2. Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) feiert seinen 70. Geburtstag

Viel bewirkt aus der zweiten Reihe

+
Entspannt blickt Gerhard Bucher heute auf 70 Jahre zurück.

Kaufbeuren – Ein Kaufbeurer Stadtrat ohne Gerhard Bucher: Das kann man sich aus heutiger Sicht kaum vorstellen. Seit 1984, also so lange wie kein anderer, sitzt der Kemnater für die CSU im Gremium, seit 1996 als 2. Bürgermeister. Am 1. Februar feiert er seinen 70. Geburtstag.

Ein Anlass, um zurück zu blicken, denn, so Bucher, „nach dieser Wahlperiode ist Schluss mit der Stadtratsarbeit“. Das heißt aber nicht, dass es ihm an Visionen mangelt. So manches Projekt würde ihm noch am Herzen liegen, zum Beispiel eine bessere Anbindung von der B16 zum Klinikum. 

Warum er sich damals für die Politik entschieden hat? „Ich wurde gefragt“, so Gerhard Bucher. Der 2. Bürgermeister hat sich am vergangenen Dienstag mit dem Kreisbote über Privates und Politisches unterhalten. Dabei wurde schnell klar: Obwohl – oder vielleicht gerade weil – Bucher die Stadt Kaufbeuren und vor allem den Ortsteil Kemnat kennt wie seine Westentasche, ist es für ihn nie langweilig geworden in den vergan- genen sieben Jahrzehnten. Dafür sorgen seine Frau Afra, vier Kinder, zehn Enkel, eine lange Liste an Vereinsaktivitäten und Ehrenämtern neben dem Bürgermeisteramt. 

Wobei er letzteres nie angestrebt hat: „Ich wollte eigentlich Lehrer werden“, so Bucher. Doch für den Jungen, kurz vor Kriegsende am 1. Februar 1945 als, wie man damals sagte, „lediges Kind“ in Baisweil geboren, war ein Leben als Landwirt geplant. Als Bucher drei Jahre alt ist, zieht er mit Mutter Johanna zu seinem Adoptivvater nach Kemnat. Noch heute lebt er auf dem Hof, wo er eine, wie er sagt, glückliche Kindheit verlebte. 

Mit dem Leben als Landwirt wollte er sich dort aber nicht zufrieden geben: Er arbeitet als „Tankwart, Möbelaufsteller, Handlanger und Milchwieger“, macht 1968 die Prüfung zum landwirtschaftlichen Leistungsprüfer, arbeitet sich mit sehr guten Noten bis in den gehobenen Dienst hoch. 2004 wird er Landwirtschaftlicher Amtsrat. 

Zum beruflichen Aufstieg kommt die Politik: 1978 kandidiert Gerhard Bucher zum ersten Mal für den Kaufbeurer Stadtrat – auf Listenplatz 32. Dass die CSU seine Partei ist, daran gab es für Bucher nie einen Zweifel. Höchstens mit den Grünen fühlt er sich noch verbunden, wegen seiner beruflichen Bindung an die Landwirtschaft und weil er auch privat die Natur liebt. 1984 klappt es dann mit Platz 16, ins Kaufbeurer Stadtratsgremium zu kommen. 1996 wird er 2. Bürgermeister und bleibt es bis heute.

„Auch in der zweiten Reihe kann man eine Menge bewirken“, so Bucher – leichter geworden sei das aber definitiv, seitdem mit Stefan Bosse 2004 ein CSU-Bürgermeister ins Rathaus kam. „Spaß gemacht hat es aber auch vorher“, sagt Bucher, der „keinen Sinn im Streit“ sieht – „außer auf sachlicher Ebene, da streite ich gern“. Er meint damit, „dass man gut miteinander auskommen muss, auch wenn die Meinung zu einem Thema unterschiedlich ist“ – etwas, das seiner Meinung nach derzeit im Stadtrat nicht immer gut gelingt. 

Wichtiger als die Arbeit im Stadtratsgremium sind dem 2. Bürgermeister aber nach eigener Aussage die „kleinen Anliegen“, also das, was die Bürger an ihn herantragen. Wenn ihm jemand ein Problem schildert, kommt er nach Möglichkeit erst einmal vorbei und schaut sich die Sache an. 

Wie Anfang der 1990er Jahre der Ausbau der Straße nach Kemnat mit Rad- und Fußweg. „Da gab es einen Plan, den keiner der Kemnater Bürger wollte“, so Bucher. Also wurde ein Alternativ-Plan dagegengesetzt – und verwirklicht. Ein Erfolg, an den Bucher sich noch gerne erinnert. 

Dass er trotz der langjährigen politischen Arbeit so entspannt ist, liegt vielleicht aber auch daran, dass die Politik immer nur ein Teil seines Engagements war. So war Bucher zwölf Jahre stellvertretender Kommandeur bei der Feuerwehr Kemnat, Gründer des Theatervereins Burgspiele, aktiver Fußballer beim SV Eggenthal mit 660 Spielen in der ersten Mannschaft, Gründungsmitglied beim Mundart-Kreis, Elternbeirat und, und, und… 2007 bekommt er in Augsburg das Bundesverdienstkreuz, außerdem ab 1984 weitere Ehrungen in den Bereichen Sport und Landwirtschaft. 2011 folgt die kommunale Verdienstmedaille in Silber.

 Seit einem Herzinfarkt 2004 lässt es Bucher aber ruhiger angehen. Und als echte Kraftquelle dient schon immer die Familie, auf die er stolzer ist als auf alle politischen Erfolge. Das bedeutet aber nicht, dass es ihm an Visionen für Kaufbeuren mangelt: eine bessere Anbindung vom Klinikum an die B16/Mindelheimer Straße entlang der jetzigen Stromtrasse zum Beispiel „wäre ein Traum“. 

Auch wenn Bucher zum Ende dieser Stadtratsperiode ans Aufhören denkt, vermissen wird er die Gremiumsarbeit nur zum Teil. Denn neben seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten gibt es noch den Familienrat, einmal im Jahr, kurz nach Weihnachten. Ohne Räte und Fraktionen, „aber mit Protokoll“, sagt Bucher und lacht. von Michaela Frisch

Meistgelesene Artikel

Bau der Fußgängerzone: Zuschlag erteilt

Kaufbeuren – Der Kaufbeurer Stadtrat hat in seiner letzten Sitzung über die Vergabe der Bauarbeiten für die Kaufbeurer Fußgängerzone entschieden. Den …
Bau der Fußgängerzone: Zuschlag erteilt

Rauchzeichen bei der Feuerwehr

Mauerstetten – Es war ein denkbar knappes Ergebnis bei der ersten Sitzung des neuen Jahres im Mauerstettener Gemeinderat. Mit sieben zu sechs Stimmen …
Rauchzeichen bei der Feuerwehr

Außergewöhnliche "Lesung 4.0" mit Essensdrucker

Kaufbeuren – Eine Buchpräsentation und Lesung mit ungewöhnlicher, multimedialer Zukunftsshow erwartet das Publikum am nächsten Dienstag, 24. Januar …
Außergewöhnliche "Lesung 4.0" mit Essensdrucker

Kommentare