"Ja Hallo erstmal...!"

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Auch Rüdiger Hoffmann liest den Kreisbote.

Rüdiger Hoffmann, Comedian und Sänger, gilt als Erfinder der Langsamkeit. Mit seinen Bühnenprogrammen sorgt er mit alltäglichen Situationen für Unterhaltung. Für den Disney-Film „Zoomania” lieh der Entertainer dem Faultier Flash seine Stimme. Kreisboten-Redakteurin Sandy Kolbuch traf Rüdiger Hoffmann in Berlin und sprach mit ihm über seine Arbeit. 

Wie oft werden Sie mir Ihrem Satz „Ja Hallo erstmal...“ angesprochen? 

Hoffmann: Oft, total oft. Wobei demnächst könnte ich mir vorstellen, dass dies in einer langsameren Sprache geschieht (lacht). 

Sie gelten als Erfinder der Langsamkeit…

Hoffmann: Ja, genau! 

War von vornherein klar, dass Sie irgendwann mal ein Faultier sprechen oder war die Anfrage von Disney eine große Überraschung? 

Hoffmann: Gerechnet hatte ich damit nicht. Aber es passte wirklich wie Arsch auf Eimer, wie man bei uns sagt. Disney hatte überlegt, wer das Faultier sprechen könnte und die Verantwortlichen in Deutschland haben sofort einstimmig gesagt, dass muss Rüdiger Hoffmann machen. Ich fand es sehr lustig und habe sofort zugesagt. 

Gibt es bereits Angebote für weitere Projekte? 

Hoffmann: Ich war vor zwei Wochen in München, wo der Film den Kinoverleihern vorgestellt wurde. Vor Ort war auch Andrew Millstein, der Präsident von Disney Animations aus Los Angeles. Nachdem er meine Performance gesehen hat, teilte er allen Anwesenden mit, dass ich in der Zukunft viele weitere Rollen bekommen würde. Das war eine sehr nette Ankündigung und ich bin gespannt, was sich ergibt. Ich hatte großen Spaß.

Das Repertoire an langsamen Tieren ist ja weit gefächert! 

Hoffmann: Heute wurde öfters davon gesprochen, ein Spin-Off mit Flash zu produzieren. Also ich wäre dabei!

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet? Haben Sie sich mit Faultieren befasst? 

Hoffmann: Um ehrlich zu sein, überhaupt nicht. Ich habe erst vor kurzem ein echtes Faultier in der Zeitung gesehen und war erstaunt, dass es wirklich aussah wie Flash. Das Besondere an ihm ist, dass er eigentlich gar nicht so langsam spricht, sondern nur lange Pausen zwischen den Wörtern lässt. Ich musste beim Sprechen sehr auf die Mimik achten, weil man hört, ob er beim Sprechen lächelt oder nicht. Der Regisseur hinter der Scheibe hat mit sehr geholfen, die Melodiebögen hinzukriegen. Denn daraus entsteht die Komik der Figur. 

Nach „7 Zwerge“ war dies Ihre zweite Synchronrolle. 

Hoffmann: Ich habe schon einmal in München für die Comicserie „Isnogud“ im Synchronstudio gestanden. Das war eine etwas längere Rolle. Für einen Kinofilm stand ich aber jetzt das erste Mal vor dem Mikro. 

Was nehmen Sie an Erfahrungen aus diesem Projekt mit? 

Hoffmann: Es hat Riesenspaß gemacht. Und alle Beteiligten vor Ort haben mir bescheinigt, dass ich auf einem professionellen Niveau synchronisieren kann. Innerhalb von zwei Stunden war ich fertig. 

Wie war die erste Reaktion, als die Anfrage von Disney kam? 

Hoffmann: Meine Managerin rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte ein Faultier zu sprechen. Ich fand die Idee super. Erst dachte ich, ich solle den Fuchs sprechen. Aber dann habe ich die Szene mit Flash gesehen und fand, dass es die beste im Film ist. 

Was zeichnet für Sie „Zoomania“ aus? 

Hoffmann: Die vielen einzelnen Welten und die Message, dass man alles erreichen kann, wenn man an sich glaubt. Auch die Botschaft, dass man sich durch Ängste nicht einschüchtern lassen sollte, die von anderen zur Manipulation geschaffen werden. Der Film passt gerade sehr gut in unsere Zeit. 

Wenn Sie ein Tier wären, welches wären Sie? 

Hoffmann: Ein Wolf, weil er ein Herdentier ist und dennoch frei. 

Sie sind mit Ihrem neuen Programm „Ich hab´s doch nur gut gemeint“ unterwegs. Worum geht es genau? 

Hoffmann: Es geht um Alltagsgeschichten, wie beispielsweise einen Campingurlaub mit meinen Bekannten, Monika und Hans-Peter. Es geht auch um die aktuelle Situation in Deutschland und die Selbstoptimierung. Dass dies immer nur auf Kosten anderer Menschen geht, spreche ich an. Ich mache das aber sehr charmant und witzig und verzichte auf den erhobenen Zeigefinger. 

Wie bereiten Sie Ihre Programme vor?

Hoffmann: Ich schreibe jede Woche eine Kolumne für meine Radiosendung beim SWR. Dadurch habe ich schon relativ viel Material zusammen. Und ich mache mir immer Notizen, wenn ich eine Idee für ein Programm habe. Mittlerweile nehme ich die Ideen auch mit dem iPhone auf. Wenn ich das Programm schreibe, schaue ich mir alle Notizen an. Jetzt bin ich gerade in der Phase des Auswendiglernens. 

Wenn Sie mit einem aktuellen Programm auf der Bühne stehen, arbeiten Sie parallel schon an dem nächsten? 

Hoffmann: Ein Programm spielt sich ein. Nach circa einem Jahr beginne ich damit, Ideen für ein neues Programm zu sammeln. Wenn ich dann schon ein paar neue Nummern habe, probiere ich diese im aktuellen Programm aus. Die Ideen, die nicht funktionieren, fliegen dann raus. 

Hat Ihr Umfeld „Angst“ als Punkt in Ihrem Programm zu enden? 

Hoffmann: Ja, das gibt es schon (lacht). Reale Komik ist auf der Bühne aber sehr schwer darzustellen. Lustige Geschichten kann ich daher eigentlich gar nicht wirklich verarbeiten. 

Haben Sie Pläne für die Zukunft? 

Hoffmann: Ich würde gerne eine kleine Fernsehshow machen, wo ich Kabarettisten und Comedians einlade. Man müsste nur einen Sender finden, der daran Interesse hat. Wenn ein Angebot für einen Kinofilm oder ähnliches kommen würde, hätte ich dazu auch Lust. Einen Psychopath im „Tatort“ könnte ich mir sehr gut vorstellen. 

Vielen Dank!

Das Interview führte Sandy Kolbuch

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