Regelkunde für die Platzreife

Golfplatz wird zum Klassenzimmer

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Maik erreicht im „langen Spiel“ nach kurzer Zeit schon Weiten von 75 Metern.

Germaringen/Rieden – Mit dem Projekt „Abschlag Schule“ fördert der Deutsche Golf Verband DGV Golf als Schulsport. 17 Schüler und zwei Lehrer der Mittelschule aus Germaringen lernen in diesem Schuljahr in einer Arbeitsgemeinschaft Golf spielen. Das soll auch das Sozialverhalten über verschiedene Altersklassen hinweg stärken.

Thomas Fochler, Sportbeauftragter der Mittelschule in Germaringen und selbst Klassenlehrer einer siebten Klasse, wollte seinen Schülern etwas anderes anbieten: „Nicht nur Mathematik, Deutsch und Englisch“. Bei einem Treffen der Sportbeauftragten im Ostallgäu im vergangenen Jahr wurde vom Deutschen Golf Verband das Projekt vorgestellt. „Da habe ich gleich zugegriffen.“ Die Arbeitsgemeinschaft Golf für Schüler der fünften bis zehnten Klasse bietet jede Woche zwei Schulstunden Golfunterricht. Der Golfclub als Partner für das Projekt war in Rieden schnell gefunden. Die Schüler können nun den Platz für den Unterricht nutzen, der Golfverband übernimmt die Kosten für die Trainer. So hat sich nun eine Arbeitsgemeinschaft Golf mit 17 Teilnehmern und zwei Lehrern zusammengefunden.

Sattes Grün ringsum, kurzgeschnittener gepflegter Rasen, in der Ferne kreisen Bussarde, über dem Vereinshaus verjagt ein Falke die Krähen. „Den Golfplatz in Rieden und den Golfclub Bad Wörishofen gibt es bereits seit 1978“, erläuterte Präsident Peter Ried, „und erhielt bei der Gründung Unterstützung durch das Angebot von Natur und Bewegung für die Kurgäste in Bad Wörishofen“. Der Golfclub wird ehrenamtlich geführt und ist im Ort gut integriert. „Wir haben auf dem Gelände auch Insektenhotels, Bienenstöcke, Reisighaufen und Streuobstwiesen und sind deshalb im Programm ,Golf&Natur‘ des DGV, nach Bronze in 2014, im vergangenen Jahr mit Silber zertifiziert worden“, berichtete der Präsident mit Stolz.

Morten Henningsen, Sportvorstand und Mannschaftsspieler in Rieden, erklärte den Schülern das „kurze Spiel“, also das sogenannte Putten auf dem zehn mal zehn Meter großen „Putting Green“. Geübt wird das „Einlochen“ auf der kurzgeschnittenen und gewalzten Grünfläche mit vielen Löchern mit kleinen durchnummerierten Fähnchen. „Fast wie Minigolf“, meinte ein Mädchen.

Die Kinder legten gleich mit viel Krafteinsatz los und mussten manchem Golfball hinterherrennen, der sein Ziel verfehlte. Henningsen erklärte geduldig die richtige Beinstellung, sprach von Konzentration vor dem Schlag und dosiertem Krafteinsatz.

Das „lange Spiel“ wird auf der „Driving Range“ geübt, einem 200 mal 200 Meter großen Areal, übersät mit Golfbällen und mit einer festgelegten Abschlagslinie. Die abgeschlagenen Golfbälle bleiben aus Sicherheitsgründen liegen und werden erst abends vom Personal maschinell eingesammelt. Christoph Kilian ist der PGA Master-Professional des Clubs und Trainer für die Schüler. Vor dem eigentlichen Schlagen des Balles kam zunächst die vorbereitende Gymnastik und die richtige Schlägerhaltung. Sein Rat an die Schülerinnen und Schüler lautete: „Ein guter Griff dauert etwas länger zu lernen“. 

Und so wurden die ersten Bälle geschlagen und mindestens ebenso viele Löcher in den Rasen gehackt. Verbesserung brachte ein „Tee“ (gesprochen: Tie), ein kleiner Stift. „Aus Holz wegen der Umwelt“, sagte Kilian. Der wird in den Rasen gepiekt und dann der Golfball zum Abschlagen draufgelegt. Quer dazu aufgestellt, mit dem Schläger ausgeholt und … „Pauw“… weg flog der Ball. Einige Schüler konnten schon nach kurzer Zeit 75 Meter Distanz erreichen.

Zum Abschluss gab’s noch Regelkunde: 34 Golfregeln sind zu erlernen. Erst wenn die Regeln beherrscht werden und man die Bälle sicher schlagen kann, darf man auf den eigentlichen Golfplatz mit seinen 18 Löchern. Dann erhält man die „Platzreife“.

von Wolfgang Krusche

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