bekleidung oder Bettwaren verzichtet werden. „Auch mit einer Beschränkung auf die Sortimente des sogenannten sonstigen Bedarfs könnte die Attraktivität des Oberzentrums Memmingen als Einzelhandelsort gesteigert werden“. 

Zwar sieht ein von IKEA in Auftrag gegebene Auswirkungsanalyse der „GMA“ (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung) die Folgen weniger einschneidend. In der Studie heißt es in Bezug auf IKEA selbst, dass sich die Stadt Buchloe am äußeren Rand des Kerneinzugsgebietes der Zone zwei befinde, also entlang der A96. Der bisher nächste IKEA-Standort sei Augsburg mit einer Entfernung von 56 Kilometern. Zu IKEA nach Memmingen wären es zukünftig von Buchloe aus 50 Kilometer. Daher geht die Studie davon aus, dass mit dem Neubau eine Splittung oder Verlagerung der IKEA-Kundschaft aus dem Buchloer Raum beim Möbelkauf stattfindet. 

In der Auswirkungsanalyse wird davon ausgegangen, dass bei den „zentrenrelevanten Sortimenten“ keine wesentlichen negativen städtebaulichen Auswirkungen auf die umliegenden Mittelzentren zu erwarten seien. Die Studie legt sich sogar auf Zahlen fest. Bei Bekleidung würde der Umverteilungsfaktor zwei Prozent betragen, bei Schuhen drei Prozent und bei Heimtextilien und Bettwaren fünf Prozent. 

Ein Raumordnungsverfahren, wie es die Regierung von Schwaben angeordnet hat, soll unter anderem klären, welche räumlichen Belange den Vorhaben entgegenstehen und mit welchen Maßgaben etwaige Bedenken und Einwendungen ausgeräumt werden können. Unabhängig davon muss natürlich die Bauleitplanung durch die Behörden durchgeführt werden, beispielsweise das Baugenehmigungsverfahren. 

Stadtrat sagt nein 

Mit eindeutiger Mehrheit sprachen sich die Stadträte gegen das geplante Einkaufszentrum aus. Im dem Beschluss heißt es wörtlich, „auch wenn laut den Antragsunterlagen zum Raumordnungsverfahren das Einkaufszentrum aus landesplanerischen Sicht zulässig sein sollte und wesentliche negative städtebaulichen Auswirkungen laut der Auswirkungsanalyse nicht zu befürchten sind, spricht sich die Stadt Buchloe gegen das geplante Einkaufszentrum aus“. Auf jeden Fall will Buchloe an den weiteren Verfahren beteiligt werden. Darüber mahnten die Stadträte an, den Flächenverbrauch im Auge zu behalten.

von Siegfried Spörer

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