Ein ruppiger Führungsstil

Dass es bei der Bundeswehr im Ton öfter mal etwas rauer zugeht, weiß jeder, der seinen Grundwehrdienst abgeleistet hat. Dass man sich von seinem Vorgesetzten aber auch dort nicht alles gefallen lassen muss, zeigte vergangene Woche ein Urteil des Kaufbeurer Amtsgerichts. So wurde ein 43-jähriger Oberleutnant, wohnhaft in Sonthofen, von Richterin Dr. Claudia Mainzer zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt, weil er in Füssen und einem Einsatzort im Kosovo wiederholt untergebene Truppenmitglieder beleidigt und bloßgestellt hatte.

Die Anklage lautete auf „entwürdigende Behandlung in vier Fällen“. Beispielsweise hatte der Beschuldigte einem Soldaten vor der ganzen Truppe gesagt, er habe „noch nie einen so dummen Feldwebel gesehen“ und einen anderen als „Idiot“ bezeichnet. Von einer Soldatin, die mit ihm nahe Prizren (Kosovo) stationiert war, wurde ihm zur Last gelegt, er habe sie mit beleidigendem Vokabular auf eine angebliche sexuelle Beziehung zu einem anderen Truppenmitglied angesprochen. Später habe er vor anderen Untergebenen zweideutige Sprüche über die Betroffene gemacht („Ich hol’ mir jetzt mal „Sex in the city!“). Der Angeklagte selbst erklärte während der Verhandlung, er habe die Vorfälle selbst als nicht so schlimm in Erinnerung, stritt sie aber nicht gänzlich ab: „Ich habe halt einen direkten, manchmal etwas ruppigen Führungsstil“. Als er von den Vorwürfen erfahren habe, sei für ihn „eine Welt zusammengebrochen“. Er habe als Vorgesetzter stets „alles richtig machen“ wollen. Staatsanwalt Uwe Erlbeck sah es jedoch als erwiesen an, dass es sich bei den angesprochenen Sachverhalten nur „um eine Auswahl aus einer Vielzahl an blumigen Äußerungen von Seiten des Angeklagten“ handle; im Zuge der Vernehmungen hätten diverse Aussagen von Kollegen und Untergebenen darauf hingewiesen. Auch stellte Staatsanwalt Erlbeck fest: „Es muss sich niemand vor versammelter Mannschaft als dumm bezeichnen lassen“. Neben dem zivilrechtlichen Verfahren vor dem Kaufbeurer Amtsgericht ist der Oberleutnant auch vor disziplinarischen Maßnahmen innerhalb der Bundeswehr nicht gefeit: er habe wegen der „Sache“ bereits auf leistungsbezogene Gelder sowie eine Beförderung verzichten müssen, gab er zu Protokoll. Auch die Kosten der Verhandlung gehen nun zu seinen Lasten.

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