"Ich hab‘ um mein Leben geschrieben"

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Corona-Kinobesitzer Günter Sobeck freut sich über ein Autogramm von Autorin Rita Falk.

Kaufbeuren – Die Autorin Rita Falk wurde durch ihre in dem fiktiven Ort Niederkaltenkirchen spielenden „Provinzkrimis“ um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer bekannt. Aktuell wurde ihr dritter Roman aus der Serie, „Schweinskopf al dente“, verfilmt. Der Kreisbote sprach mit ihr im Corona Kinoplex.

Rita, wie ist damals die erste Eberhofer-Idee entstanden?

Falk: Ich habe eigentlich schon immer Geschichten geschrieben. Zu der Zeit war ich allein erziehend mit drei Kindern – und ich denke, ich habe damals „um mein Leben geschrieben“, da es mir nicht wirklich gut ging. Mein späterer Mann war Polizist und da schnappte ich viel auf sogenannten „Polizei-Partys“ auf. Natürlich ist er auch mein schärfster Kritiker und zückt gern den Rotstift. Etwa mit den Worten: „Ein Polizist schießt nicht auf einen Plattenspieler.“ Aber natürlich macht das mein Eberhofer schon! (lacht) Natürlich sollen die kriminalistischen Feinheiten stimmen, da achtet mein Mann schon drauf, aber es gibt keinen Verhaltenskodex.

Wie muss sich der Leser Deinen Arbeitstag vorstellen? Wie lange schreibt man an einer Geschichte?

Falk: Da bin ich absolut diszipliniert, ich habe immer noch die Angewohnheiten aus meiner Bürokauffrau-Zeit. Nicht selten sitze ich an dann schon morgens im Schlafanzug am Schreibtisch, schreibe eineinhalb Stunden, bevor es ans Frühstück geht. Ich versuche meine sechs Stunden am Tag voll zu bekommen. Die ganze Geschichte ist im Kopf und muss in relativ kurzer Zeit auf´s Papier. In sechs bis acht Monaten ist dann ein Buch fertig. Wobei ich sagen muss, meine ersten Romane sind schneller fertig geworden, weil ich einfach länger geschrieben habe, manchmal bis zu zehn Stunden am Tag, nur merkt man irgendwann, dass zu langes Schreiben auf die Gesundheit schlägt. Nach jedem Buch war ich erstmal krank. Der neue Rhythmus ist schon besser.

Aber trotz der „Bürozeiten“ geistert Eberhofer 24 Stunden in Deinem Kopf?

Falk: Richtig. Ob ich gerade beim Spazieren mit dem Hund bin oder ganz andere Dinge mache als Schreiben, man kommt aus der Geschichte nicht heraus, bis sie zu Ende erzählt ist.

Hast Du bestimmte Orte oder Rituale wo sich deine Kreativität besser entfaltet?

Falk: Es ist schon so, dass es manchmal am Schreibtisch nicht mehr weitergeht. Dann gehe ich einfach in den Garten, beschäftige mich mit unseren Tieren. Natürlich will ich auch mein Level halten und im nächsten Buch wieder einen drauf setzten. So gelingt mir das.

Entsprechen die Figuren im Buch Deinen Vorstellungen im Film?

Falk: Absolut. Als ich die Casting-Mappe der Produzentin bekommen habe, schrie ich schon laut „Hurra“. Die Auswahl wurde wirklich perfekt umgesetzt. Noch bevor der Cast startete, sind wir mit der Produzentin durch Niederbayern gefahren und haben uns die ganzen Örtlichkeiten angeschaut. Ich bin dann gefragt worden, wie ist beispielsweise der Flötzinger, wie ist der Simmerl – und nach diesen Beschreibungen konnte das alles sehr gut bestimmt werden.

Hast Du Dich auch bei den Dreh­arbeiten involviert oder nur bei den Phasen davor?

Falk: Ich bin sehr regelmäßig bei den Dreharbeiten dabei, soweit das mein ganzer Zeitplan zulässt.

Serien sind gerade sehr im Trend. Wäre das auch eine Option für Deine Geschichten im Fernsehen gewesen, um den Figuren noch mehr Tiefe zu verleihen und detaillierter zu beschreiben?

Falk: Aktuell bin ich mit den Kino-Projekten voll und ganz zufrieden. Es stand ganz am Anfang im Raum eine Serie zu produzieren, aber mir war das nicht Recht. Der Wechsel zwischen Buch und Film ist genau richtig, ich hätte die Figuren auch nicht aus der Hand gegeben, dafür steckt zu viel persönliche Leidenschaft drin.

Bisher liefen ja schon „Dampfnudelblues“ und „Winterkartoffelknödel“ auf der Leinwand. Muss der Kinogänger auf eine chronologische Reihenfolge achten?

Falk: Die Geschichten sind immer abgeschlossen, das ist für den Kinobesucher überhaupt kein Problem, wenn er die ersten Filme erst später sieht. Man kann auch die Bücher in unterschiedlicher Reihenfolge lesen, wobei sich natürlich kleine „Running Gags“ in der Chronologie auch bemerkbar machen.

Wie geht es mit Eberhofer in der Zukunft weiter?

Falk: Gerade habe ich den achten Band geschrieben, die „Weisswurstconnection“ erscheint Anfang November. Nach der Kino-Tour steht dann die Frankfurter Buchmesse vor der Tür und danach werde ich mich wieder dem Schreiben widmen, wobei ich das Projekt jetzt noch nicht genau bestimmen kann. Ich habe ja auch andere Bücher, wie „Hannes“ oder „Funkenflieger“ geschrieben, vielleicht setzte ich auch da wieder an. Es ist auch wieder mal gut aus Niederkaltenkirchen rauszukommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Michael Denks

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