Andreas Settele tritt als ESVK-Vorstand zurück – Kritik an Sponsorengruppe und Vorstandskollegen

"Ich lasse mich nicht instrumentalisieren!"

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Andreas Settele ist am Donnerstag als Vorstand des ESVK zurückgetreten.

Kaufbeuren – Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des ESVK, Andreas Settele, ist von seinem Amt zurückgetreten. Als Gründe führt der Ex-Vorstand unter anderem die öffentliche Kritik der letzten Wochen an seiner Person sowie Forderungen einer Sponsorengruppe auf, von der er sich nicht „instrumentalisieren“ lassen wollte.

Darüber hinaus sei er enttäuscht von seinen Vorstandskollegen Karl-Heinz Kielhorn und Kurt Dollhofer, die mit Blick auf die Anfeindungen beziehungsweise Kritik öffentlich keine Reaktion gezeigt oder sich hinter ihn als Vorstandskollegen gestellt hätten. 

Vor allem in den letzten Wochen hatte es immer wieder Kritik auf Settele gehagelt. Egal ob ESVK-Fans im Stadion oder auf diversen Internet-Foren, das Vorstandsmitglied Settele wurde massiv angegangen. Viele Fans werfen ihm Alleingänge im Hinblick auf die Entlassungen der Trainer Uli Egen und Dieter Hegen vor. 

Auch sei die Nachfolgeregelung des Sportlichen Leiters Dieter Hegen keine gute gewesen. Viele glauben außerdem, dass Settele mit Blick auf die schlechten Leistungen der Kontingentspieler viel früher hätte reagieren müssen. Als Höhepunkt ihres Unmuts hatten einige ESVK-Fans dann kürzlich während eines Spiels ein Banner im Stadion gehisst, auf dem sie seinen Rauswurf gefordert hatten. 

Doch diese Anfeindungen seien nicht ausschlaggebend für seinen Rücktritt gewesen, erklärte Settele im Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr habe ihm eine Sponsorengruppe zugesetzt, die – laut Settele – ihr weiteres Engagement für den Verein an bestimmte Entscheidungen geknüpft habe. Ein Umstand, den Settele so nicht hinnehmen wollte: „Ich lasse mich von denen nicht instrumentalisieren“. Als Vorstand müsse man frei entscheiden können. „Ich bin doch keine Marionette!“, so Settele. Um welche Sponsorengruppe es sich dabei handelt und welche Entscheidungen diese gefordert hatte, darüber schweigt Settele. 

Ein weiterer Punkt, der Settele zum Rücktritt bewogen hat, war der fehlende Rückhalt seiner Vorstandskollegen Karl-Heinz Kielhorn und Kurt Dollhofer. So habe es von ihnen keine öffentliche Reaktion mit Blick auf die massive Kritik gegeben. Entsprechend gab Settele bereits am Montag Kielhorn und Dollhofer einen Korb. Beide hatten noch versucht, Settele vom Rücktritt abzubringen. 

Kielhorn selbst bedauert im Gespräch mit dem Kreisbote Setteles Entschluss, den er nicht nachvollziehen könne. Zwar sprechen ein letzter Tabellenplatz und die öffentlichen Anfeindungen der vergangenen Wochen nicht gerade für den ESVK – doch dürfe man Settele hierfür nicht alleine die Schuld geben. „Dies hätte den ganzen Vorstand treffen müssen“, so Kielhorn. 

Auf die Frage, warum man Settele öffentlich nicht den Rücken gestärkt hatte, erklärte Kielhorn, dass so eine Diskussion in der Öffentlichkeit „schwierig zu kommunizieren“ sei. Gerade im Hinblick auf die Stadion-Debatte, den damit verbundenen Bürgerentscheid, die fehlenden sportlichen Erfolge hätten bei so manchem die Nerven blank gelegen. 

Mit Blick auf die von Settele angeführte Sponsorengruppe habe Kielhorn eine etwas andere Sichtweise: „Wenn jemand viel Geld für einen Verein ausgibt, dann möchte der auch gehört werden“. Demnach ging es wohl darum, dass die Sponsorengruppe mit der Vorstandschaft an einem Tisch „Dinge besprechen wollte“, wie es gerade im Verein läuft. Sich solch einem Gespräch zu verweigern, kommt für Kielhorn nicht in Frage. 

Dies habe nichts damit zu tun, dass man sich „instrumentalisieren oder dirigieren“ lasse. „Die Meinungen sollten gehört werden. Unterm Strich entscheidet der Vorstand autark“, so Kielhorn. Er und Dollhofer werden als Vorstände weiter den Verein leiten. Im Mai soll es die nächste Mitgliederversammlung geben. Dort soll darüber entschieden werden, ob der vakante Vorstandsposten neu besetzt wird. 

Andreas Settele ist am 15. Juni 2002 Mitglied des Vereins geworden. Bereits am 2. Mai 2005 wurde er in den Vorstand gewählt. Seitdem hat er die Geschicke des Vereins maßgeblich mit beeinflusst. Ein wesentlicher Meilenstein war die Initiative „Operation Aufstieg“, die in der Saison 08/09 auch tatsächlich erfolgreich vollbracht wurde. Seit dem 24. April 2009 spielt der ESVK wieder in der 2. Bundesliga. 

In einer Pressemitteilung dankt der Vorstand Setteles unermüdlichen Einsatz bei der Stadionschließung. Auch die Stadionsanierung habe er mit der Stadt nach vorne gebracht. Im September 2013 erlitt er einen Herzinfarkt. Bereits im Oktober danach konnte er aus der Reha heraus am Eröffnungsspiel des alten Stadions teilnehmen. „Es gilt unsere Dankbarkeit ebenso für seine Arbeit in den Verbänden ESBG, DEB, jetzt DEL2“, so der ESVK-Vorstand. 

Persönlich habe er auch immer wieder finanziell dem Verein unter „die Arme“ gegriffen. „Leider hat die aktuelle Situation, die für alle nicht ganz einfach ist, ihn dazu bewogen, seinen Rücktritt zu erklären“. Zuvor habe man noch einen außerordentlichen Erfolg verbucht. „Gemeinsam mit Fans und allen Freunden des Vereins gab es eine positive Entscheidung für ein neues Eisstadion in Kaufbeuren. Auch hieran war Andreas Settele maßgeblich beteiligt“, so die Vorstandsschaft. von Kai Lorenz

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