Landwirtschaft heute

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Weidehaltung ist in Ökobetrieben weit verbreitet.

Kaufbeuren/Ostallgäu – In der Gesellschaft gibt es häufig widersprüchliche Vorstellungen über das Leben eines Landwirtes und seine Arbeit. Auch die Bewirtschaftung einer Landwirtschaft nach biologischen Maßstäben steht oft im Interesse der Öffentlichkeit. Für die Betreiber solcher Betriebe stellt sich dagegen die Frage nach Aufwand und Nutzen. Dabei ist jedoch ein deutlicher Trend erkennbar. In Zusammenarbeit mit Studierenden der Landwirtschaftsschule Kaufbeuren berichtet der Kreisbote über ausgewählte Themen. Im letzten Teil unserer Serie beleuchten die Autoren Franz Wachter und Johannes Burkart die Vor- und Nachteile der biologischen Landbewirtschaftung.

Ein Familienbetrieb aus Seeg betreibt ökologische Landwirtschaft. Derzeit werden in dem bäuerlichen Betrieb 60 Milchkühe mit ihrer Nachzucht täglich versorgt. Für die Fütterung der Tiere stehen 54 Hektar Grünland zur Verfügung. Im Jahr 2009 fiel die Entscheidung zur Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf die ökologische Bewirtschaftung. Während die damalige Generation eine Umstellung befürwortete, stand der Hofnachfolger dem Wechsel eher skeptisch gegenüber. Der damals höhere Preis der Biomilch bot ein schlagkräftiges Argument für eine Umstellung. Höhere Kosten, geringere Erträge pro Hektar und strengere Kontrollen der Auflagen waren der Gegenpol zum höheren Milchpreis. Vor dem Hintergrund der leistungsgerechten Entlohnung der eigenen Arbeit und Wertschätzung für das „Lebensmittel Milch“ entschied sich die Familie letztendlich für die Umstellung. 

Nach fast sieben Jahre fallen die Erfahrungen überwiegend positiv aus. Mit dem Auslaufen der Milchquote besteht für den ökologischen Milchviehhalter mit Blick auf den Milchpreis eine höhere finanzielle Sicherheit. Anfängliche Bedenken, dass sich der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel im Grünlandbereich als Problem darstellen könnte, erwiesen sich weitgehend als unbegründet. Der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz erfordert jedoch eine intensivere mechanische Unkrautbekämpfung und damit einen höheren Zeitaufwand. 

Boden als "Wohnraum"

Zudem spielt gerade in ökologischen Betrieben das Prinzip des Nährstoffkreislaufs eine besondere Rolle. Der Betrieb mit seinen Flächen stellt die Futtergrundlage für die Viehhaltung dar. Ziel ist es, einen weitgehend geschlossenen Nährstoffkreislauf zu erreichen. Deshalb müssen die Nährstoffe, welche über den Verkauf von Milch und Fleisch aus dem betrieblichen Kreislauf abgegeben werden, in anderer Form erneut zugeführt werden. Insofern ist auch einem Ökobetrieb der bedarfsgerechte Zukauf von Ökofuttermitteln beziehungsweise von organisch gebundenem Stickstoff beispielsweise in Form von Stallmist und Komposten möglich. Mit einer gezielten Förderung von Kleearten, die Luftstickstoff aufnehmen, kann eine natürliche Nährstoffzuführung in den Boden erfolgen. 

Je mehr „Futter“ die Bodenorganismen bekommen, je attraktiver der Boden als „Wohnraum“ ist, desto aktiver gestaltet sich das Bodenleben. Es ist die Garantie für eine kontinuierliche Nährstofflieferung und Bodenfruchtbarkeit als Grundlage für den erfolgreichen Pflanzenbau. Dies ist für alle nachhaltig wirtschaftenden Betriebe oberste Maxime, nicht nur für den Ökobetrieb. 

Anstieg der Ökobetriebe 

Die finanziellen Anreize, ausgelöst durch den höheren Biomilchpreis und die hohe Nachfrage nach Biomilch bei den Molkereien in Südbayern, haben dazu geführt, dass seit 2015 vermehrt landwirtschaftliche Betriebe auf die ökologische Wirtschaftsweise umgestellt haben. 

Im Vergleich zu 2015 haben sich Anfang 2016 weitere 205 Betriebe in Schwaben für den ökologischen Landbau entschieden. Dies ist ein Ökowachstum von 15 Prozent, sodass der Ökoanteil mit 9,1 Prozent an allen Betrieben in Schwaben weiter im Aufwärtstrend liegt. Im Oberallgäu und Ostallgäu liegt der Anteil der Biobetriebe mit 18,3 Prozent und 14,6 Prozent über dem schwäbischen Durchschnitt, da für Grünlandbetriebe die Umstellungen auf ökologische Bewirtschaftung einfacher und eventuell zügiger möglich sind. 

So unterschiedlich die einzelnen betrieblichen Strukturen und Voraussetzungen auch sind, so vielfältig sind die unternehmerischen Entscheidungen: Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann auf einem extensiven oder intensiven Niveau, konventionell oder gemäß den Richtlinien des Ökologischen Landbaus nachhaltig bewirtschaftet werden. Grundsätzliches Ziel der Landwirtschaft ist es jedoch nach wie vor, gesunde und nachhaltig produzierte Nahrungsmittel zu erzeugen, dessen Konsumenten die darin erbrachte Arbeit und Leistung wertschätzen und preislich honorieren unabhängig von der betrieblichen Ausrichtung.

von Wolfgang Becker

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