Besonderes Naturdenkmal

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Mit ihrer Höhe und markanten Gestalt ist die Sequoia schon von weitem zu erkennen.

Kaufbeuren – Im Waldgebiet südwestlich von Kaufbeuren, am „Sattlers Buckl“ oberhalb von Apfeltrang, befindet sich ein „Naturdenkmal der besonderen Art“, von dem viele gar nicht wissen, dass es existiert. Hier wächst eine Riesensequoia (sequoiadendron giganteum), auch unter dem Begriff „Mammutbaum“ bekannt. Die einzige weit und breit.

Dieser Baum stammt aus Nordamerika und wächst dort an den westlichen Hängen des Hochgebirges der Sierra Nevada in Kalifornien. Die Riesensequoias dort sind die letzten Überlebenden urzeitlicher Sumpfzypressenwälder, die vor hundert Millionen Jahren große Teile der Erde bedeckten. Sie zählen heute zu den ältesten Pflanzen auf unserem Planeten und gelten nach Masse und Umfang als die größten Lebewesen der Erde.

Kaum hatte man diese Bäume Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, ging man auch schon daran, sie zu fällen. Für die Erhaltung der teilweise mehr als 2000 Jahre alten Bäume setzte sich insbesondere der bedeutende amerikanische Naturforscher John Muir ein. Seinen Mitarbeitern gelang es, 1864 vom damaligen amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln eine „Präsidenten-Deklaration“ zu erhalten, mit der die Sequoiabestände im heutigen Yosemite National Park vor dem Abholzen bewahrt wurden. Die größten Ansammlungen von Sequoias in Kalifornien findet man heute noch im Sequoia und Kings Canyon Nationalpark. Sie wachsen dort in Höhen zwischen 1.200 und 2.500 Metern, werden 80 – 100 Meter hoch, erreichen einen Basisdurchmesser des Stammes von durchschnittlich 7 – 8 Metern, haben eine Rinde, die 50 bis 60 cm dick ist und werden uralt. Die älteste Riesensequoia, die man gefunden hat, war 3.200 Jahre alt – sie war also schon zu Zeiten von Christi Geburt ein Baummethusalem.

Wie kommt nun ein solch besonderer Urweltbaum ins Allgäu?

Eine Infotafel beim Baum am Sattlers Buckl gibt Auskunft: Um 1880 hat ein Bürger von Apfeltrang einen Sequoia-Setzling von einer Reise nach Kalifornien mitgebracht und an einem Waldrand eingepflanzt. Entgegen allen Erwartungen ist dieser nicht nur angewachsen, er scheint sich auch im Allgäuer Klima wohl zu fühlen. Der Baum ist inzwischen so hoch gewachsen, dass er die umstehenden Fichten deutlich überragt und schon von weitem auffällt. Legt man als Pflanzzeit 1880 zugrunde, steht er seit mindestens 135 Jahren dort. Das ist insofern bemerkenswert und einmalig, da Pflanzversuche in anderen Teilen Europas in Parkanlagen meist fehl geschlagen sind, da eine Seqoia sehr schlecht verpflanzbar ist. Bäume, bei denen es doch geklappt hat, sind heute erst 60 bis 80 Jahre alt.

Wie und wo ist diese Sequoia zu finden?

Sie steht oberhalb von Apfeltrang am „Schwäbisch-Allgäuer Wanderweg“ an einem Wiesenwaldrand, circa 100 Meter vom Weg entfernt, von wo man bei schönem Wetter eine herrliche Fernsicht zur Alpenkette hat. Zu erreichen ist der Baum über einen Trampelpfad an einer Hecke am Wiesenrand entlang. Am Beginn des Pfads steht ein Hinweisschild.

Ein Wanderausflug durch die bunte Herbstlandschaft bietet sich für einen Besuch des Baumes an: Über den genannten Wanderweg (markiert mit X in blauer Farbe) beträgt die Entfernung vom Parkplatz Eichwald/Brandeln an der alten B12 oberhalb von Oberbeuren 3,5 Kilometer in südlicher Richtung; vom Parkplatz an der Wenglinger Steige oberhalb von Apfeltrang knapp 2,5 Kilometer nach Norden. Von Apfeltrang direkt sind es zwar nur 1,5 Kilometer über den Feldweg „Hektersteige“, der im Ort von der Hauptstraße abzweigt, aber in der zweiten Hälfte eine ziemliche Steigung aufweist.

von Gerhard Bromberger

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