Forettle-Center: Aktueller Stand sorgt für unterschiedliche Reaktionen bei den Parteien

Falls der Ankermieter fehlt…

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Was, wenn es keinen Ankermieter für das FMZ gibt?

Kaufbeuren – Es ist April, aber der für diesen Monat angekündigte Bauantrag des Investors fürs Forettle-Center lässt auf sich warten (wir berichteten). Grund ist laut Projektleiter Dr. Jochen Ehlers die „Dauer der Detailplanungen“ vor dem Bauantrag.

Dass aber gleichzeitig immer noch kein sogenannter „Ankermieter“ aus dem Bereich Elektronik gefunden ist, sorgt bei einigen Stadträten für Besorgnis, was die Zukunft des Areals angeht. „Wir stehen voll hinter dem Projekt und wollen es umsetzen“, sagt Dr. Jochen Ehlers als Sprecher des Investors, bestätigte aber, dass man derzeit noch keinen Mieter aus dem Elektronikbereich habe. 

Bei der Stadt wartet man nun mit Spannung, ob der Bauantrag, der bis Mitte Juli vorliegen muss, tatsächlich das enthält, was die Stadt sich auf dem Areal erhofft (siehe auch Artikel unter www.kreisbote.de/kaufbeuren, „Es geht auch ohne Elektromarkt“). 

„Wir wollen eine Entwicklung im Forettle, aber nicht um jeden Preis“, sagt dazu OB Stefan Bosse. „Wenn die Maßgaben des Durchführungsvertrages im Bebauungsplan nicht eingehalten werden, erteilen wir keine Genehmigung“, so der OB am Freitag gegenüber dem Kreisbote. Nicht umsonst gebe es „klare Leitplanken“ im Durchführungsvertrag. Wenn der Investor es nicht schaffe, diese umzusetzen, müsse „wieder neu überlegt und entschieden“ werden. 

Dazu gehöre dann wieder eine neue Prüfung der Verträglichkeit, Anhörungen, neue Gutachten für die geänderten Sortimente und Weiteres. „Wir wollen eine Entwicklung im Forettle, aber nicht um jeden Preis“, so Bosse. Er will die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass das Projekt noch wie ursprünglich geplant umgesetzt werden kann. 

„Wenn die Vorgaben im Durchführungsvertrag eingehalten werden, haben wir keinen Grund, den Antrag abzulehnen. Ich sehe seit Jahren ein ehrliches Bemühen beim Investor, hier etwas zu entwickeln. Der Investor wird sicher nicht sehenden Auges in einen Leerstand gehen oder das Risiko eingehen, ein Fachmarktzentrum zu bauen, das er nicht füllen kann.“ Sollte es tatsächlich nicht gelingen, einen Elektronikmarkt als Mieter zu finden, wäre dies „natürlich eine Enttäuschung“, so Bosse. 

Das sagen die Fraktionsvorsitzenden 

Dr. Thomas Jahn (CSU): „Ich denke, wir sollten nun den Bauantrag und dessen genauen Inhalt abwarten und dann gemäß den Richtlinien entscheiden. Wenn der Investor den Durchführungsvertrag wie auch immer einhalten kann, gibt es keinen Grund, den Bauantrag abzulehnen, Veränderungen sind während eines solchen Projekts immer möglich. 

Auch wenn bis zum Bauantrag kein fester Mieter aus dem Elektronikbereich vorliegt, ist es kein Grund für eine Ablehnung. Immerhin geht es beim Bauantrag nur um die geplanten Flächen, der Investor hat im Zweifelsfall noch während der gesamten Bauphase Zeit, einen entsprechenden Mieter zu finden. Es ist nicht Sache der Politik, hier jetzt einzugreifen. Natürlich wünsche aber auch ich mir, dass ein interessanter Ankermieter kommt.“ 

Ernst Holy (KI): „Für uns ist ein Elektronikanbieter weiterhin das Aushängeschild des Fachmarktzentrums. Um bindende Vorgaben zu machen, haben wir unseren Durchführungsvertrag entsprechend gestaltet. Sollten die Sortimentsflächen im Bauantrag nicht zufriedenstellend sein, denke ich, werden die Karten wieder völlig neu gemischt. 

Mir würde aber eine Entwicklung schon gefallen, ich bin weiter davon überzeugt dass das Projekt ein gutes Aushängeschild für Kaufbeuren wäre, auch als Signal an weitere Investoren für Kaufbeuren. Der Investor ist meiner Meinung nach ein Profi und vermittelt derzeit nach außen, dass noch ein passender Mieter gefunden wird. Wir sollten also den Bauantrag abwarten. Dass der Investor baut, ohne Aussicht auf einen solchen Mieter zu haben, glaube ich nicht.“ 

Catrin Riedl (SPD): „Ich beobachte die Entwicklungen am Forettle mit großer Sorge. Jetzt sieht es doch so aus, als ob etwas anderes kommt als immer versprochen worden ist. Denn ich gehe nicht davon aus, dass sich hinsichtlich der andauernden Suche nach einem Ankermieter im Bereich Elektronik bis Juli noch etwas ändert. 

Sollte das Forettle-Center trotzdem gebaut werden, gibt es entweder einen Leerstand, oder es werden doch kleinere Ladenflächen realisiert – genau das, was man vermeiden wollte. Es wäre tragisch, wenn am Ende doch eine kleinteilige Lösung ,durch die Hintertür’ präsentiert würde und wir ein Forettle an die Backe bekommen, das nicht anderes bietet als das, was es in der Altstadt schon gibt.“ 

Angelika Zajicek (FDP): „Ich habe den Eindruck, dass angesichts der aktuellen Situation versucht wird, die Rahmenbedingungen für das Forettle-Enter aufzuweichen. Damit bewahrheiten sich aus meiner Sicht die Bedenken, die die FDP gegenüber dem Projekt hatte. Von der Grundidee, die dem Forettle-Center einst zugrunde lag, als auch die FDP noch dafür gestimmt hatte, kommt man immer mehr weg. 

Die Stadt muss bei ihrer Linie bleiben, was die Sortimentsflächen und anderen Vorgaben betrifft. Ein großer Elektronikan- bieter war das Aushängeschild des Fachmarktzentrums und der versprochene Anziehungspunkt für Kunden von Außerhalb. Wenn der nicht kommt, braucht man gar nicht zu bauen, dann ist das Projekt aus unserer Sicht gestorben. Dann sollte die Stadt den Bauantrag ablehnen. Allerdings hat der Investor dazu noch bis Juli Zeit.“ 

Ulrike Seifert und Oliver Schill (Grüne): „Ein Magnet, ein Anker – das sollte das geplante Einkaufszentrum im Forettle werden, angetreten mit diesem Versprechen war der Berliner Investor Aldinger. Ein Elektrofachmarkt mit Strahlkraft, das war ursprünglich die Bedingung, zu der die Mehrheitsfraktionen CSU und KI bereit waren, die Kröte eines überflüssigen weiteren Lebensmittelmarkts zu schlucken. 

Nun sind wir schon so weit, dass sogar darüber spekuliert wird, eine leere Vorhaltefläche im Einkaufszentrum zu bauen. Das gäbe den gebauten Treppenwitz in der Kaufbeurer Stadtgeschichte. Ist dieses Einkaufszentrum erst einmal gebaut, dann wird es nicht lange dauern und der Investor wird mit der Bitte vor der Tür stehen, man möge doch nun andere Sortimente und kleinere Flächen zulassen. Denn ein Leerstand, das könne doch auch nicht im Interesse der Stadt sein. Dann haben wir eben mehr Schaden als Nutzen. Mit diesem Eiertanz werden gleichzeitig Investitionen in Kaufbeuren verhindert. 

Es stellt sich mir immer mehr die Frage: Wer ist denn hier, nicht rechtlich, sondern tatsächlich der Herr des Verfahrens? Insgesamt habe ich das Gefühl, wir lassen uns vorführen, wie ein Ochs‘ am Nasenring.“ 

Bernhard Pohl (FW): „Dass bislang immer noch kein Elektronikmarkt gefunden ist, weckt die Befürchtung, dass das Forettle kommt, aber mit noch weniger ,Inhalt’, als noch beim Bürgerentscheid versprochen. Mit einem großen Elektronikanbieter als Anziehungspunkt hätten wir uns das Fachmarktzentrum noch vorstellen können. So wie es jetzt aussieht, könnte es ein Desaster werden.

 Das Einfachste wäre aus meiner Sicht gewesen, wenn der Stadtrat, statt im Dezember faktisch Baurecht zu schaffen, noch gewartet hätte, bis ein Elektronik-anbieter als Mieter festgestanden hätte. Wir haben einen Bebauungsplan beschlossen, ohne die genauen Voraussetzungen zu kennen. Dies erschwert nun die rechtlichen Möglichkeiten zur Einflussnahme. Es bleibt übrigens abzuwarten, wie sich die Normenkontrollklage entwickelt, die ein Anwohner gegen das Projekt angestrengt hat.”

von Michaela Frisch

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