Der Bärensee ist geschrumpft

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Alte Strukturen: Durch den am Schilf sichtbaren Wasserniedrigstand treten die Wurzeln der einstigen Auwaldbäume hervor.

Kaufbeuren – „Des einen Freud, des anderen Leid.“ So könnte man die derzeitige Situation von Wertach, Mühlbach und Bärensee bezüglich der jeweiligen Wasserstände beschreiben. Schuld daran sind laufende Sanierungsarbeiten.

Während die Wertach bereits durch die größere Wassermenge des abgesenkten Mühlbachs profitiert, verstärkt sich dieser Effekt nun noch durch die Absenkung des Bärensees für maximal zwei Wochen aufgrund von Sanierungsarbeiten am Biessenhofener Kraftwerk. Dadurch treten neben der starken Verkrautung des Gewässers auch wieder alte Strukturen zutage.

Spaziergänger im Naherholungsgebiet rund um den Bärensee dürften es schon registriert haben: Die Uferzonen sind breiter geworden, große Krautflächen und Verlandungen sind ebenso sichtbar wie einstige Geländeformationen bis hin zu ehemaligen Baumbeständen. Grund dafür ist die Absenkung des Wasserspiegels durch das südlich von Hirschzell betriebene Wasserkraftwerk der Vereinigten Wertach Elektrizitätswerke (VWEW). Wie Josef Greiter vom Energieunternehmen mitteilte, wurde die Maßnahme notwendig, damit nach dem kürzlich aufgetretenen Hochwasser der Baudamm im Turbinenauslauf des rund 800 Meter südlich gelegenen Biessenhofener Kraftwerks wieder hergestellt und abgedichtet werden kann. Dies geschieht mittels sogenannter „Big Bags“ – flexibler Schüttgutbehälter aus einem stabilen Kunststoffgewebe mit bis 1300 Liter Fassungsvermögen – durch eine Spezialfirma in knapp zwei Wochen, welche auch die Baustelle zu Beginn eingerichtet hatte. Erst dann kann das Wasser abgepumpt und der erforderliche trockene Arbeitsbereich für die Sanierung geschaffen werden. Die 2013 gebaute Fisch­treppe ist von den Baumaßnahmen nicht betroffen und hat ihre volle Funktion.

Betonsanierungen

„An dem 1962 in Betrieb genommenen Wasserkraftwerk in Biessenhofen sind umfangreiche Betonsanierungen an den Turbinenausläufen, Wehranlagen und im Turbineneinlauf auf der Seeseite erforderlich geworden“, erläutert Greiter. Die im Mai begonnenen Arbeiten sollen nach seinen Worten in mehreren Stufen auf beiden Seiten der Staumauer ablaufen und bis Herbst 2017 abgeschlossen sein. Dabei wird unter anderem mit Hochdruck-Wasserstrahlen bis etwa 30 Zentimeter Beton entfernt und im weiteren Verlauf 600 Tonnen Wasserbausteine, 65 Tonnen Bewährungsstahl, 300 Kubikmeter Ortbeton und 2.000 Quadratmeter Spritzbeton verbaut. Die Baukosten betragen etwa 1,3 Millionen Euro.

Die Wertach ist für kurze Zeit der Gewinner aller Baumaßnahmen. Dies ist ihr wahrlich zu gönnen, denn in sommerlichen Zeiten ist der fast ausgetrocknete Flusslauf sonst leicht trockenen Fußes zu überqueren. Dieser Umstand bereitet allerdings den im Wasser lebenden Fischen und bodennahen Organismen Probleme. Sie leiden extrem unter dem Wassermangel.

von Wolfgang Becker

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