Scheibel-Areal als Alternative zum Forettle? – Stadt weist Kritik zurück

"Standorte sind gleich zu behandeln"

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Vorhandene Infrastruktur: Gemäß Stellungnahme BBE stellt der geplante Fachmarkt im Scheibel-Areal kein Risiko für den bestehenden Einzelhandel in der Innenstadt dar.

Kaufbeuren – "Mangelndes Interesse" an seinen Plänen für wirft der Kaufbeurer Unternehmer Josef Scheibel der Stadt vor. Unklar ist zudem, warum die Stadt die Entwicklungspläne auf dem Scheibel-Areal nicht – wie beim geplanten FMZ Forettle – als "potenziellen innerstädtischen Ergänzungsbereich" einstuft, trotz einer vorliegenden Begutachtung durch die "BBE Handelsberatung GmbH".

„Das Forettle und das Scheibel-Areal sind in die gleiche Hierarchiestufe einzuordnen.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine Bewertung der „BBE Handelsberatung GmbH“ (BBE) mit Dr. Angelus Bernreuther als Leiter Standortforschung. Grundlage für eigene Untersuchungen bildete das bestehende Einzelhandelsent- wicklungskonzept (EHK) der Stadt Kaufbeuren von Dr. Heider. Die von Unternehmer Josef Scheibel in Auftrag gegebene Analyse mündete in einer „Stellungnahme zu aktuellen Planvorhaben hinsichtlich einer möglichen Erweiterung und Stärkung der Innenstadt von Kaufbeuren“. 

Bei einem Treffen Anfang Mai mit OB Stefan Bosse und weiteren Verwaltungsspitzen zeigten diese laut Scheibel an der Präsentation „kein großes Interesse“. Die Stadtverwaltung Kaufbeuren weist ihrerseits die Kritik zurück. Das Anfang Mai stattgefundene Gespräch mit der Stadt war auf Bitte Scheibels zustande gekommen. Zusammen mit Dr. Bernreuther wollte er das von BBE verfasste 18-seitige Papier präsentieren und erläutern. Doch nach den Worten des Unternehmers hätten Stadtspitze und Verwaltung „kein großes Interesse“ an der Präsentation der deutschlandweit agierenden Unternehmensberatung für den Handel gezeigt. Daher habe Dr. Bernreuther empfohlen, die Stellungnahme zeitgleich an alle Entscheidungsträger zu versenden. 

Im 2012/13 aktualisierten Einzelhandelsentwicklungskonzeptes (EHK) für Kaufbeuren wird das Forettle aufgrund seiner Lage zur Innenstadt als „potenzieller innerstädtischer Ergänzungsbereich“ ausgewiesen, in dem grundsätzlich alle zentrenrelevanten Sortimente vorstellbar sind. Das Scheibel-Areal wird lediglich als „potenzieller Nahversorger“ eingestuft, obwohl es laut BBE ebenfalls an den zentralen Versorgungsbereich Innenstadt anschließt. Über das Lebensmittelangebot hinaus sind dem EHK zufolge für Nahversorger keine zentrenrelevanten Sortimente zulässig. Laut Stellung- nahme BBE habe dies für das Scheibel-Areal zur Folge, dass es gegenüber dem Forettle „generell nicht konkurrenzfähig ist“. Betrachte man jedoch die Standortqualitäten der beiden Areale hinsichtlich ihrer Lage und Erschließung zur Innenstadt, sei es nicht nachvollziehbar, wieso das Scheibel Areal nicht ebenfalls als „potenzieller innerstädtischer Ergänzungsbereich“ in die gleiche Hierarchiestufe wie das Forettle eingeordnet werde, so das Gutachten. 

BBE hält es für unwahrscheinlich, dass es aufgrund der großen Sortimentsüberschneidung zu einer Umsetzung der Planung an beiden Standorten kommt. Da bis 2017 laut EHK kein zusätzliches Verkaufsflächenpotenzial für den Bereich Lebensmittel besteht, erscheint BBE die Verkaufsfläche mit 3.200 Quadratmetern eines zusätzlichen Lebensmittelvollsortimenters im Forettle über- dimensioniert. Beim Betreiber des Lebensmittelvollsortimenters am Scheibel-Areal (Feneberg) handele es sich lediglich um eine Verlagerung mit einer Vergrößerung um rund 500 Quadratmetern. Damit werde weitestgehend der Tatsache Rechnung getragen, dass kein zusätzliches Verkaufsflächenpotenzial für Nahrungs- und Genussmittel vorhanden ist, so der Gutachter. 

Gültige Planung 

Scheibel hatte bereits 2012 bei der „BBE Handelsberatung GmbH“ eine Voranalyse erstellen lassen. In dem Konzept ging es über die weitere Nutzung des Areals an der Mindelheimer Straße in Kaufbeuren (ehemals „toom“). Auf dieser Basis war im Juli 2012 dem Antrag auf Änderung des bis dahin bestehenden Nutzungskonzeptes durch den Stadtrat einstimmig zugestimmt worden. Die noch immer aktuelle Planung sieht auf ingesamt knapp 4.000 Quadratmetern Verkaufsfläche neben dem Lebensmittelmarkt einen Drogeriemarkt (dm) und einen Zoofachmarkt vor. 

Stadt weist Kritik zurück 

Die Stadtverwaltung Kaufbeuren weist die Kritik der BBE Handelsberatung GmbH und des Unternehmers Scheibel auf Anfrage des Kreisboten zurück. Entgegen einer aktuellen Darstell- ung habe sich die Stadtverwaltung Kaufbeuren „intensiv mit den Projektunterlagen für ein Sondergebiet an der Mindelheimer Straße beschäftigt“. 

Auf die Ausweisung von Sondergebieten für großflächigen Einzelhandel gebe es jedoch keinen Rechtsanspruch. Es obliege einzig dem Kaufbeurer Stadtrat erarbeitete Nutzungskonzepte abzuwägen und letztlich über die Schaffung entsprechenden Baurechts zu entscheiden. „Der Stadtrat prüft dabei auch alle vorliegenden Gutachten, die in Teilen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen“, heißt es in der Stellungnahme. Der letzte gültige Stadtratsbeschluss zum Areal Mindelheimer Straße sei demnach vom 24. Juli 2012 und beinhalte die später dargestellten Nutzungen. Bereits zum Zeitpunkt der damaligen Beschlussfassung sei sowohl seitens Dr. Heider, der von der Stadt Kaufbeuren als Einzelhandelsgutachter beauftragt ist, als auch der Verwaltung der Auffassung der BBE Handelsberatung bezüglich der Einschätzung widersprochen worden, „das es sich um einen potenziellen innerstädtischen Ergänzungsbereich handelt“. 

In der aktuellen Fassung des Einzelhandelskonzeptes Dr. Heider sei der Standort als „potenzieller Nahversorgungsstandort beschrieben, in dem neben Nahversorgungsangeboten weitere zentrenrelevante Sortimente nur bei Nichtrealisierbarkeit im zentralen Versorgungsbereich zulässig sein sollen, wenn diese die Innenstadt stärken und bestandsverträglich sind. Insofern entsprechen diese Vorgaben denen für das Areal Forettle“. 

Wie die Stadt weiter mitteilte, sei am 15. April 2013 durch Scheibel folgendes Verkaufsflächensortiment beantragt worden: Lebensmittel (1.000m²), Drogerie (800m²) und Unterhaltungselektronik (2.100m²). „Eine Beschlussfassung über diesen Antrag kam bis heute in Abstimmung mit dem Antragsteller nicht zustande, da die Vorgabe des Stadtrates berück- sichtigt werden sollte, die jeweiligen Sortimente für die Standorte Forettle und Mindelheimer Straße aufeinander abzustimmen“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. von Wolfgang Becker/kb

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