Bürger mit Zivilcourage

Bewerber gesucht

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Vor allem bei größeren Veranstaltungen, wie dem Weihnachtsmarkt (hier ein Foto aus 2015), soll die Sicherheitswacht Präsenz zeigen und die Polizei bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität unterstützen.

Marktoberdorf – In Kempten gibt es sie seit Jahren, in Buchloe geht sie seit 2012 auf Streife und auch in Kaufbeuren zeigt sie vermehrt Präsenz: die Sicherheitswacht. Nun soll sie auch in der Kreisstadt etabliert werden und die Polizei bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität unterstützen. Der Stadtrat erteilte jüngst dem Ansinnen der Polizeiinspektion Marktoberdorf seine Zustimmung, eine Sicherheitswacht ins Leben zu rufen und geeignete Bewerber zu suchen.

Sie sei keine Bürgerwehr, keine Polizei und stelle auch keine „Hilfssheriffs“, so beschrieb Polizeihauptkommissar und stellvertretender Inspektionsleiter Heiko Burger das Konzept der Sicherheitswacht. Kräfte der Sicherheitswacht seien Bürger mit Zivilcourage, die ehrenamtlich auf Streife gingen und nach dem Rechten schauten. Sie würden von der Polizei für ihre Einsätze ausgebildet und betreut, so Burger, und sollten als Ansprechpartner und Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung agieren.

Die Polizeidirektion reagiert mit ihrem Vorschlag auch auf einen Wunsch des Innenministeriums, das die Zahl der ehrenamtlichen Sicherheitskräfte von derzeit 800 auf bis zu 1500 Personen erhöhen möchte. Der Freistaat kommt daher auch für die Kosten auf und hat der Polizeiinspektion in Markt­oberdorf ein Budget zur Verfügung gestellt. Das sieht bei acht Ehrenamtlichen einen Einsatz von zehn bis 15 Stunden pro Monat und pro Person vor. Wer künftig für die Sicherheitswacht auf Streife geht, erhält eine Aufwandsentschädigung von acht Euro in der Stunde.

Nun gilt es für Polizeihauptkommissar Burger und seine Kollegen, geeignete Bewerber für die Sicherheitswacht zu finden. Das ist mitunter nicht leicht, wie das Beispiel aus Immenstadt zeigt. Dort ist die Sicherheitswacht zwar seit geraumer Zeit genehmigt. Eine tatsächliche Einsatzgruppe ist aber nicht zustande gekommen. Für Markt­oberdorf sucht die Polizei nun Bewerber und Bewerberinnen zwischen 18 und 60 Jahren, die über einen einwandfreien Leumund (Führungszeugnis) verfügen und eine 40-stündige Ausbildung absolvieren wollen.

Was aber darf die Sicherheitswacht genau tun? Sie solle vor allem Präsenz zeigen, erklärt Heiko Burger: „Auf Plätzen und Straßen, in Parks und Naherholungsgebieten, in Wohn- und Gewerbegebieten und bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt oder dem Gaudiwurm“. Bei verdächtigen Situationen könnten die ehrenamtlichen Sicherheitshelfer Befragungen durchführen und Personalien feststellen sowie über ihr Funkgerät umgehend die Polizei informieren. Wie Jedermann hätte auch die Sicherheitswacht das Recht, Täter auf frischer Tat bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Das ging einigen Stadträten zu weit. Walter Breiner (Freie Wähler) bemängelte, dass es keine stichhaltigen Erfahrungswerte über Erfolge und auch Risiken bei der Sicherheitswacht gebe. Und Franz Barnsteiner (FW) bezweifelte, dass die Sicherheitswacht bei „so wenigen Stunden Einsatz überhaupt Einfluss auf die Sicherheit oder das Sicherheitsgefühl nehmen könne.“ Auch Erich Nieberle war skeptisch: Die aktuelle Sicherheitslage in Marktoberdorf gäbe den Einsatz von Sicherheitsleuten nicht her. Auch Alkoholkonsum und Vandalismus an öffentlichen Orten wie am Grillplatz auf der Buchel könne man, so Nieberle, dadurch nicht verhindern, allenfalls an andere Orte verdrängen. Fünf Stadträte stimmten letztendlich gegen die Einrichtung der Wacht. Nun hängt es an der Zahl geeigneter Kandidaten, wann die Sicherheitswacht in Marktoberdorf zu ihrem ersten Dienst antritt.

von Angelika Hirschberg

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