"Der Schock sitzt tief"

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„Die meisten Menschen kommen mit infizierten Wunden oder Knochenbrüchen zu uns“, so Johanniter-Helfer Gregor Adam (links).

Nepal/Mauerstetten – Während die Menschen in den abgelegenen Bergregionen von Nepal noch auf Hilfe nach dem verheerenden Erdbeben von vor gut zwei Wochen warten, wurde die Region nun erneut getroffen. Wieder begruben nach einem Beben einstürzende Gebäude Menschen unter sich.

Dutzende Opfer wurden geborgen. Die Katastrophe forderte bereits mehr als 8000 Tote, Tendenz steigend. Viele Helfer sind oder waren vor Ort, so auch ein Team der Johanniter, das vom Soforthilfe-Einsatz in Nepal vergangene Woche zurückgekehrte. Das elfköpfige Team aus ehrenamtlichen Helfern war nur wenige Tage nach dem ersten verheerenden Erdbeben in den Krisenherd aufgebrochen, um die medizini- sche Versorgung der Bevölkerung vor Ort zu unterstützen. Mit dabei war auch Gregor Adam von der Rettungshundestaffel Landsberg, Mitarbeiter der Firma Mayr Antriebstechnik aus Mauerstetten. 

Unmittelbar nach dem schweren Erdbeben in der Himalaya-Region am 25. April hatte die Johanniter-Auslandshilfe ein Erkundungsteam entsandt, um zu ermitteln, wo welche Hilfe am dringendsten benötigt wird. Nur wenige Tage später verstärkte ein zweites, elfköpfiges medizinisches Notfallteam die Helfer vor Ort. Die erfahrenen Rettungssanitäter, Notfallmediziner und Logistiker aus ganz Deutschland errichteten nahe der Stadt Melamchi, rund 45 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Kathmandu, einen medizinischen Behandlungspunkt. 

„In Absprache mit den lokalen Behörden und dem Militär haben wir die medizinische Betreuung der Bevölkerung in mehreren Tälern rund um die Stadt übernommen“, berichtet Helfer Gregor Adam. Der langjährige Sanitäter hatte vor Ort als stellvertretender Teamleiter und Security Officer zudem die Verantwortung für die Sicherheit der eigenen Teammitglieder übernommen. 

Die provisorische Gesundheitsstation der Johanniter befand sich auf dem Gelände einer alten Tempelanlage auf rund 1300 Metern Höhe unter freiem Himmel. Sie diente als zentrale Anlaufstelle für Verletzte aus den umliegenden Siedlungen. „Die meisten Menschen kamen mit unversorgten und häufig infizierten Wunden oder Knochenbrüchen zu uns“, so Adam. „Mit der Zeit kamen immer mehr Atemwegsinfektionen und Erkältungen dazu, verursacht durch Staub oder Dreck und weil die Menschen nur unter Planen und Wellblech im Freien schlafen müssen.“ 

Von der Basisstation aus suchten kleinere Helferteams in den Bergsiedlungen der Umgebung weiter nach Verletzten. „Wo die zerstörten Straßen das Durchkommen für die Jeeps unmöglich machten, waren wir teilweise viele Stunden zu Fuß unterwegs“, beschreibt Adam die Situation vor Ort. „Häufig waren wir in den entlegenen Ortschaften – zum Teil bis auf 2000 Meter Höhe – die ersten nach dem Erdbeben, die medizinische Hilfe leisten konnten. Je höher wir kamen, desto schlimmer war die Zerstörung, bis zu 80 Prozent der Häuser waren in sich zusammengefallen.“ 

Während des Einsatzes erschütterten mehrere Nachbeben die Region, drei allein in der letzten Nacht unseres Einsatzes. „Unsere Patienten sind bei Nachbeben richtig panisch geworden. Daran konnten wir sehen, wie tief der Schock sitzt“, erzählt der Helfer. Als Mitglied des Spendenbündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ haben die Johanniter auch einen Hilfsflug organisiert und ein sogenanntes WHO-Health-Kit nach Nepal gebracht, mit dem 10.000 Menschen drei Monate lang medizinisch versorgt werden können. 

Nach dem erneuten schweren Erdbeben scheint dieses auch dringend nötig. Johanniter-Helfer Gregor Adam und sein Team waren da schon wieder daheim: „Ich bin froh, dass alle Helfer wohlbehalten aus dem Einsatz zurückgekehrt sind. Obwohl die zu- rückliegenden Tage sehr anstrengend und fordernd waren, bin ich froh, dass ich dabei sein konnte“, betont er. „Mein Arbeitgeber, Mayr Antriebstechnik aus Mauerstetten, hatte mir den Einsatz schnell und reibungslos ermöglicht. Das ist nicht selbstverständlich und dafür bin ich dankbar.“ 

Das Allgäuer Maschinenbau-Unternehmen zeigt sich sehr engagiert und unterstützt seinen langjährigen Mitarbeiter, indem es die Kosten für den Einsatz an die Johanniter spendet. Der Einsatz in Nepal hat Gregor Adam jedenfalls nachdenklich gemacht. „Wenn ich sehe, über was wir hier oft jammern, muss ich den Hut ziehen vor den Menschen in Nepal, die sich nicht unterkriegen lassen; die nach so einer Katastrophe – kurz vor der Erntezeit und dem Monsun – die Ärmel hochkrempeln, nicht aufgeben und weiter machen.“

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