Dicke Luft wegen Naturschutzgebiet

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Noch blicken die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und der Regierung von Schwaben recht optimistisch auf die ausgelegten Unterlagen zum geplanten Naturschutzgebiet „Filzmoos mit Korbsee und Dachssee“.

Bidingen-Bernbach – Die Pläne der Regierung von Schwaben, das Moorgebiet zwischen Korbsee und Dachssee als Naturschutzgebiet „Filzmoos mit Korbsee und Dachssee“ neu auszuweisen (wir berichteten), stoßen bei den betroffenen Bauern auf wenig Gegenliebe.

Dies wurde auf einer Informationsveranstaltung am Dienstag deutlich, zu der die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ostallgäu und die Regierung von Schwaben in die „Tiroler Stuben“ nach Bernbach eingeladen hatten. 

Im Versammlungsraum hatten die Verantwortlichen eine Schutzgebietskarte und einen Entwurf der vorgesehenen Naturschutzgebiets-Verordnung zur Einsichtnahme ausgelegt. Diese sorgte bereits vor Veranstaltungsbeginn bei vielen Besuchern für große Diskussion. Nicht ohne Grund, geht es auch um zum Teil einschneidende Maßnahmen für den einen oder anderen unmittelbar betroffenen Landwirt, dessen Grundstück bereits seit Jahrzehnten in diesem Gebiet landwirtschaftlich genutzt und auch gepflegt wird. 

Nach einleitenden Worten von Regierungsdirektor Alois Liegl und einem Kurzreferat von Richard Schöttner zu den Zielen und Aufgaben eines Klimaschutzprogramms ging anschließend Dr. Oliver Konopik, Experte der Regierung von Schwaben, auf das von seiner Behörde geplante Naturschutzgebiet näher ein. Er bezeichnete dabei die ausgedehnten Hochmoore und Streuwiesen zwischen Korbsee und Dachssee als „weitgehend intakte Moorkomplexe im Allgäuer Voralpenland“. 

Gleichzeitig würden diese Flächen im sogenannten „Filzmoos“ zu den floristisch bedeutendsten Mooren und den arten- und individuenreichsten Lebensräumen einer bedrohten Tierwelt zählen. Deshalb habe man dieses Moorgebiet gemäß dem Arten- und Biotopschutzprogramm für den Landkreis Ostallgäu wegen seiner hohen naturschutzfachlichen Wertigkeit als Naturschutzgebiet vorgeschlagen. 

Disput um Verordnung 

In Auszügen stellte Konopik auch die Verordnung über das geplante Naturschutzgebiet vor und erläuterte dabei den Aufbau einer Naturschutzgebiets-Verordnung. Dabei gebe es neben strikten Verboten auch Ausnahmeregelungen und gewisse Befreiungen. Diese festgelegten Verbote zum Schutzzweck der vorgesehenen Gebiete führten jedoch zu einer teilweise recht hitzigen Diskussion, da sich die betroffenen Landwirte keinesfalls mit den aufgezeigten Forderungen und Verboten einverstanden erklärten. 

„Wir haben schon in all den Jahren und Jahrzehnten zuvor durch unsere landwirtschaftliche Arbeit zum Naturschutz in dem vorgesehenen Gebiet beigetragen – und das nicht schlecht – sonst wären ja die vielen seltenen Pflanzen und Tiere heute gar nicht da“, so der Sprecher der hiesigen Ortsbauern. Daher stellte er die Frage: „Für was der ganze Aufwand und was bringt uns letztendlich so ein Naturschutzgebiet?“ Der Hinweis, Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schaffen und nachfolgenden Generationen zu erhalten, stieß jedenfalls auf wenig Resonanz. 

Suche nach verträglichen Lösungen 

Auch die Themen „Vorkaufsrecht und Ausgleich für entgangene Nutzung sowie Wertminderung“ sorgten für reichlich Zündstoff unter den Anwesenden. In diesem Zusammenhang fiel auch das Wort „Enteignung“ und es stellte sich die Frage, ob man in dieser Angelegenheit einen Bürgerentscheid durchführen solle, ob dies alles so von den Bürgern gewollt sei. Nach lebhafter Debatte und weiteren Wortmeldungen einigte man sich dahingehend, diese heiklen Themen nochmals zu überprüfen und auch an Ort und Stelle mit den Betroffenen die Sachlage zu prüfen. 

Außerdem wies Biologe Alois Liegl ausdrücklich darauf hin, dass augenblicklich nichts endgültig beschlossen sei. An diesem Abend vorgetragene Kritikpunkte würden nochmals überprüft und gegebenenfalls entsprechend abgeändert. Man wolle nach verträglichen Lösungen suchen. Außerdem würde der Entwurf der Naturschutzgebiets-Verordnung mit den in Aussicht genommen näheren Regelungen samt Schutzgebietskarte bis zum 11. Juli in den Amtsräumen der Stadt Marktoberdorf, der Gemeinde Bidingen und beim Landratsamt Ostallgäu zur allgemeinen Einsicht vorliegen. Während dieser Auslegungsfrist könnten etwaige Bedenken und Anregungen schriftlich bei den entsprechenden Gemeinden beziehungsweise bei der Regierung von Schwaben vorgebracht werden. 

Trotz dieser Lösungsvorschläge blieben die Anwesenden bei einem klaren „Nein“ zu dem geplanten rund 320 Hektar umfassenden Naturschutzgebiet. Es kam sogar der Vorschlag, notfalls eine Sammelklage einreichen zu wollen. 

Zum Abschluss der Veranstaltung erklärte ein beteiligter Landwirt unter dem Beifall der Anwesenden: „Akzeptieren Sie, die hiesige Bevölkerung ist nicht bereit da mitzumachen und geben Sie auf. Kein Einziger unter den Anwesenden hat sich positiv für Ihr Projekt ausgesprochen. Dabei hat niemand etwas gegen Naturschutz. Aber wie wir hier bevormundet werden ist zu viel. Es ist auch zu viel was hier abgeht an Vorschriften, Verboten und Verfügungen. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass die überwiegende Mehrheit entschieden gegen ein geplantes Naturschutzgebiet ,Filzmoos mit Korbsee und Dachssee‘ ist!“

von Klaus-Dieter Körber

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